Weiden in der Oberpfalz
30.08.2024 - 11:55 Uhr
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Witt-Kaufhaus und Kirchengeheimnisse: Geschichte(n) zum "Tag des offenen Denkmals" in Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN

Ob 100 Jahre oder über 1000 Jahre alt, einzigartige Bauwerke sind Denkmäler ihrer Zeit. Ihre Geschichten erzählen sie noch heute. Einige davon gibt es beim "Tag des offenen Denkmals" am 8. September zu hören. Ein Überblick.

Die Schillerstraße in Weiden ist ohne die Witt-Gebäude kaum denkbar. Verwaltungsgebäude und das ehemalige Kaufhaus dominieren beidseitig die Straßenflucht. Besonders auffällig die beiden Türme, die die Fassade des einstigen Kaufhauses „einrahmen“. Warum das so ist erfahren Besucher beim bundesweiten "Tag des offenen Denkmals" am Sonntag, 8. September, an dem sich heuer auch die Witt-Gruppe beteiligt. Da passt es, dass das Kaufhaus mit „100 Jahre Grundsteinlegung“ auch noch ein Jubiläum feiert.

In Bayern „öffnen“ sich rund 550 Denkmäler einem interessierten Publikum. Das diesjährige Motto lautet „Wahr-Zeichen. Zeitzeugen der Geschichte“. Das hat Witt inspiriert, nicht nur über den Bau des Kaufhauses zu erzählen, sondern auch Menschen zu Wort kommen zu lassen, die mit ihm besondere Geschichten verbinden. „Zeitzeugen eben, die sich gerne bei uns melden können. Gemeinsam mit Dr. Sebastian Schott vom Stadtarchiv hoffen wir auf eine unterhaltsame Gesprächsrunde“, informiert Kerstin Harms-Sudarma, Bereichsleiterin Facility Management bei Witt auf Anfrage.

Kaufhaus Witt 1926 neu geplant

Kommerzienrat Josef Witt hatte damals den Bau des dreigeschossigen Kaufhauses in der Schillerstraße 7 in Auftrag gegeben, der 1927/28 fertiggestellt wurde. An der Fassade und den Türmen lassen sich zwei Baustile ablesen – expressionistisch und eher sachlich. „Das hat wohl auch damit zu tun, dass zwischendurch das planende Bauunternehmen wechselte“, sagt Harms-Sudarma. Der Rohbau des 1. Bauabschnitts und die folgenden Abschnitte wurden schließlich 1926 von dem Nürnberger Architektenbüro Lehr & Leubert neu geplant und vollendet. Übrigens: Die Türme sind nur Gestaltungselement, sie erfüllen keine Funktion.

Von den anfangs 2400 Quadratmetern Verkaufsfläche für Wäsche und Textilien – damals gab es auch noch ein Restaurant im Obergeschoss – blieben im Laufe der Zeit noch 800 Quadratmeter im Erdgeschoss übrig. Die übrigen Etagen wurden zu modernen Büros umgebaut. Im Jahr 2020 schl0ss das Kaufhaus in der Schillerstraße und zog mit einer Filiale in die Innenstadt. Das Erdgeschoss im früheren Kaufhaus ist entkernt und seitdem im Rohbau. Die Deckenhöhe beeindruckt. „Wir werden hier im Stil der Zeit sanieren“, sagt Kerstin Harms-Sudarma mit Blick auf die künftige Nutzung. "Der Saal würde sich eventuell gut als Veranstaltungsfläche eignen." Entschieden sei noch nichts.

Zum Denkmaltag öffnet Witt auch sein Archiv. „Den Vortrag begleiten wir mit alten Fotoaufnahmen, Briefen und Bauplänen, die nur selten zu sehen sind“, macht die Facility Managerin neugierig.

Urpfarrei von Weiden

Nicht 100 Jahre, sondern bereits über 1000 Jahre alt ist ein anderes Baudenkmal der Stadt. Pfarrer Andreas J. Ruhs führt am 8. September durch die evangelische Kirche St. Dionysius in Neunkirchen – die älteste Kirche von Weiden. Sie gilt als die Urpfarrei. 250 Jahre lang bis 1912 wurde sie auch von den Katholiken genutzt. Interessant ist auch ein 1000 Jahre alter Fluchttunnel, der unter der Kirche beginnt.

Als ein herausragendes Beispiel für Genossenschaftsbau und als besonderes Zeugnis des expressionistischen Heimatstils der 1920er Jahre gilt der Schweigerblock, der seit 2014 unter Denkmalschutz steht. Das Gebäude zeigt weitgehend authentisch den sozialen Wohnungsbau der Weimarer Republik (1918 bis 1933). Die Sanierung des Schweigerblocks steht kurz vor der Fertigstellung. Zum Denkmaltag besteht die Möglichkeit, einen Blick in eine der 33 sanierten Wohnungen zu werfen. Die Baugenossenschaft Familienheim bietet Führungen an.

