Weiden in der Oberpfalz
30.05.2026 - 00:01 Uhr

Vom Sportmuffel zum Marathonläufer

Stefan Zaruba konnte dem Sport lange Zeit wenig abgewinnen – Schach ausgenommen. Heute bewältigt er Marathons.

Info:

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln im Jubiläumsjahr von Oberpfalz-Medien. Viele davon sind in einer Beilage unserer Tageszeitungen am 30. Mai 2026 erschienen.

Ausgerechnet die Laufveranstaltungen von Oberpfalz-Medien haben den Redakteur und Chefredaktionsmitglied vom schwitzenden Treppensteiger zum begeisterten Langstreckenläufer gemacht. Im Interview blickt der 53-Jährige auf seinen überraschenden Einstieg bei den Nofi-Läufen zurück, erzählt von Rückschlägen, Gemeinschaftsgefühl und dem Moment, als es endgültig „Klick“ gemacht hat.

ONETZ: Servus Stefan, erinnerst du dich noch, wie sportlich du vor 2006 warst? Gab es da überhaupt schon Berührungspunkt mit dem Laufen?

Stefan Zaruba: Tatsächlich stand ich mein Leben lang mit Sport auf dem Kriegsfuß – von Schach mal abgesehen (lacht). Laufen war zu Schulzeiten die Hölle. Mir fällt da die Runde um den Flutkanal in Weiden ein, bei der ich keine Chance hatte, sie durchzulaufen. Ich war noch in meinen frühen 30er-Jahren zwar in keiner Weise körperlich eingeschränkt und sogar schlanker als heute, aber ich habe damals einfach überhaupt nicht auf Fitness geachtet. Rasch irgendwo hinmarschieren oder eine Treppe rauf hat bei mir zu Schweißausbrüchen geführt.

ONETZ: Wie kam es dann dazu, dass du dich bereit erklärt hast, bei der Staffel des Freundschaftsmarathons Amberg–Weiden mitzulaufen? Als Nicht-Sportler ja eigentlich ein nahezu aussichtsloser Plan …

Stefan Zaruba: Ich hab mich breitschlagen lassen. Das muss ich so sagen. Der Marathon war ja ein Projekt unseres Hauses, und dafür stand in der Redaktion mein damaliger Kollege Michael Ascherl. Es war um Ostern herum, und der „Aschi“ überzeugte mich, dass es bis September möglich sein würde, einen Viertelmarathon zu laufen. Ein bisschen positiver Gruppenzwang hat geholfen, zudem ein wunderbares Buch für den Laufeinstieg, das der Kollege mir geliehen hat, und, ja, tatsächlich die Einsicht, dass mir etwas Fitness gut täte.

ONETZ: Wie schwer war letztendlich der Einstieg ins Laufen – und was hat dich in dieser Zeit motiviert, dranzubleiben?

Stefan Zaruba: Der Einstieg war überraschend einfach und lief nach einem Acht-Wochen-Plan aus dem Buch. Heute spuckt so etwas ja jede KI aus. In der ersten Woche läuft man nach dem Plan nicht länger als zwei Minuten am Stück, dann folgt eine Gehpause, dann wieder zwei Minuten, und so weiter. In der nächsten Woche sind es drei Laufminuten. Das steigerte sich über die Wochen so sanft, dass ich nie Seitenstechen oder Muskelkater bekommen habe. Nach acht Wochen konnte ich eine halbe Stunde durchlaufen und war mächtig stolz. Da war ich es bereits gewohnt, jeden zweiten Tag die Schuhe zu schnüren, und hab über den Sommer die Dauer auf jeweils mindestens eine Stunde ausgedehnt.

Motiviert hat mich, dass der Fortschritt von Woche zu Woche spürbar war. Auf der Waage übrigens auch messbar. Ich habe in dem Sommer fünf Kilo abgenommen. Und es war ja auch eine Aktion des Unternehmens. Wir hatten bereits Staffeln ausgeknobelt, und die Lauftrainings waren unser Lieblingsgesprächsthema im Büro. Einmal bin ich vor der Arbeit einem Kollegen aus meiner Staffel begegnet, der auch seine Morgenrunde drehte. Wir haben so stolz abgeklatscht. Das war einfach ein Gemeinschaftserlebnis.

