14.05.2019 - 16:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tierheim: Weiden baut nur für sich selbst

Die Diskussion um den Weidener Tierheim-Neubau wird zum Affentheater, klagt Stefan Rank im Weidener Stadtrat. Landkreis und Umlandgemeinde geben der Stadt nämlich einen Korb. Und die plant deshalb nur noch für den eigenen Bedarf.

Das Tierheim Weiden muss neu gebaut werden. Über das Wie diskutiert der Weidener Stadtrat. Dass nun nur noch für den eigenen Bedarf geplant wird, erleichtert die Umsetzung des Beschlusses, dass die Baukosten auf drei Millionen Euro zu deckeln sind.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die Stadt wird von den Nachbarn bei der Planung fürs neue Tierheim allein gelassen. Der Landkreis will keine Quarantäne-Station, die Umlandgemeinden geben keine Zusage, ihre Fundtiere nach Weiden zu bringen. Darum plant Weiden nur noch ein Tierheim für den eigenen Bedarf. Allerdings lässt sich der Stadtrat nach langer Diskussion am Montagabend ein Hintertürchen: eine "kleine Erweiterung" soll mitgeplant werden.

Rechtsdezernentin Nicole Hammerl schildert die schwierigen Gespräche in Neustadt, die vergeblichen Versuche, den Tierschutzverein einzubinden. Es sei klar, dass der Betrieb ausgeschrieben werden müsse. Ebenso klar sei, so OB Kurt Seggewiß, dass nur der Tierschutzverein Weiden und Umgebung dieser Betreiber sein könne. Erstes Ziel müsse es sein, Fundtiere wieder "zurückzuführen".

"Verwirrt und traurig" über die jüngste Entwicklung zeigt sich Bürgerlisten-Stadtrat Stefan Rank. "Der Tierheimneubau wird zum Affentheater. Die neuen Fakten hinterlassen Fragezeichen." Wichtige Beteiligte wie Veterinäramt und Tierschutzverein seien nicht eingebunden: "fahrlässig". Wenn nicht der Tierschutzverein als Betreiber gewonnen werde, sei die Stadt "aufgeschmissen". Der Landkreis habe, obwohl die Quarantäne-Station auch seine Aufgabe sei, offenbar sehr geschickt verhandelt - "und lehnt sich zurück". "Fundtiere und ihre Quarantäne-Unterbringung haben der Stadt viel Geld gekostet. Wir können den Landkreis nicht aus der gemeinsamen Verantwortung entlassen." Rank attestierte dem Landkreis und den Umlandgemeinden "schlechtes Spiel" - die Mehrheit des Stadtrats klatscht Beifall. OB Seggewiß versichert, dass Weiden sich künftig nicht mehr um jedes Fundtier annehmen könne. "Wir lernen: Es ist nicht unser Job, Tiere aufzunehmen, die in 50 Kilometer Umkreis aufgegriffen werden."

Verständnis dafür, dass Weiden nun für sich allein plane, zeigt Heiner Vierling (CSU). Josef Gebhardt (SPD) deutet an, dass der Landkreis Tiere auch in stillgelegten Stallungen unterbringen könne. Stadtkämmerin Cornelia Taubmann unterstreicht, dass sich Weiden als Stabilisierungsgemeinde auf ihre Pflichtaufgabe konzentrieren müsse. "Wir können keine Quarantäne-Station für den Landkreis errichten." Das betont auch Baudezernent Oliver Seidel. Die Stadt könne nicht für einen spekulativen Bedarf planen. Hammerl moniert indes, dass der Freistaat Bayern bei der Gesetzgebung zur Unterbringung der Tiere "schludert". Bereits vorhandene Einrichtungen wollten gefüllt werden.

Fragezeichen hinter die geschätzten Baukosten setzt Architekt Karlheinz Beer. Mit 3000 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche kämen Investoren bereits "im gehobenen Wohnungsbau" aus. "Bei der derzeitigen Informationslage sind wir im Nebelflug. Wir brauchen Transparenz und belastbare Zahlen." Deutlich äußert sich Roland Richter (SPD) in der "zu bunt gewordenen Diskussion": "Wir bauen kleiner und finanziell vertretbar, nur für uns." Das Verhalten des Landkreises und der Gemeinde sei keine gute Basis für interkommunale Zusammenarbeit. An die glaubt aber noch Grünen-Sprecher Karl Bärnklau. Wolfgang Pausch (CSU) bringt nochmals einen "runden Tisch" mit allen Beteiligten ins Gespräch.

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