11.06.2019 - 16:25 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Startschuss für E-Carsharing in Weiden

Der Nissan trägt das Kfz-Kennzeichen von Deggendorf, fährt aber ab sofort für das grüne Gewissen der Weidener. Das Thema E-Carsharing ist in der Max-Reger-Stadt angekommen. Lange hat´s gedauert.

Wo muss das Ladekabel hin? Leo Dietrich (Vhs, von rechts), Bürgermeister Jens Meyer, Hildegard Ziegler (SPD) und Dagmar Nachtigall (CSU) wollen es genau wissen, wie´s funktioniert.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Für Bürgermeister Jens Meyer wird "heute eine Vision Wirklichkeit", wie er bei der Vorstellung des Projektes in der Aula der Volkshochschule im Beisein zahlreicher Stadträte sagte. Carsharing in Kombination mit einem E-Auto freue ihn besonders. Damit werde die Stadt auch dem vor über zwei Jahren in Auftrag gegebenen Elektromobilitätskonzept gerecht, das gemeinsam von der OTH Weiden-Amberg, dem Energie-Technologie-Zentrum Nordoberpfalz (ETZ) und dem ip3-Büro, Ingenieure und Partner GmbH, erarbeitet wurde.

E-Technologie sei in aller Munde und "wird uns auch in den nächsten Jahren beschäftigen", sagte Meyer. Er dankte als städtischer Partner dem Deggendorfer Unternehmen Mikar mit Geschäftsführer Karl-Heinz Kaiser, das sich bei der ganzen Aktion "den Hut aufgesetzt" habe und das unternehmerische Risiko trage.

"Man kann eigentlich nur eins falsch machen. Es nicht auszuprobieren", ermunterte Kaiser die Runde. Es freue ihn, dass sich nun auch Weiden zu den bisher 27 Mikar-Standorten im ländlichen Raum Bayerns dazu geselle. Der nächste sei in Mitterteich. Sein Dank galt den Unternehmen, die E-Carsharing für die nächsten vier Jahre finanzierten. Sponsoren zu finden, sei anfangs nicht so einfach gewesen, doch habe das Projekt überzeugt. "Elektromobilität gehört die Zukunft", sagte der Geschäftsführer. Mit Stephan Korb von ip3-Ingenieure hätte man einen kompetenten Mitstreiter vor Ort. "Wir sind seit vier Jahren an dem Thema in Weiden dran, wollten sogar schon mal einen Verein gründen", sagte Korb. Er sei froh, dass sich endlich etwas bewege.

Der Nissan e-NV200 (Wert 45 000 Euro) ist ein 7-Sitzer und könnte vor allem für Ausflüge von Familien mit Kindern oder Vereine interessant sein. Der Platz reiche auch für ein Fahrrad, einen Rollstuhl oder eine Europalette aus, erklärte Jonathan Heise von Mikar. Er hatte für die umstehenden Interessierten einige technischen Daten zur Hand. So liege die Reichweite des Wagens bei rund 250 Kilometern, die Höchstgeschwindigkeit betrage 130 Stundenkilometer.

"Kinderleicht", so Heise, sei der Buchungsvorgang, der über die Internetseite des Unternehmens bzw. die App funktioniere. Nur einmal müsse der Fahrer persönlich bei der Legitimationsstelle erscheinen, um seinen gültigen Führerschein vorzuzeigen. Diese Funktion erfüllten die Stadtwerke in der Gaswerkstraße 20 als Partner. Dort, und an drei weiteren Standorten (Thermenwelt, IHK zentrum und Neues Rathaus) stehen auch E-Ladesäulen, an denen das Mietauto kostenlos betankt werden kann, sagte Heise. Mittels Adapter könne das Fahrzeug aber auch andere Stromtankstellen nutzen.

Auf die Kosten angesprochen, nannte er 4,90 Euro pro Stunde, höchstens aber 29,99 Euro am Tag. Weitere Kosten kämen auf den Nutzer nicht zu. Sollten gebuchte Fahrten länger dauern, weil man im Stau steht oder eine Panne hat, dann helfe eine 24-Stunden-Hotline. Die Buchung endet, wenn das Auto nach der Fahrt an die Steckdose gehängt wird.

