23.06.2020 - 13:26 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stadtrat Weiden: Kein Kostendeckel für die Pestalozzischule

Trotz Kostenexplosion auf 36,6 Millionen Euro: Der Stadtrat beschließt die Generalsanierung der Pestalozzi-Mittelschule einstimmig. An der Frage, wie weitere Mehrkosten zu vermeiden sind, scheiden sich jedoch die Geister.

Wegen der Abstandsregeln in Coronazeiten tagt der Stadtrat erstmals in der Mehrzweckhalle am Langen Steg.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Die Akteure auf dem Spielfeld, rund 20 Zuschauer auf der Tribüne: Bei der ersten Stadtratssitzung in der Mehrzweckhalle bot sich dem Betrachter ein sportliches Bild – und nebenbei bekam er den Sanierungsbedarf städtischer Liegenschaften eindrucksvoll vor Augen geführt. Konkret ging es allerdings nicht um die in die Jahre gekommene Halle, sondern um die genau 81-jährige Pestalozzischule. Dass sie auf Vordermann gebracht, erweitert und modernisiert werden muss, da war sich das Gremium einig. Der grundsätzliche Beschluss zur Generalsanierung fiel dann auch einstimmig – nicht zuletzt zur Freude von Neu-Stadträtin Maria Sponsel (CSU), die Lehrerin an der Schule ist. Veranschlagt sind Gesamtkosten von 36,617 Millionen Euro (bzw. 42 Millionen Euro wegen der prognostizierten Baukostensteigerung in sieben Jahren). Abzüglich der Förderung müsste die Stadt laut Planern 10,8 Millionen Euro beisteuern.

Laut erster Machbarkeitsstudie sollte das Projekt "nur" 20 Millionen Euro kosten. Die Gründe für die folgende "Kostenexplosion", die zunächst im Bauausschuss für Entsetzen gesorgt hatte, erläuterte Baudezernent Oliver Seidel auf Dringlichkeitsantrag von Bürgerliste, Freien Wählern und FDP ausführlich. Demnach sei das Raum- und Funktionskonzept in Abstimmung mit der Regierung der Oberpfalz grundlegend verändert worden, beispielsweise rückte der Neubau einer Doppelturnhalle an die Stelle der Erweiterung der bestehenden. Um weitere böse Überraschungen bei der Kostenentwicklung künftig auszuschließen, forderten die Antragssteller einen "externen Projektsteuerer und Kostencontroller" sowie eine Kostensenkung um 10 Prozent auf maximal 32,4 Millionen Euro. Diesen Kostendeckel hielt allerdings nicht nur Oberbürgermeister Jens Meyer für "weltfremd". Roland Richter (SPD) stimmte zu: Bei einem alten Gebäude seien Überraschungen einfach nicht auszuschließen.

Bürgerliste und FDP/FW stellen den Dringlichkeitsantrag

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Zeitler: "Bessere Kommunikation"

Die Gesamtkosten von 36,6 Millionen Euro hätten ihre Berechtigung, betonte Seidel: "Die Standards fix zu lassen und Kosten zu senken, das geht nicht." In Details, etwa bei verwendeten Materialien, gebe es sicher preiswertere Alternativen, meinte Christian Deglmann (Bürgerliste). "Nicht ohne Auswirkungen aufs Funktionale", entgegnete der Baudezernent. Auf ein Schulsanierungsprogramm, das 100 Millionen Euro schwer ist, verwiesen Christoph Skutella (FDP/FW) und Benjamin Zeitler (CSU). Hier sei Handeln mit Augenmaß angezeigt. "Anderen Schulen möchte ich in fünf Jahren nicht sagen müssen, dass wir uns weitere Sanierungen nicht mehr leisten können", sagte Zeitler. Zudem mahnte er eine "bessere Kommunikation" an, falls wieder Kosten aus dem Ruder laufen. Und er unterstützte die Forderung nach einem externen Controller.

Zu den Tonproblemen in der Mehrzweckhalle

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Knappe Entscheidung

Der würde 900.000 Euro kosten, rechnete Baudezernent Seidel vor. Auch Richter und Karl Bärnklau ("Grün.Bunt.Weiden") plädierten für eine interne Lösung: Bei der Sanierung von Realschulbad und -sporthalle habe das Bauamt seine Kompetenz bewiesen. "Kompetenz ja, aber die Kapazitäten fehlen", erklärte Deglmann. Das Bauamt habe allein mit West IV genug zu tun. Und falls zusätzliches Personal nötig wäre, käme es auf die Projektdauer von sieben Jahren gerechnet auch nicht günstiger als der externe Dienstleister. Die Forderung unterstützten letztlich jedoch nur 14 der 40 Stadträte – die 7 von FDP/FW und Bürgerliste sowie ebenso viele aus Reihen der CSU. Spannend wurde es bei der Abstimmung über die Kostensenkung um 10 Prozent nebst Kostendeckel. Von Wolfgang Pausch und Hansjürgen Gmeiner abgesehen, schloss sich die CSU-Fraktion den Antragsstellern an. Mit 19:21 unterlagen sie knapp.

Der Bauausschuss erfährt von der Kostensteigerung

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