ONETZ: War das Laufen nach diesem Einstiegserfolg beim Freundschaftsmarathon dann ein beständiger Begleiter in deinem Leben?

Stefan Zaruba: Leider nicht. Trotz aller Vorsätze und einem überraschend schnellen Lauf – unter 50 Minuten für den Viertelmarathon – war danach Schluss. Erst im Frühjahr darauf habe ich wieder für die Marathonstaffel und wieder bei Null angefangen. Und dann war erneut Schluss. Das Spiel hat sich mehrfach wiederholt. Später war es jeweils der Nofi-Lauf. Mehr Konsequenz hat dann meine Frau in mein Laufen gebracht. Sie startete ihrerseits für ihre Firma, und wir sind danach meist gemeinsam gelaufen.

ONETZ: Wann hat es dann letztendlich „geklickt“ bei dir, was gab den Ausschlag, voll anzugreifen?

Stefan Zaruba: Das war in der Pandemie. Ab dem ersten Monat haben wir die Laufumfänge deutlich gesteigert und sind erstmals einen Winter ohne Einschränkungen durchgelaufen.

ONETZ: Wann blitzten bei dir im Kopf erstmals Gedanken an Halbmarathon oder sogar Marathon auf?

Stefan Zaruba: Als 12, 14 und 15 Kilometer unsere normalen Distanzen wurden. Da war ein Halbmarathon mit 21,1 Kilometern plötzlich in Reichweite. Ein Marathon ist nochmal eine andere Nummer. Wiederum mein Kollege Michael Ascherl und Herbert Klein, ein Läufer aus meinem Ort, haben mir vom New-York-Marathon erzählt, den sie gelaufen waren. Da war die Idee in meinem Kopf – und vor allem im Kopf meiner Frau.

ONETZ: München und New York waren sicherlich die absoluten Höhepunkte. Nimm uns doch mal mit, was du empfunden hast. Dauer-Euphorie durch „Runner’s High“ oder harter Kampf?

Stefan Zaruba: Ich bin mir nicht sicher, ob ich „Runner’s High“ je erlebt habe, also dieses sagenumwobene Gefühl zu schweben. Was bei so großen Läufen tatsächlich euphorisiert, sind die Menschen. In New York sollen zwei Millionen an der Strecke gestanden sein. Das ist in der Innenstadt eine durchgehende Kulisse von Gejohle und Musik. New York war ein Ereignis zum Genießen bei bestem Wetter. München, unser erster Marathon, fühlte sich ungleich schwerer an, vor allem wegen des Wetters. Nach einem Regensturm im Englischen Garten waren wir ab der Hälfte durchnässt.

Der harte Kampf waren übrigens die Wochen vor den Marathons. Ohne Leistungtest und maßgeschneiderte Trainingspläne mit fünf Läufen pro Woche geht das nicht. Wir haben das Glück, dass uns der ehemalige Top-Triathlet Stephan Loew coacht und neben dem Körper auch den Kopf auf solche Läufe vorbereitet.

ONETZ: Wie hat das Laufen dein Leben, deine Gesundheit verändert? Und wie entscheidend war vor 20 Jahren der Impuls von Oberpfalz-Medien für deinen sportlichen Weg?

Stefan Zaruba: Mir tut immer etwas anderes weh, derzeit das linke Knie (lacht). Tatsächlich hat mich das intensive Laufen der vergangenen fünf Jahre auch dazu gebracht, dass ich meinen Körper besser kenne, dass ich verstehe, wie Kreislauf, Stoffwechsel und der Flüssigkeitshaushalt funktionieren oder welche Rolle Bänder und Faszien spielen. Ich achte mehr auf meine Ernährung, Schlaf und Muskelaufbau.

Der Impuls vor 20 Jahren, für das Unternehmen zu laufen, war der Beginn eines langen, wenn auch nicht immer geraden Weges. Ohne die Laufgruppe wäre es wohl nicht so gekommen.

ONETZ: Was würdest du heute Kolleginnen und Kollegen sagen, die behaupten: „Laufen ist nichts für mich“?

Stefan Zaruba: Dass ich mich auch mal geirrt habe.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.