22.06.2020 - 20:26 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wasserqualität der Oberpfälzer Flüsse schwach: "Das ist nicht gut"

Die Wasserqualität der größeren Flüsse in der Region ist nicht besonders gut. Was bedeutet das für die Menschen? Was heißt das für die Tiere und Pflanzen? Und woran liegt das überhaupt? Der Chef des Wasserwirtschaftsamts Weiden klärt auf.

Die Wasserqualität der Vils ist nur "mäßig" - diesem Schwan bei Ensdorf (Kreis Amberg-Sulzbach) scheint dies allerdings nichts auszumachen.
von Julian Trager Kontakt Profil

Mathias Rosenmüller klingt nicht so, als möchte er etwas beschönigen: "Unbefriedigend heißt unbefriedigend. Und das ist nicht gut." Bei den Flüssen in der Oberpfalz ist eben "nicht alles in Ordnung", sagt der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Weiden, das zuständig ist für das Wasser in den Kreisen Tirschenreuth, Neustadt/WN, Amberg-Sulzbach und Schwandorf sowie in den Städten Amberg und Weiden.

Die Wasserqualität der größeren Flüsse in der Region wie Vils, Naab oder Regen ist "mäßig", die der Waldnaab bei Weiden gar "unbefriedigend" - der zweitschlechtestmögliche Zustand. Das geht aus der Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage des Weidener Landtagsabgeordneten Christoph Skutella hervor. Der FDP-Politiker bezeichnete die Ergebnisse als "besorgniserregende Erkenntnisse".

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie gibt vor, dass alle Flüsse "gute" oder "sehr gute" Wasserqualität aufweisen sollen. Ursprünglich galt als Ziel das Jahr 2015, für Ausnahmen wurde die Frist bis 2027 ausgedehnt.

Was heißt das nun für die Oberpfälzer Flüsse, wenn ihre Wasserqualität zu wünschen übrig lässt?

Kann man in den Flüssen noch baden und angeln?

"Das hat erst einmal nichts mit der Badequalität zu tun", erklärt Wasserwirtschaftsamtsleiter Rosenmüller. "Und es heißt auch nicht, dass das Wasser nicht sauber ist." Bei der Einstufung gehe es darum, wie stark der Lebensraum von Tieren und Pflanzen durch die Qualität des Wassers beeinträchtigt wird. "Die Waldnaab ist trotz der unbefriedigenden Einstufung an den ausgewiesenen Badestellen als Badegewässer geeignet und bedenkenlos zu nutzen", versichert Rosenmüller. Es ließen sich auch keine Rückschlüsse auf die Qualität der Fische als Speise ziehen.

Was wird überhaupt gemessen?

Rosenmüller muss etwas ausholen. Stichwort Referenzgewässer. "Man geht davon aus, wie ein Fluss im völlig unbeeinflussten Zustand ausgesehen hat." Das ist die Referenz. "Wenn die Waldnaab unbeeinflusst wäre", erklärt Rosenmüller weiter, "dann würden diese und jene Arten von Pflanzen und Tieren zu finden sein." Gibt es diese nicht, sei das ein Zeichen für schlechtere Wasserqualität. "Sehr viele Fischarten sind nicht mehr da."

Bewertet werde der biologische und chemische Zustand der Gewässer: Welche und wie viele Tiere leben in dem Fluss, welche und wie viele Pflanzen und Algen wachsen dort? Und welche chemischen Stoffe belasten das Wasser? Dabei gilt das Worst-Case-Szenario - "die schlechteste Qualitätskomponente ist ausschlaggebend für Gesamt-Bewertung des Flusswasserkörpers", sagt Rosenmüller.

Sorge um Oberpfälzer Flüsse

Amberg

Gibt es chemische Belastungen in den Flüssen?

Der chemische Zustand ist "überwiegend nicht gut", so Rosenmüller. Das liege vor allem an den allgegenwärtigen, auch zum Teil natürlicherweise vorkommenden Stoffen wie Blei oder Quecksilber. Aber eben auch Phosphat und Nitrat. Das führe dazu, dass Pflanzen und Algen dort wachsen, wo sie eigentlich nicht hingehören. "Das ist ein Zeichen für keinen guten Zustand."

Was sind die Gründe für die schwachen Zustände?

Mathias Rosenmüller listet mehrere Punkte auf: Einflüsse der Abwasserentsorgung und -behandlung; Strukturdefizite wie fehlende Durchgängigkeit, Verbau, Restwasserproblematik, beeinträchtigte Lebensräume und Rückstaubereiche;

Einflüsse der Landwirtschaft wie Sedimenteinträge oder Nährstoffeinträge; Erwärmung der Gewässer aufgrund fehlender Beschattung; ausbleibende Gewässerdynamik zur Substratumlagerung durch ausbleibende Winterhochwässer.

Warum ist die Waldnaab in einem schlechteren Zustand als Vils oder Naab?

Das hängt mit der Kategorisierung der Gewässer zusammen, erklärt Rosenmüller. Waldnaab und Vils seien unterschiedliche Fließgewässertypen und haben somit verschiedene Referenzgewässer. Aber: "Im Wesentlichen sind die Flüsse in ähnlichem Zustand." Alle Gewässer der Oberpfalz unterlägen den gleichen Belastungen und Einflüssen.

Der Grunderwerb ist das Kritischste

Mathias Rosenmüller, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Weiden

Mathias Rosenmüller, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Weiden

Was wird getan, um die Wasserqualität zu verbessern?

Der Chef des Weidener Wasserwirtschaftsamts zählt ein paar Maßnahmen auf: Verbesserung der Reinigungsstufen in den Kläranlagen zur Verbesserung der Werte für das einzuleitende geklärte Wasser sowie Planung und Umsetzung von hydromorphologischer Maßnahmen wie den ökologischen Gewässerausbau. "Im Bereich Weiden zählen hierzu der Neubau des Waldnaabdükers, der dann für Gewässerlebewesen durchgängig ist sowie der Umbau des Unteren Wehres im Flutkanal mit Fischaufstieg", sagt Rosenmüller.

Wieso hat man 2015 das Ziel nicht erreicht?

Nicht alle Maßnahmen konnten umgesetzt werden, so Rosenmüller. Es sei vor allem sehr schwierig, Flächen an den Gewässern für "Renaturierungen" zu bekommen. Bei den gewünschten Grundstücken, handle es sich meist um landwirtschaftliche Flächen - und die Bauern verkauften derzeit nicht. "Der Grunderwerb ist das Kritischste", sagt Rosenmüller. "Wenn wir eine Fläche angeboten bekommen, kaufen wir sie immer."

Kann das Ziel bis 2027 erreicht werden?

Rosenmüller ist optimistisch - sagt aber auch, dass dazu alle geplanten Maßnahmen umgesetzt werden müssen. Das jedoch liege nicht immer in der Hand des Wasserwirtschaftsamts - siehe Grunderwerb.

 

 

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