12.02.2020 - 17:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sturmschäden: Nach Sabine kommt die Säge

Der Wald rund um Weiden ist mit einem "hellblauen Auge" davongekommen, sagt Ingo Greim vom Forstbetrieb Flossenbürg. Sturm "Sabine" hat auf hektargroße Verwüstungen verzichtet. Ein paar Sorgen bleiben Forstleuten trotzdem.

Ach, Sabine: Der Weg bei Hammerharlesberg sieht einladend aus, Spaziergänger bleiben aber einige Tage nicht willkommen. Geknickte Baumkronen, die zu fallen drohen, könnten ihnen sonst Probleme bereiten.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Förster Wolfgang Winter atmet am Mittwoch ebenfalls auf. Sein Revier, die städtischen Weidener Wälder, seien "nicht dramatisch" von Schäden betroffen. Ärgerlich seien Einzelwürfe oder Nester - Fachjargon für vereinzelt oder in Kleingruppen entwurzelte Bäume. "Die liegen überall verstreut herum."

Das stellt Winter und seine Mitarbeiter vor technische und logistische Herausforderungen. Denn die Stämme und Äste müssen raus, um nicht dem Borkenkäfer als Silbertablett zu dienen. Sie zu entdecken ist gar nicht so einfach. Außerdem hängen noch abgebrochene Kronen im Geäst. Die können eine Gefahr sein, wenn sie fallen. Falls sie bei Schneefall schwer werden und Spaziergänger oder Gassigeher treffen, kann so etwas dumm ausgehen.

Vorsicht walten lassen

Winter hat noch keine Wege oder Flurstücke absperren lassen. Trotzdem bittet er um Vorsicht. "Ich war am Dienstag auf dem Fischerberg unterwegs. Über drei Wegen lagen Bäume, und ich kam nicht mehr weiter." Schieße ein Mountainbiker um eine Kurve, könnte er Ähnliches erleben - aber vielleicht nicht mehr rechtzeitig bremsen. Sturmschwerpunkte in Weiden kennt Winter nicht. Je nachdem, wie der Wind weht, kann mal der Schwedentisch, mal der Stadtosten stärker betroffen sein.

So oder ähnlich klingt das auch bei den Kollegen im Landkreis. Einen Anteil, dass umsichtige Waldwirtschaft - Stichworte Sanierung, Schutzwald - ihren Anteil hat, dass "Sabine" glimpflich vorbeiwehte, verneinen sie bescheiden. Das könne zuverlässig niemand sagen. "Wenn ein Sturm mit 150 Sachen reinfährt, bleibt die stärkste Eiche nicht stehen", weiß Klaus Bichlmaier vom Forstamt Schnaittenbach, das die Staatswälder westlich von Weiden mit betreut. Er rechnet mit 5000 bis 10 000 Festmeter Schadholz auf 25 000 Hektar. Keine Katastrophe.

Zum Vergleich: Zwischen dem 18. und 19. Januar 2007 traf der Orkan Kyrill mit bis zu 225 km/h auf Europa. Bayernweit fielen vier Millionen Kubikmeter Sturmholz an.

Trotzdem sind jetzt neben den Hauptamtlichen auch die Privatwaldbesitzer gefordert, erklärt Andrea Sauer vom Forstamt Mantel, das den Raum Etzenricht/Weiherhammer bis Weiden-Ost betreut. "Auch wenn es halb so wild aussieht: Bitte kontrollieren Sie Ihre Wälder und arbeiten auch Einzelwürfe ab, sonst kommt gleich der Käfer."

