05.09.2021 - 11:59 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Verein "Second Chance" will "steinigen Weg zur Integration" erleichtern

In der Max-Reger-Halle gründete sich am Freitag ein neuer Verein. "Second Chance" will Menschen jeder Herkunft zusammenbringen und Neuankömmlingen helfen in Deutschland Fuß zu fassen.

Der neu gewählte Vorstand des Vereins "Second Chance".
von Helmut KunzProfil

Wie schwer der Neuanfang in Deutschland sein kann, wissen viele Teilnehmer der Gründungsversammlung des Vereins "Second Chance" genau. Auch der einstige Ortshelfer Ali Azizi Jar berichtet am Freitagabend in der Max-Reger-Halle davon, wie seine Familie in Afghanistan schreckliche Angst leide.

Schreckliches Bild von der Zukunft

Deutschland müsse die bedrohliche Lage erkennen und afghanischen Familien helfen. Zuvor hatte Jar ein schreckliches Bild von der Zukunft seines Heimatlandes gezeichnet. Grund genug für Nezamuddin (genannt "Karim") Haydari den Verein "Second Chance" zu gründen, um Menschen, die von der Flucht geprägt sind, zu helfen. Haydari wurde von der Versammlung zum Vorsitzenden gewählt. Seine Stellvertreterin ist Annalena Fink-Haydari. Miriam Kreuzer wurde zur Schriftführerin ernannt und Stefan Fink zum Kassier. Die Kassen prüft Manfred Weiß.

Viele stellten sich für ein Amt als Beisitzer zur Verfügung: Annemarie Fink, Ali Aziri Jar, Daud Shayan, Mohammad Fahim Akbarzada, Qurbaw Ali Mhommadi und Theresa Braun. Die Idee, diesen Verein zu gründen, hatte Haydari schon lange, berichtete er. „Seit meiner Ankunft in Deutschland habe ich das Ziel, hier anderen zu helfen.“ Auslöser seien seine Erfahrungen bei seinen eigenen Fluchtversuchen gewesen, die ihn zweimal fast das Leben gekostet hätten.

Brücken zwischen Personen bauen

Der Zeitpunkt sei reif „Second Chance“ zu gründen. Inzwischen beherrsche er die deutsche Sprache und finde sich gut im System zurecht. „Auf diesem Weg möchte ich nun andere unterstützen und meine Erfahrungen weitergeben.“ Unterstützung finde er durch seine deutsche Familie und viele Freunde. „Mein Ziel ist es, mit diesem Verein Neuankommenden und Personen, die zwar schon länger in Deutschland sind, aber bisher noch nicht Fuß fassen konnten, zu helfen."

„Second Chance“ betrachtet Haydari als eine Brücke zwischen Personen jeder Herkunft. „Das wollen wir durch regelmäßige Treffen und Freizeitaktivitäten erreichen. Dazu ist das Engagement von allen Seiten wichtig, weshalb es mich besonders freut, dass viele unterschiedliche Personengruppen heute hier sind.“

Flüchtlinge schildern Erfahrungen

Er selbst sei Mitte 2015 nach Deutschland gekommen. „Der Weg zur Integration ist sehr steinig. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man nur zum Ziel kommen kann, wenn man Unterstützung erhält.“ Er selbst sei immer wieder Anfeindungen ausgesetzt gewesen. Aber: "Durch mein ehrenamtliches Engagement und meine sportlichen Aktivitäten hatte ich immer einen Ausgleich, damit umzugehen." Dies sei ein wichtiger Aspekt für alle Integrationswilligen. "Wir wollen Anlaufstelle sein für Leute mit negativen Erfahrungen." Ein Angebot, dass sich nicht nur an Flüchtlinge richte, sondern an alle.

Man sei natürlich auf finanzielle Unterstützung angewiesen und auf lange Sicht brauche man auch eine feste räumliche Anlaufstelle. Im zweiten Teil schilderten Geflüchtete ihre ganz persönlichen Erfahrungen. Man berichtete von Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit im Heimatland. Frauen hätten keine Rechte mehr, dürften weder arbeiten, noch ohne männliche Begleitung aus der eigenen Familie in die Öffentlichkeit. Beklagt wurden soziale Ungerechtigkeit und Abschaffung der Meinungsfreiheit. Mit einem gemeinsamen Lied erinnerten die Afghanen an ihre Heimat.

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Gründungsversammlung in der Max-Reger-Halle.
Der gewählte Vereinsvorsitzende Nezamuddin "Karim" Haydari.

„Mein Ziel ist es, mit diesem Verein Neuankommenden und Personen, die zwar schon länger in Deutschland sind, aber bisher noch nicht Fuß fassen konnten, zu helfen."

Nezamuddin "Karim" Haydari bei der Gründungsversammlung des Vereins „Second Chance“

 

 

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