30.06.2020 - 17:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stadtwerke geben Mehrwertsteuer-Senkung weiter

Die Mehrwertsteuer sinkt ab diesem Mittwoch, 1. Juli. Damit werden auch Wasser, Strom und Gas billiger. Oder? Eine Nachfrage.

Alles ist für sechs Monate im Fluss. Jedenfalls in der Energiesparte. Denn die Senkung der Mehrwertsteuer wirkt sich auch auf die Wasser-, Strom- und Gaspreise aus.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Pleystein macht's ganz genau. Die Stadt mit gut 2500 Einwohner im Osten des Landkreises Neustadt/WN hat an die Bürger Ablesekarten verteilt und dazu aufgerufen, den Zählerstand der Wasseruhr zum 30. Juni darauf zu notieren. Somit kann für die Verbraucher ein klarer Schnitt gemacht werden zwischen der Zeit vor und nach der Mehrwertsteuersenkung von 7 auf 5 Prozent im Energiebereich. Und wie macht's Weiden?

Stadtwerke Weiden tüfteln noch an Abrechnungsart

"Wir müssen die Mehrwertsteuersenkung natürlich an unsere Kunden weitergeben", sagt Stadtwerke-Chef Johann Riedl auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Sprich: Das Frischwasser wird für den Rest des Jahres billiger werden. "Das Abwasser ist ja nicht mit Mehrwertsteuer belegt." Nur wie die Stadtwerke Weiden das handhaben wollen, ist laut Riedl noch unklar. Ableser auszusenden, sei nicht geplant. Womöglich lässt sich die Senkung sehr praktikabel umsetzen, indem der jährliche Wasserverbrauch 2020 durch zwei geteilt wird. Der eine Betrag wird mit der höheren, der andere mit der niedrigeren Mehrwertsteuer belastet. "Aber nochmal: Wie wir das konkret handhaben, steht noch nicht fest. Die Steuersenkung wird aber weitergegeben."

Das sind die Strom- und Wasserpreise in Weiden

Weiden in der Oberpfalz

Angst vor einem gesteigerten Wasserverbrauch wegen geringerer Kosten etwa für diverse Pool- und Planschbecken-Füllungen im Daheim-ist's-in-der-Coronazeit-auch-schön-Urlaub hat Riedl nicht. "Bis jetzt ist der Wasserverbrauch eher gesunken." Der Rückgang des gewerblichen Verbrauchs sei so stark, dass ein gesteigerter Verbrauch im privaten Bereich lang nicht zu einer Erhöhung des Gesamtverbrauchs führen würde.

Das sagt die Verbraucherzentrale:

Weniger Mehrwertsteuer, weniger Energiekosten

"Energieversorger müssen für die Zeit von Juli bis Dezember die Mehrwertsteuersenkung an ihre Kunden weitergeben", informiert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, auf die die bayerische Verbraucherzentrale auf Anfrage verweist. Weiter heißt es: "Den reduzierten Umsatzsteuersatz müssen Strom- und Gasversorger nicht sofort in den monatlichen Abschlagszahlungen, wohl aber in der Jahresabrechnung berücksichtigen. Wie dabei gerechnet wird, entscheidet sich im Kleingedruckten [des Liefervertrags]." Dabei gibt es zwei Möglichkeiten.

  • Sieht der Liefervertrag vor, dass Preisänderungen zeitanteilig berechnet werden, müsse der Anbieter den Energieverbrauch in der Schlussrechnung aufteilen und für Juli bis Dezember 2020 anteilig die 16-prozentige, für die übrigen Monate die 19-prozentige Mehrwertsteuer ansetzen. "Wir raten dazu, den Strom- und Gaszähler zum 30. Juni 2020 abzulesen und zu Beweiszwecken ein Foto vom Zählerstand per E-Mail an den Versorger zu schicken", so die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Selbiges empfiehlt, wie erwähnt, die Stadt Pleystein auch für den Wasserzähler. Denn liegen keine Werte vor, wird der Verbrauch geschätzt.
  • Erlauben die Geschäftsbedingungen übrigens keine zeitanteilige Berechnung, müsse der Versorger in Schlussrechnungen, die zwischen Juli und Dezember 2020 gestellt werden, die 16-prozentige Mehrwertsteuer auf den Gesamtnettobetrag berücksichtigen. Unerheblich sei dann, dass in den Bezugszeitraum auch Monate mit einem höheren Umsatzsteuersatz fallen. Weil die Einzelheiten dazu derzeit noch unklar seien, empfehlen die NRW-Verbraucherschützer auch hier, die Zähler zum 30. Juni 2020 abzulesen und zu Beweiszwecken im Foto festzuhalten.

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