15.05.2019 - 17:15 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tierheim: Landrat beißt zurück

Andreas Meier wirft dem Weidener Stadtrat falsche Darstellungen zum geplanten Neubau vor.

Alle sind sich einig: Für solche und andere Hunde muss ein neues Tierheim her. Aus dem Landkreis kommen nun aber Stimmen, die Weidener Stadträten vorwerfen, Fakten zu verkennen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Darauf hätte man Wetten abschließen können: Auf seiner inzwischen fast berüchtigten privaten Facebook-Seite knöpft sich Landrat Andreas Meier am Mittwoch den Weidener Stadtrat in Sachen Tierheimbau vor. Etliche aus dem Gremium hatten dem Landkreis am Montag vorgeworfen, sich bequem zurückzulehnen und Weiden bei den Kosten allein zu lassen.

Meier betont, dass der Landkreis im Gegensatz zu Weiden als kreisfreier Stadt nicht gesetzlich für die Unterbringung von Fundtieren zuständig sei, sondern die einzelnen Gemeinden. "Die Summe unserer sogenannten freiwilligen Leistungen wird inzwischen auch von unseren Aufsichtsbehörden sehr kritisch hinterfragt." Die mit nahezu allen Landkreisgemeinden und dem Tierschutzverein bestehenden Fundtierverträge seien einseitig vom Tierschutzverein gekündigt worden. Einige davon seien zu höheren Konditionen wieder abgeschlossen, einige jedoch nicht mehr. Dies liege allein im Ermessen der Kommunen.

Der Landkreis sei indes für Quarantänefälle zuständig. Hierfür habe er die Stadt Weiden gebeten, rund zehn Aufnahmeplätze zu planen und mit Kosten zu beziffern. Das sei beiden Seiten aber nach Vorlage der Kosten zu teuer gekommen. "Dann wurde einvernehmlich auf den zusätzlichen Bau von Quarantäneplätzen verzichtet, nachdem auch der Weidener Stadtrat aufgrund der immensen Kostenschätzung erschrocken war und das Baubudget auf die Hälfte der kalkulierten Kosten gedeckelt hat."

Meier betont aber, dass sich sein Landkreis "ohne gesetzliche Verpflichtung, sondern aus moralischer Verantwortung" an der Fundtierproblematik beteiligen werde. Deshalb habe er der Stadt vorgeschlagen, dass er zwar keine Baukosten übernehmen dürfe, sich aber über einen erhöhten Mitgliedsbeitrag, etwa mit einer Pro-Kopf-Umlage nach Einwohnern, zusätzlich zu den Einnahmen aus den Fundtierverträgen mit den Landkreisgemeinden an den Betriebskosten beteilige. Der Landkreis werde Quarantänetiere nun weiter in anderen Tierheimen unterbringen und dafür bezahlen. Angemerkt

Aus dem Stadtrat

Weiden in der Oberpfalz
Nochmal nachgelegt:

In den Kommentaren zu seinem Facebook-Beitrag legte Landrat Andreas Meier nochmals ausführlich nach. Auslöser war ein Nutzer, der anmerkt, bei der interkommunalen Zusammenarbeit in der nördlichen Oberpfalz sei wohl der Wurm drin. Darauf Meier: „Der ,Wurm‘ ist in allererster Linie in der ,Kommunikation‘ drin. Wenn es inzwischen wichtiger zu sein scheint, mit einem möglichst prägnanten Satz in der Presse zu erscheinen, anstelle mit konkreten und belastbaren (weil zutreffenden!!!) Fakten und Resultaten, dann kommt sowas dabei raus.“ Die Stadt habe mit dem Landkreis längst einen Kompromiss gefunden. Dann hätten die „von den Kosten geschockten“ Weidener Stadträte selbst ihr Projekt einstimmig „um die Hälfte gekappt“. „Deshalb: ,Wer mit dem Finger auf andere zeigt, der zeigt mit mindestens drei Fingern auch auf sich selbst.‘“ (rg)

Reaktion Bürgermeister Troppmann

Weiden in der Oberpfalz
Kommentar:

Unangebrachter Katzenjammer

Auch das Wort „Affentheater“ fiel am Montag im Stadtrat zum Tierheimneubau. Für selbiges dürfen sich viele Stadträte selbst ein Stück weit verantwortlich fühlen. Ebenso wie der Tierschutzverein. Man erinnere sich an Appelle aus dem Jahr 2015: dringender Handlungsbedarf, spätestens 2016 muss ein Neubau beginnen. In diese Gemengelage platzte das Angebot aus Mantel, passenden Grund zu einem akzeptablen Preis bereitzustellen.
Weder Tierschutzverein noch Stadt konnten sich damit anfreunden. Dabei ist ein Tierheim – so wichtig es ist – kein Prestigeobjekt und erst recht kein Gewerbesteuerzahler. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins fürchteten damals weitere Wege. Dabei liegt Mantel gerade einmal neun Kilometer vor Weiden. Wenig später diskutierten die Verantwortlichen kurzzeitig über den Standort Latsch. Der wäre weniger als zehn Autominuten von Mantel entfernt gewesen.
Die Stadt hatte weniger Probleme, renommierte Veranstaltungen wie die Literaturtage einzudampfen, Bayerisch-Böhmischen Kultur- und Wirtschaftstage zu streichen oder Stellen nicht mehr zu besetzen. Klar, die Finanzlage verlangte drastische Einschnitte. Das Tierheim wollte Weiden aber unbedingt behalten. Hätte die Stadt es ins Umland abgegeben, müssten Stadträte jetzt nicht über fehlende Beteiligungen aus dem Landkreis jammern. Vielleicht stünde der Neubau dann schon. Und spätestens bei der Einweihung würde kein Hahn mehr nach dem Standort krähen oder ein Hund danach bellen.

Von Friedrich Peterhans

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