16.09.2019 - 19:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tödliches Ende einer Hassliebe

Vor dem Landgericht Weiden hat der Prozess gegen einen syrischen Koch aus Altenstadt/WN wegen Totschlags begonnen. Dem 28-Jährigen wird vorgeworfen, am 23. Januar seine Partnerin (22) erstochen zu haben.

Der Angeklagte Bandar S. (rechts) mit einem Arabisch-Übersetzer, im Hintergrund der rechtsmedizinische Gutachter. Seit Montag muss sich ein 28-jähriger Koch wegen Totschlags an seiner Frau vor dem Landgericht verantworten.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Bandar S. (28) lässt vor Gericht kein gutes Haar an seiner Frau: „Sie war es, die immer angefangen hat.“ Sie habe ihn „geschlagen wie ein Kind“, beleidigt, „mich nicht respektiert“. Heba A. (22) kann sich gegen diese Aussagen nicht mehr wehren. Die Mutter zweier Kleinkinder (1 und 4) ist tot, erstochen von ihrem Mann.

Die Tat ereignete sich am 23. Januar gegen 3 Uhr, einer kalten Winternacht, in einer Wohnung in Altenstadt/WN. Seit Montagnachmittag muss sich der Syrer wegen Totschlags vor dem Landgericht Weiden verantworten, vertreten von Anwalt Franz Schlama. Täter und Opfer sind Bürgerkriegsflüchtlinge aus der umkämpften Stadt Daraa, lernten sich aber erst 2017 in der Oberpfalz kennen. Das Paar heiratete schnell und lebte – glaubt man ihm – im privaten Dauerkrieg. Weitere Angehörige gibt es in Deutschland nicht.

Dem tödlichen Stich am 23. Januar 2019 gingen laut Anklage von Oberstaatsanwalt Bernhard Voit stundenlange, wechselseitige Auseinandersetzungen voraus. Gegenüber den Ermittlern schilderte der Angeklagte, wie zunächst seine Frau ihn mit einem Küchenmesser angegriffen habe, das er ihr abnahm und beiseite legte. Als sie schließlich seine Kleidung aus dem Fenster warf, stach er zu. „Sie hat mir das Gefühl gegeben, dass ich kein Mann wäre“, sagt der Angeklagte vor dem Schwurgericht.

Den Tathergang schildert er plötzlich etwas anders als gegenüber der Kripo. Er sagt jetzt, dass ihm seine Partnerin noch ins Gesicht gesagt habe, dass sie ihn verlassen werde: „Sie werde einen neuen Mann kennenlernen und meine Tochter auf seinen Namen registrieren lassen.“ Daraufhin habe er zum Messer gegriffen, das auf dem Nachttisch lag. Er traf sie durch den Rücken ins Herz.

Tatsächlich sind islamische Ehen im deutschen Familienrecht problematisch. Die Getötete war nach islamischen Recht schon einmal verheiratet. Aus dieser Ehe stammt ein vierjähriger Sohn. Mit ihrem zweiten Mann, dem Angeklagten, bekam sie eine Tochter. Problem: Zwar wird die Heirat, aber nicht die Scheidung nach islamischen Recht anerkannt. Der erste Mann ist damit gesetzlicher Vater beider Kinder. Der Syrer lebt in Norddeutschland. Die Kinder sind nach wie vor in Pflegefamilien.

Die Polizei war im Januar nicht zum ersten Mal nach Altenstadt ausgerückt. Kurz vor Weihnachten hatte die Getötete wegen häuslicher Gewalt die Polizei eingeschalten. Der Angeklagte wurde von einer Streife in eine Gemeinschaftsunterkunft verlegt, kehrte aber – angeblich mit ihrem Einverständnis – noch am gleichen Tag zurück.

Am 22. Januar sei man nach einem Termin im Jobcenter in Streit geraten. 1200 Euro mussten zurückgezahlt werden. Bandar S. berichtet von auf- und abschwellenden Streitereien, die am Abend eskalierten. Er hatte ihr Handy kontrolliert, das sie für ihn überraschend mit Passwort sicherte. Auch dies, den Streit um die PIN, erwähnt der Angeklagte am Montag erstmals, bemerkt Vorsitzender Richter Gerhard Heindl. Er zertrümmerte ihr Handy; sie zerschlug seines; er warf einen Aschenbecher; sie zerschnitt seine Hemden. „Wir haben beide angefangen, die ganze Wohnung zu demolieren.“

Dem Sterben seiner Frau stand der Täter emotionslos gegenüber, erinnern sich zwei Beamte der Polizeiinspektion Neustadt/WN. „Ihm schien es egal.“ Ein Polizist löste die Nachbarin bei der Reanimation ab, bis das BRK kam. Letztlich vergeblich. Die Kinder fand die Polizei im Schlafzimmer vor. Das Baby schlief, der Vierjährige war wach.

Bandar S. im Januar bei seiner Vorführung vor den Haftrichter, begleitet von zwei Beamten der Kriminalpolizei.

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