"Das klingt alles gut. Vielleicht probieren wir das mal aus", sagte Manuela Heise vom Sozialdienst im Hans-Bauer-Seniorenheim und nahm das Auto näher unter die Lupe. Sie könne sich vorstellen, es für Tagesausflüge in die Region zu buchen. "Wichtig ist nur, dass die älteren Herrschaften auch genügend Platz finden." Auch "Hausherr" Leonhard Dietrich von der Volkshochsschule wollte es genauer wissen und unternahm gleich eine Probefahrt. "Ich fahre selbst zwei E-Autos, und Reichweite war für mich noch nie ein Thema." Er sei gespannt, wie das neue Angebot angenommen wird. "Erfahrungsgemäß dauert es, bis sich die Bürger trauen, den Bus auszuleihen. Nach 100 Tagen werden wir eine erste Bilanz ziehen", sagte Karl-Heinz Kaiser.

Info:

Ladesäule am Rathaus gefragt

"Äußerst gut angenommen" wird die Stromtanksäule auf dem Parkplatz beim Neuen Rathaus, wie Bürgermeister Jens Meyer bei der Vorstellung des E-Carsharing-Projekts freudig erwähnte. Die Ladesäule sei ständig belegt. "Da sieht man Kfz-Kennzeichen von überall", sagte Meyer. Nun wird genau diese Station ab sofort auch vom E-Carsharing-Auto blockiert, wenn es nicht gerade unterwegs ist. Braucht es also bald eine zweite Ladesäule vor dem Rathaus, um spontan tankende Kunden nicht zu verärgern? Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien signalisierten sowohl Thorsten Witzer von den Stadtwerken als auch Bürgermeister Meyer, dass es dazu wohl nochmal Gespräche geben müsse. Die Problematik sei nicht bedacht worden. (shl)

E-Carsharing ist ab sofort auch in Weiden möglich. Karl-Heinz Kaiser (rechts) und Jonathan Heise (Vierter von links) vom Unternehmen Mikar stellen das Projekt im Beisein von Bürgermeister Jens Meyer (Mitte) und zahlreichen Interessierten vor.
Info:

So funktioniert´s

Wie das E-Carsharing funktioniert, erklärt Jonathan Heise von Mikar: Die kostenlose Registrierung erfolgt über die Homepage www.mikar.de. Neukunden müssen ein Formular ausfüllen und absenden. Den Vertrag schickt die Firma Mikar dem Kunden per E-Mail zu. Diesen muss der Kunde mit dem gültigen Führerschein und Personalausweis bei den Weidener Stadtwerken in der Gaswerkstraße ein Mal zur Legitimation vorlegen. Danach erhält er von der Firma Mikar eine persönliche „mikard“.

Das Buchen erfolgt auf der Webseite über das Aufrufen des Buchungsformulars, die Auswahl des Buchungszeitraums und der Dauer sowie über die Auswahl des Buchungsstandorts. Den Nissan können die Nutzer mit der Kundenkarte oder per App öffnen. Das Lesegerät für die Karte befindet sich unter der Windschutzscheibe auf der Fahrerseite. Autoschlüssel und Fahrzeugpapiere liegen im Handschuhfach bereit. Das Laden kann man außer an der Ladestation zusätzlich auch an jeder Schuko-Dose erledigen. Nach dem Zurückbringen des Autos zum Standort am Neuen Rathaus muss der Ladevorgang gestartet werden. (shl)

Als Ingenieur interessiert Grünen-Stadtrat Karl Bärnklau auch ein Blick unter die Motorhaube des Nissan e-NV200. Im Hintergrund gibt Jonathan Heise (Mikar) zahlreichen Interessierten, darunter auch Gisela Helgath (Grüne) Auskunft.
Das E-Carsharing-Auto hat seinen festen Parkplatz an der Ladestation am Neuen Rathaus.
Ab sofort mietbar: Mikar bietet in Partnerschaft mit der Stadt E-Carsharing an.

E-Tankstellen in Weiden

Weiden in der Oberpfalz

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.