Weiher bei Hirschau
28.03.2024 - 14:17 Uhr
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Wie sich ein vermeintlicher Aprilscherz als Realität entpuppt

In Weiher steckt vor 24 Jahren ein Dorfbewohner im wahrsten Sinne des Wortes im Schlam(m)assel. Edi Birner denkt bei dem Hilfegesuch an einen Aprilscherz. Aber es stellt sich raus: Der Müllner Schore braucht tatsächlich dringend Hilfe.

Der Müllner Schore – bürgerlicher Name: Georg Wittmann – hat Zeit seines Lebens (er ist am 2. Dezember 2011 verstorben) den 1. April 2000 sicher nicht vergessen. Gleiches gilt wohl auch für alle etwas älteren Weiherer Dorfbewohner.

An besagtem 1. April reparierte Edi Birner seinen Schlepper, als seine Frau Gerda ihm sagte, er solle schnell zum Müllner Schore kommen. Er brauche seine Hilfe. Edi passte das gar nicht ins Konzept, weil er mit der Reparatur eines Schleppers beschäftigt war. „Was will denn der Schore scho wieder?“ Er ging trotzdem zum Müllner-Wirtshaus, dem „Gasthof zum Mühlengrund“. Aber die Tür war verschlossen. Im Hof traf er Schores Frau Gudrun. Sie meinte, ihr Mann habe nicht angerufen. Der sei am Mühlweiher beim Schlammgrabenziehen.

Edi Birner ist auf einen Aprilscherz hereingefallen. Er ging schmunzelnd, aber mit Wut im Bauch, heim und arbeitete weiter am Bulldog. Eine halbe Stunde später kam Hubert Wendl: „Edi, du musst mir helfen. Der Müllner Schore steckt im Mühlweiher im Schlamm und kommt nicht mehr raus.“ Birner entgegnete: „Vor einer halben Stunde bin ich schon mal in April geschickt worden, mir reicht's.“

Einige Schaulustige

Wendl gab nicht nach. Er habe auf seiner Terrasse immer wieder Hilferufe gehört. Als er nachgeschaut habe, habe er den Müllner Schore im Weiher im Schlamm stecken sehen. Die Stiefelhose hatte sich so vollgesaugt, dass er seine Beine nicht bewegen konnte. Als mehrere Weiherer mit ihren Bulldogs, Frontladern und mit Brettern und Stangen bewaffnet kamen, dachte Birner nicht mehr an einen Aprilscherz, sondern fuhr auch zum Mühlweiher.

Tatsächlich steckte der Müllner Schore bis zu den Hüften im Schlamm. Die Dorfbewohner berieten, wie sie ihn rausziehen könnten. Den Vorschlag, ihn mit einer Seilwinde an Land zu holen, verwarf man wegen der zu großen Verletzungsgefahr. Einige Schaulustige machten sich lustig und schlugen vor, den Weiher wieder anzudämmen. Das brachte den Müllner Schore noch mehr in Rage. Schließlich holte man aus seiner Scheune Holzdeckel und Bretter. Mit ihnen bahnte man sich einen Weg zu ihm.

Nur einer mit Wathose

Da Werner Wendl als einziger eine Wathose anhatte, kämpfte er sich auf den wackligen Unterlagen vor. Hinter den Unglücksraben Müllner legte er noch einige Bretter und versuchte mit langen Stangen unter seine Füße zu kommen, um sie durch die Hebelwirkung nach oben zu drücken. Werner Wendl sagt: „Langsam gab der Schlamm nach, der Schore kam etwas höher. Als wir ein Stück geschafft hatten, konnte er sich auf die Bretter setzen und ich konnte seine Füße ganz heraushebeln. Ziemlich geschwächt, aber dankbar erreichte er das rettende Ufer.“

Nach der Befreiung erzählte der Müllner Schore, dass er die vorbeifahrenden Autos mit winkenden Armen um Hilfe bitten wollte. Diese, unter anderem Kirchenpfleger Franz Reif, hätten freundlich zurückgewinkt und seien weitergefahren. Zur Belohnung lud der Müllner Schore schließlich alle Helfer zu Bier und Schnaps ein. Er war einfach froh, dass der „Schlam(m)assel vorbei war.

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