19.11.2020 - 15:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Toter vom Flutkanal: Weiterhin Totschlag-Tatverdacht bei Begleitern

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Ein junger Mann kommt im Flutkanal ums Leben. "Freunde", mit denen er gezecht hat, machen keine Anstalten, ihm das Leben zu retten. Bis so etwas geklärt und erklärt werden kann, dauert es noch.

In der Nähe des Wehrs, das den Flutkanal vom Stadtbad trennt, müssen sich in der Nacht zum 12. September dramatische Szenen abgespielt haben. Die sind aber noch nicht so weit geklärt, dass daraus eine Anklage folgen könnte.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Was genau ist in der Nacht vom 11. auf den 12. September auf dem Weg hinter dem Kindergarten St. Michael passiert? Drei junge Männer aus dem Raum Sulzbach-Rosenberg und eine Frau aus Weiden zwischen 21 und 23 Jahren haben wenige Stunden zuvor in einer Weidener Shisha-Bar getrunken und sich dann allmählich auf den Heimweg gemacht. Am nächsten Morgen melden sie einen aus dem Quartett als vermisst. Der 22-Jährige wird später tot geborgen. Er ist ertrunken.

Was anfangs wie ein Unglück aussieht, ist inzwischen ein Kriminalfall, der nicht leicht zu knacken ist. Seit 1. Oktober befinden sich die Begleiter des Toten aus jener Nacht in Untersuchungshaft in verschiedenen Strafanstalten. Die kann in der Regel bis zu sechs Monaten dauern. Ob und wann Anklage gegen das Trio erhoben wird, ist nach wie vor offen. Die Ermittlungen können sich noch Wochen hinziehen, erklärt Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer. "Der dringende Tatverdacht liegt weiterhin vor", betont er. Das könnte auf den Tatbestand des Totschlags durch Unterlassen hinauslaufen. Dabei spielen juristische Schlagworte wie Aussetzung mit Todesfolge oder unterlassene Hilfeleistung eine Rolle.

Belastendes Handyvideo

Im Klartext: Die drei müssen mitbekommen haben, dass der vierte Mann im Wasser betrunken um sein Leben kämpft. Trotzdem haben sie offenbar nicht eingegriffen. Im Gegenteil. Sie haben wohl einen Gutteil des Geschehens als Handyvideo aufgezeichnet, was die Gruppe inzwischen juristisch schwer belastet. Möglicherweise hat es auch Streit gegeben. "Das kann manchmal um etwas ganz Banales gehen", hält sich der Oberstaatsanwalt dazu bedeckt.

Wie weit Alkohol bei all dem den Verstand benebelt hat, ist offen. Zumindest einer aus dem Trio soll jedoch nüchtern gewesen sein, weswegen er auch noch mit dem Auto Richtung Sulzbach nach Hause gefahren ist. Ob er die beiden anderen mitgenommen hat, ist nicht ganz klar. Einer unbestätigten Meldung nach soll der andere Mann bei der Frau in Weiden übernachtet haben oder anderweitig nach Hause gekommen sein.

Zögerliche Zeugen

Wie Schäfer mitteilt, sind weitere Zeugenvernahmen nötig. Einige haben sich bereits gemeldet, andere nicht. Zu Letzteren gehört ein Ehepaar zwischen 40 und 50, das sich am Freitag, 11. September, zwischen 22 und 23 Uhr auf der Brücke an der Friedrich-Ebert-Straße aufgehalten haben soll. Gleiches gilt für eine Gruppe junger Männer zwischen 20 und 25 und eine Frau mit blauen Haaren, die zur fraglichen Zeit ebenfalls dort vorbeikamen. Dass sie auf Medienaufrufe nicht reagiert haben, könnte damit zusammenhängen, dass sie sich fürchten, selbst wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden zu können. Das bestätigt auch Schäfer.

Die Personen sollen angeblich gute Sicht auf die Vorgänge gehabt haben. Hilferufe seitens des 22-Jährigen oder seiner Begleiter habe es aber nicht gegeben. Die Stelle, wo sich das Ganze abgespielt haben soll, besitzt eine Besonderheit. Sie fällt im Gegensatz zum übrigen Flutkanalgelände im Bereich der Weidener Innenstadt relativ steil zum Wasser hin ab. Was inzwischen ebenfalls feststeht: Der Ertrunkene hatte gesundheitliche Beeinträchtigungen. Welche, sind nicht bekannt. "Aber es gibt gewisse Problematiken, da ist es nicht gut, wenn viel Alkohol dazukommt", umschreibt es Schäfer.

Im Oktober wurden die drei Begleiter verhaftet

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Hintergrund:

Totschlag durch Unterlassen

  • Paragraf 212, Absatz 1, Strafgesetzbuch
  • Mindeststrafe von 5 Jahren
  • Zwangsläufig eine Haftstrafe
  • Keine Fahrlässigkeit möglich

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