26.03.2019 - 16:25 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Topfit auf dem Parkett

Joggen? Nö, zu kalt draußen - und im Sommer oft zu warm. Schwimmen? Viel zu nass! Radfahren? Da schmerzt sofort das Hinterteil ... Wer Sport treiben sollte oder will, kann sich oft für viele gängige Bewegungsarten nicht erwärmen - und bleibt lieber auf der gemütlichen Couch sitzen.

Salsa ist bei Tanz-Fans nach wie vor beliebt. Der lateinamerikanische Tanz hat laut Alexander Vezard eine „exotische und erotische Seite“.
von Stefan Puhane Kontakt Profil

Dabei gibt es - eigentlich schon immer - eine Sportart, die oft und leicht übersehen wird, die gehörigen Spaß bereitet und die geradezu ideal dazu ist, um sich fit zu halten: Tanzen!

"Aber Tanzen ist doch gar kein richtiger Sport", belächelt der eine oder andere Fitness-Freak diejenigen, die mit Eleganz und Anmut übers Parkett schweben. Ganz und gar anderer Meinung ist bei diesem Thema Alexander "Sacha" Vezard. Der Weidener Tanzlehrer gesteht zwar ein, dass dies vielerorts so gesehen wird und hat dabei auch einen für ihn triftigen Grund ausgemacht: Ärzte können Tanzen bei gesundheitlichen Problemen nicht verschreiben und manche Krankenkassen erkennen Kurse nicht an.

Ganz schön außer Puste

Sport sei die rhythmische Bewegung auf dem Parkett aber sehr wohl. "Ich als Tanzlehrer bewege mich täglich durchschnittlich über sechs Kilometer, nur mit Tanzen." Und viele Tanzarten ließen sich durchaus mit anderen Sportarten vergleichen. "Tango Argentino" etwa ist seiner Meinung nach das Yoga des Tanzens.

"Mach das mal eine Stunde - und du schwitzt ohne Ende." Der Exportschlager aus Südamerika sei überdies ideal, um Balance und Gleichgewicht zu trainieren - vor allem bei der ständig geforderten Verlagerung des Gewichts vom linken auf den rechten Fuß.

Jive, Boogie, Discofox sowie Rock 'n' Roll seien wie Fußballspielen. "Dabei tut man richtig was für die Kondition." Fitness-Freaks kämen bei Tänzen wie Flamenco, Line-Dance oder "Solo Latin Dance" voll auf ihre Kosten. "Da kommt man ganz schön außer Puste", verspricht Vezard.

Walzer tanzen dagegen sei wie Schlittschuhlaufen. Mit Bachata und Salsa schule man die Koordination. "Hierbei bewegen sich die Hände ganz anders als die Füße." Und last but not least profitiere auch das Gehirn vom Tanzen - Stichwort logisches Denken und Kreativität. Vezard: "Wir zerlegen Tänze in verschiedene Bausteine, viele entwickeln dabei sogar selbst Schritte."

Tanzen geht immer

Beim Tanzen gelte - genau wie bei allen anderen Sportarten: "Bewegung tut gut - übertreiben ist nicht gut." Regelrechter Tanzsport etwa könne oft schon zu viel sein. Aber hobbymäßiges Tanzen habe gegenüber anderen Sportarten auch viele Vorteile. Einer davon: Man kann es in jedem Lebensalter ausüben, was bei vielen anderen Fitness-Übungen nicht der Fall ist. Gerade mit technisch anspruchsvollen Sportarten wie Tennis, Fußball oder Eishockey sollte man schon in jungen Jahren starten. Hier gilt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Tanzen dagegen sei wie eine Sprache, betont Sacha Vezard. "Das kann man immer lernen." Nur die Mechanik müsse passen, sprich man müsse nur gehen können. Und der Kopf müsse frei sein. Was dabei für die Jüngsten gilt, gelte aber ebenso für Senioren. "Zum Tanzen ist es nie zu spät", betont Vezard, "manche fangen erst mit 70 Jahren an."

Doch haben in modernen Zeiten uralte Tänze wie Walzer, Tango und Co. überhaupt noch eine Chance? Durchaus, sagt der Weidener Tanzprofi, der zusammen mit seiner Mutter Sylvia in Weiden zwei Tanzschulen betreibt. Der Trend geht in Richtung Klassik. "Salsa und Bachata etwa funktionieren immer." Die Figuren dieser Tänze seien "schön und sexy", haben eine "exotische und erotische Seite". Ebenso beliebt wie eh und je seien zudem Boogie und Discofox.

Tanzpartys

Dass viele Menschen, die sich gerne bewegen, oftmals das Tanzen nicht auf ihrem Sport-Zettel stehen haben, liegt daran, dass die Gelegenheiten, diesem Hobby nachzugehen, nicht so häufig vorhanden sind. "Normalerweise sehen wir in der Tanzschule die Leute dreimal in ihrem Leben", sagt Vezard und schmunzelt. "Beim Tanzkurs in der Schule, bei ihrer eigenen Hochzeit und vor der Hochzeit ihrer Kinder." Wer die Augen offen hält, erhalte aber durchaus genügend Chancen, über diverse Tanzflächen der Region zu schweben, etwa bei Tanzpartys, die viele Tanzstudios regelmäßig veranstalteten.

Neben dem sportlichen Nutzen des Tanzens ist überdies der gesellschaftliche und zwischenmenschliche Aspekt nicht außer Acht zu lassen. "Paare, die einen Tanzkurs absolvieren, investieren damit auch in ihre Zukunft", erklärt Vezard. "Man lernt dabei für ein gemeinsames Hobby." Und das lasse sich dann über die Trainingsstunden hinaus weiter pflegen.

Erwachsene, die seit dem Kurs während ihrer Schulzeit nicht mehr das Tanzparkett betreten haben, sind nach den Erfahrungen des Experten mit den rhythmischen Bewegungen schnell wieder damit vertraut. Nach einem gemeinsamen Kurs über viermal 90 Minuten sei man wieder drin.

Und auch blutige Anfänger brauchen keine Scheu vor dem Tête-à-Tête mit Musik zu haben. Wichtig dabei sei nur eine positive Einstellung dazu, ganz ohne Druck. Vezard: "Man darf niemanden zum Tanzen zwingen. Das muss aus dem Herzen kommen." (puh)

Informationen:

Vom Single-Tänzer zum Paar

Wer mit dem Tanzen beginnt, wird schnell erkennen, welcher Stil ihm gefällt. Tanzschulen und -studios bieten alle möglichen Richtungen an – und dabei finde jeder seinen Weg, weiß Alexander „Sacha“ Vezard. Und vielleicht auch mehr als einen Tanzpartner oder eine -partnerin.

„10 bis 20 Prozent unserer Singles werden zu Paaren, wir sind da wie eine Familie“, weiß der Weidener Tanzlehrer. (puh)

„Mach das mal eine Stunde – und du schwitzt ohne Ende“, sagt Alexander Vezard über den Fitnessfaktor des Tango Argentino. Doch dieser Tanz hat natürlich noch viel mehr zu bieten ...
"Zum Tanzen ist es nie zu spät, manche fangen erst mit 70 Jahren an", weiß Tanzlehrer Alexander "Sacha" Vezard.
Tanzen macht in jedem Alter Spaß.
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