Endlich Wasser

Vor allem habe es Flachwurzler wie Fichte und Kiefer erwischt, sagt Martin Gotsche vom Forstamt Eschenbach, zu dem auch Pressath, Schwarzenbach und Grafenwöhr gehören. Sicherheitshalber habe er den Oberseedamm zwischen kleinem und großem Rußweiher sperren lassen. Gotsche gewinnt "Sabine" sogar positive Seiten ab. "Sie hat endlich mal Wasser gebracht, auch wenn die Aufarbeitung der Schäden zur Schlammschlacht wird." Der sommerliche Trockenstress hat dem Wald schon zugesetzt, sagt Andreas Arnold vom Forstrevier Neuhaus. So brächen jetzt leichter Äste von Laubbäumen ab. Doch auch Arnold kämpft dieser Tage vor allem mit geknickten Fichten. Im Schulwald am Gymnasium Neustadt und am Eichendorff-Rundweg bei St. Felix hat er Sperrungen veranlasst. Dort müssen nächste Woche Baumkletterer von Fachfirmen ran, um in den Wipfeln aufzuräumen. "In zwei, drei Wochen ist es wieder sicherer", wagt er eine Prognose für Spaziergänger und Jogger.

Wenn bis dahin schon ein Teil der Einzelwürfe aufgearbeitet wäre, würde das die Forstbetriebsgemeinschaften freuen. Sie erwarten wegen "Sabine" keine Auswirkungen auf den Holzpreis, der ohnehin ziemlich im Keller ist. Es sei denn, die abgebrochenen Stämme bleiben liegen. "Wenn es dann im März und April 15 Grad kriegt, freut sich der Käfer. Der steht sowieso schon an der Haustür", sorgt sich Michael Bock von der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Neustadt-Süd. "Der Holzmarkt ist eh übervoll." So verkaufe allein Tschechien rund 32 Millionen Kubikmeter Käferholz ans Ausland, weiß Bocks Kollege Bastian Träger.

Vor fünf Jahren hätten Sägewerke schon mal 100 Euro für den Festmeter 2-b-Fichte hingelegt. Das sind Längen ab 25 Zentimeter. Zurzeit sind die schon mal für rund 50 Euro zu haben.

Vorsicht bei Waldarbeit:

So notwendig Kontrollen in Sachen Windbruch sind, zu ungestüm sollte niemand vorgehen, warnt Arbeitsschutzexpertin Petra Hager von der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. "Bei jedem Kontrollgang sollte ein Helm auf dem Kopf sein." Wer als Privatwaldbesitzer Schäden feststellt, sollte die am besten mit Hilfe von Profis beheben lassen. Dazu wären der Maschinenring, KS-Landservice, die Forstbetriebsgemeinschaften oder die Waldbauernvereinigungen Ansprechpartner. Als Minimum an Ausrüstung nennt Hager eine Forstseilwinde, größere Stämme sollten mit dem Harvester abtransportiert werden. (phs)

Kommentar:

Sabine und die Besserwisser

Eigentlich sind Journalisten die Spezies, die hinterher alles vorher gewusst hat, wie der Wiener Publizist Karl Kraus leider allzu oft treffend beobachtet hat. Zurzeit hat man den Eindruck, als ob diese besserwisserische Unsitte vor allem Hobbymeteorologen und Freizeitsachverständige gepachtet haben.
Sturm? Welcher Sturm? Haben die Medien mal wieder übertrieben. Und gleich die Schule ausfallen lassen. Früher sind wir noch zu Fuß bei einem halben Meter Schnee zum Unterricht ... und so weiter. Die nächsten, die in dieses Lied einstimmen, dürften vereinzelte Naturfreunde sein, die unter rot-weißen Absperrbändern durchschlüpfen, um auf der Stammstrecke zu joggen oder den Hund an gewohnter Stelle seine Notdurft verrichten zu lassen. Wer’s nicht glaubt, frage Forstleute oder Bauhofmitarbeiter, die 2007 nach „Kyrill“ aufgeräumt haben.
Zum Trost: Es kann reizvoll sein, mal eine neue Nordic-Walking- oder Gassirunde auszuprobieren. Und abgesehen davon, dass es um Gesundheit und Unfallverhütung geht: Den Triumph der Erkenntnis, dass dieser oder jener Weg längst mal hätte geräumt werden sollen, nachdem ein unerschrockener Frischluftschnapper über einen herabfallenden Ast gestolpert ist und sich den Knöchel verstaucht hat, sollte man den Besserwissern nicht gönnen.

Friedrich Peterhans

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