Folgende Orte in Weiden und im Landkreis Neustadt können besucht werden:

Weiden

  • Evang.-Luth. Kirche St. Dionysius in Neunkirchen, Hofackerstr. 1a; 14 bis 16 Uhr geöffnet; Kirchenführungen um 14.30 und 15.30 Uhr; es gibt Kaffee und Kuchen. Ihre Ursprünge gehen ca. 1000 Jahre bis in die Romanik zurück.
  • Witt-Gruppe, Haupteingang (Glasbau): 10.30 Uhr Vortrag und Gesprächsrunde
  • Schweigerblock der Baugenossenschaft Familienheim: zwischen 14.30 und 16.30 Uhr Informationspfad mit abschließender Wohnungsführung in Kleingruppen (Treffpunkt: Innenhof des Schweigerblocks, Schweigerstr. 1a)
  • Kirche St. Sebastian, Sebastianstr. 16; geöffnet von 8 bis 17 Uhr; um 15 Uhr Begehung zum letzten verbliebenen Votivbild der Rettung aus Überschwemmungsgefahr. Der Weg beginnt in St. Sebastian und endet an der Nikolaistraße gegen 16.30 Uhr. Mit Herbert Baumann und der ehemaligen Stadtarchivarin Petra Vorsatz.
  • St. Michael: 9.30 bis 17 Uhr geöffnet; 9.30 Uhr Gottesdienst mit Pfarrerin Christiane Weber zum Thema „Wahr-Zeichen“; Kirchenführungen um 10.30 Uhr und 16 Uhr (ca. 30 min)

Burgtreswitz

  • Schloss Burgtreswitz: Führungen (barrierefrei) durch die fast 1000 Jahre alte Burg um 14 Uhr, 15 Uhr und 16 Uhr mit Peter Garreiss und Hans-Josef Völkl.

Eschenbach

  • Führung am Stadtberg: Führung durch die historische Innenstadt mit Heimatforscher Bernd Thurn. Treffpunkt um 14 Uhr an der Stadtpfarrkirche St. Laurentius.

Etzenricht

  • Evangelische Nikolauskirche, Am Kirchplatz 5: 11 bis 18 Uhr geöffnet; Kirchenführung um 15 Uhr (ca. 40 min); Barocke Wehrkirche, aus den Resten einer Burg erbaut, mit Burggraben und Wehranlagen.

Mantel

  • St.-Moritz-Kirche, Schwalbenweg: 14 bis 16 Uhr geöffnet; eine historische Schauspielführung findet jeweils um 14 Uhr und um 15.30 Uhr statt. Die Teilnehmenden werden mit in das Jahr 1772 genommen. Im Mittelpunkt steht vor allem eine sehr kuriose Bestattung.

Parkstein

  • Bergkirche auf dem Basaltkegel: 14.30 bis 16 Uhr geöffnet; Veranstalter: Heimatverein Parkstein mit Burgfähnlein

Speinshart

  • Pfarr- und Klosterkirche zu besichtigen – außerdem Führung um 14 Uhr auf den Barbaraberg(60 bis 90 min). Treffpunkt im Klosterhof. Geeignetes Schuhwerk tragen. Die Führung endet auf dem Barbaraberg (keine Transfermöglichkeit). Einst bedeutender Wallfahrtsort, verfiel er nach der Säkularisierung, bis die Überreste 1919 in eine neue Kapelle umgewandelt wurden. Heute zieht er wieder Pilger an.

Thansüß (Markt Freihung)

  • Katharinenkirche: 11 und 14 Uhr Führungen (ca. 90 min); auf den Grundmauern einer bereits 1549 urkundlich erwähnten und wohl im 30-jährigen Krieg zerstörten Vorgängerkapelle errichtet.

Vohenstrauß

  • Evang.-luth. Stadtkirche, Friedrichstraße 10: von 14 bis 16 Uhr geöffnet; nach mehreren Reformationen war sie bis 1928 eine Simultankirche.

Außerdem sehenswert

  • Kooperatorenhaus Beidl, Leonhardistraße 8, Plößberg: 10 bis 18 Uhr geöffnet; Führungen nach Bedarf, Ausstellung, Bewirtung; Der ehemalige Pfarrhof stand viele Jahre leer. Als Dorfgemeinschaftshaus wird es nun zur sozialen Mitte der umliegenden Dörfer.
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Hintergrund:

Das Witt-Kaufhaus – Zeitzeugen gesucht

  • Wer verbindet eine persönliche Geschichte mit dem Witt-Kaufhaus und möchte in einer kleinen Runde zum Tag des offenen Denkmals davon berichten? Bei Interesse bitte bei Judith Weigl melden, Telefon 0961/400-1355 oder per E-Mail an judith.weigl[at]witt-gruppe[dot]eu
  • Wann? Sonntag, 8. September, um 10.30 Uhr
  • Wo? Witt-Gruppe, Haupteingang (Glasbau), Schillerstr. 4
  • Was? Vortrag mit Gesprächsrunde mit Sebastian Schott vom Stadtarchiv Weiden und Kerstin Harms-Sudarma (Witt-Gruppe)
  • Besuchern des Vortrags wird empfohlen, sich ebenfalls vorab anzumelden (Judith Weigl, Telefon 0961/400-1355)
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