27.08.2021 - 10:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Übergangsfrist für Schusswaffen endet: Das sollten Jäger, Sportschützen und Sammler jetzt beachten

Schusswaffen, Waffenteile und Magazine – ab September sind in Deutschland einige davon verboten. Was jetzt gilt und was Waffenbesitzer beachten sollten.

Die Asservatenkammer in Weiden.
von Wiebke Elges Kontakt Profil

Ab September gilt in Deutschland ein neues Waffenrecht. Das Gesetz regelt das Verbot von bestimmten Schusswaffen, Waffenteilen und Magazinen. Damit Jäger, Sportschützen und Sammler noch einmal die Chance bekommen, diese Waffen zu melden, weist das Landratsamt Tirschenreuth auf die endende einjährige Übergangsfrist hin.

Wer bestimmte Schusswaffen, Waffenteile und Magazine besitzt, könne diese nur noch bis zum 1. September 2021 abgeben oder den Besitz mit einer Anzeige bei der Waffenbehörde legalisieren, teilte der Pressesprecher des Landratsamtes Tirschenreuth Walter Brucker mit. Er verweist dabei auf das Dritte Waffenrechtsänderungsgesetz. Es setzt eine 2017 geänderte EU-Richtlinie um, deren Ziel es ist, Terroristen den Zugriff auf scharfe Schusswaffen zu erschweren, so das Bundesinnenministerium.

Allgemeine Regeln

Brucker erläutert, dass im Rahmen der einjährigen Übergangsfrist Magazine für Gewehre (Langwaffen) mit einer Kapazität von mehr als zehn Schuss und für Pistolen (Kurzwaffen) mit mehr als 20 Schuss ab September verboten sind. Allerdings gelte eine Besitzstandregelung für Waffenbesitzer. Das bedeutet, wer große Magazine bereits vor dem 13. Juni 2017 gekauft hat, darf dieses zwar behalten, müsse den Besitz aber anzeigen. „Bei fristgerechter Anzeige greift das neue Verbot ihm gegenüber nicht.“ Für Magazine, die nach dem Stichtag erworben wurden, können Waffenbesitzer beim Bundeskriminalamt Ausnahmegenehmigungen beantragen. „Ansonsten müssen die Magazine bei einer Polizeidienststelle oder der zuständigen Waffenbehörde abgegeben werden“, so Brucker.

Auch auf Platzpatronen umgebaute Salutwaffen sind ab September verboten. Rechtlich sind diese Waffen dann wieder wie die Ausgangswaffe eingestuft. „Also wie die ehemals scharfe Schusswaffe“, sagt Brucker. Auch hier können Waffenbesitzer laut Gesetz eine Waffenbesitzkarte beantragen. Zudem werden weitere Teile von Schusswaffen als wesentliche Waffenteile eingestuft, erklärt der Pressesprecher des Landratsamtes Tirschenreuth. Damit seien dann beispielsweise das Gehäuse und Verschlussträger von vollautomatischen Schusswaffen verbotene Gegenstände. Auch für diese können Waffenbesitzer eine Ausnahmegenehmigung beim Bundeskriminalamt beantragen oder sie straffrei bei der Polizei abgegeben.

Brucker sagt allerdings das Angebot werde bislang nur recht wenig angenommen. Er glaubt, dass „kaum noch solche Waffen vorhanden sind.“ Das falle auch in den anderen Städten und Landkreisen der Oberpfalz auf. Wie viele dieser Waffen insgesamt im Umlauf sind, können die Ämter nicht genau sagen.

Das gilt für Jäger und Sportschützen

Für Jäger und Sportschützen gelten durch das Gesetz ebenfalls neue Regelungen. Die Leiterin für Kommunikation der Stadt Amberg, Susanne Schwab, erklärt, dass Jäger durch das Gesetz Schalldämpfer für Jagdwaffen kaufen und besitzen dürfen. Die Pressesprecherin Isabel Koch vom Bayerischen Jagdverband stimmt dem zu. Jäger können Schalldämpfer für Gewehre „künftig allein auf Jagdschein und ohne Voreintrag kaufen.“ Außerdem müssen sie den Kauf innerhalb von zwei Wochen der Behörde melden, sagt Koch. Die Behörde trage diesen dann in die Waffenbesitzkarte ein. Außerdem können Jäger laut Bundesinnenministerium Nachtsichtgeräte verwenden.

„Hinzu kommt eine Begrenzung der maximalen Waffenanzahl bei Sportschützen,“ sagt Schwab. Das bedeutet, dass die „gelbe Waffenbesitzkarte für Sportschützen auf zehn Waffen begrenzt wird“, erklärt Christine Hollederer vom Landratsamt Amberg-Sulzbach. Für Sportschützen, die vor September 2020 allerdings bereits mehr als zehn Waffen besaßen, gelte ebenfalls der Bestandsschutz. Bei fristgerechter Anzeige greife also auch hier das Verbot nicht. Eine weitere Neuerung ist laut Hollederer, dass sich Waffenbesitzer zukünftig höchstens alle fünf Jahre einer Bedürfnisprüfung unterziehen müssen. Dabei genüge eine Bescheinigung des Schützenvereins. Nach zehn Jahren reiche dann auch der Mitgliedsnachweis des Vereins. Jäger könnten ihren gültigen Jagdschein vorlegen.

Alexander Heidel, Geschäftsführer des Bayerischen Sportschützenverbund, sagt die Sportschützen seien zum Teil deutlich durch die Änderungen des Dritten Waffenrechtsänderungsgesetzes betroffen. „Insbesondere die neu eingeführten Regelungen zur Bedürfnisprüfung für den weiteren Besitz von erlaubnispflichtigen Schusswaffen und die neu eingeführten Beschränkungen für die gelbe Waffenbesitzkarte stellen wesentliche Änderungen für Sportschützen dar.“

Schützen sind erleichtert über das neue Waffengesetz

Amberg
Hintergrund:

Registrierte Waffen in der Oberpfalz

Wie viele Waffen aufgrund des neuen Gesetzes abgegeben werden müssen, ist den Ämtern nicht bekannt. Fest steht dagegen die Zahl der insgesamt registrierten Lang- und Kurzwaffen:

  • Amberg: 3358 registrierte Waffen
  • Weiden: 3300 registrierte Waffen
  • Kreis Amberg-Sulzbach: 14.341 registrierte Waffen
  • Kreis Tirschenreuth: 12.128 registrierte Waffen
  • Kreis Neustadt/WN: 13.460 registrierte Waffen
  • Kreis Schwandorf: 23.292 registrierte Waffen

 

 

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