(sei) Alte Heimat - neue Heimat, zu dieser ungewöhnlichen Ausstellung begrüßt am Montag Rektor Günther Paul Schüler, Ehrengäste und Vertreter des Aktionsbündnisses „Demokratie leben“. „Seit drei Jahren sind wir verstärkt mit der weltweiten Migrations- und Flüchtlingsproblematik an unseren Schulen konfrontiert. Wie können wir die uns anvertrauten Schüler bestmöglich in unseren Kulturkreis und den Schulalltag einbinden? Aus diesem Gedankengang ist beim Deutsch als Zweitsprache-Unterricht von Agnes Hehenberger das Kunst-und Kulturprojekt entstanden", erläuterte der Schulleiter.
Die Schüler mit Migrationshintergrund aus der Mittelschule Weiherhammer und der Pestalozzimittelschule Weiden setzten sich intensiv mit ihrer Vergangenheit und ihrer gegenwärtigen Lebenssituation auseinander. Die künstlerische Seite des Projektes leiteten Textildesignerin Gabriele Siegl, Künstler Faruq Kareem, Malerin Stefanie Stangl und Gerd Fenzl, der den Trommelworkshop anbgeboten hatte, begleitet.
In der Vernissage stellten sich zunächst Schüler aus verschiedenen Herkunftsländern in ihrer Muttersprache vor, und die Gäste durften raten, aus welchem Land das Kind stammt. Dann folgten die Erklärung und Begrüßung in deutscher Sprache. Es gab ein buntes Sprachgewirr von Kindern aus Syrien, Eritrea, Ukraine, Italien Spanien, USA, Kuba, Türkei und noch vielen weiteren Ländern. Die dazugehörigen Flaggen waren auf einer Tafel zu sehen. Hehenberger blickte auf ihre Zeit und Erlebnisse mit den Jugendlichen zurück und schilderte kurz die Entstehungsgeschichte des Projekts. Gemeinsam war Grammatik gebüffelt, aber auch manchmal gekocht, kreativ gearbeitet, gefeiert, dabei Deutsch gelernt und die neue Kultur mit der ihnen bekannten verglichen worden.
Ksanet aus Eritrea und Aya aus Syrien trugen ein Gedicht „Wo mag meine Heimat sein“ von Hermann Hesse vor. Gemeinsam sangen alle Jugendlichen das Lied „Eine Welt, eine Heimat“, und die Teilnehmer des Trommelworkshops gaben eine Kostprobe ihres Könnens. Betroffene Stille herrschte in der Aula, als der Künstler Kareem stellvertretend für manch andere Fluchtgeschichte von Schülern seinen beschwerlichen Weg von Sindschar im Irak, mit Flug nach Türkei und teils mit Boot, Bus oder zu Fuß weiter über Athen, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Ungarn, Österreich bis nach Deutschland schilderte.
In einem weiteren Raum waren die Kunstwerke der erwachsenen Künstler ausgestellt, die zum Thema passten. Plastische Arbeiten mit antikem Leder und Holz zeigte Textildesignerin Siegl. Beeindruckende Skulpturen und Aquarelle, die vor allem Menschen unterschiedlicher Kulturen zeigten, hatte Kareem geschaffen. Bei Stefanie Stangl gingen Tier und Mensch in Öl und Collagentechnik eine Symbiose ein, was an fast menschlich wirkenden Schimpansen, einer Honigbiene und ausdrucksstark blickenden Kühen zu sehen war. Bezaubernd war eine Dirndlschönheit mit Dackel.
Von Schülern gefertigte Stammbäume in einem weiteren Ausstellungsraum zeigten, die groß der Familienverbund in der Heimat war und wie wenige Leute der Familien hier in Deutschland noch zusammen sind, wie viele geliebte Menschen die Kinder zurücklassen mussten. Die Jugendlichen durften egal in welcher Form, etwa in einer Collage oder in einer Zeichnung, ihr Land präsentieren und dies zweisprachig erklären.
Das Herzstück der Vernissage bestand aus vier großen Holzplatten.
Die Kinder hatten menschliche Figuren aus Holz ausgesägt, mit der typischen Kleidung ihrer Herkunftsländer und ihrer neuen Heimat Bayern bekleidet. Zwei Objekte zeigten die Altstadt von Weiden und eine orientalische Stadt mit jeweils typischen Pflanzen. Die Besucher stellten fest, dass bei den Gebäuden, so unterschiedlich ihre Form ist, sie sich bei der Farbgebung doch glichen.
Wie es sich für eine richtige Vernissage gehört, hatten die Schüler zum Essen Spezialitäten aus ihrer Heimat mitgebracht, die die Gäste dann zusammen mit bayerischen Häppchen zum Abschluss genossen.
Die Ausstellung war am gleichen Abend auch noch für die Öffentlichkeit zugänglich. Hier freuten sich vor allem die Familien und Freunde der beteiligten Jugendlichen und Künstler über die Leistung ihrer Angehörigen. Zudem bestand die Möglichkeit, sich in der universellen Sprache des Trommelns zu üben, was sowohl von deutschen wie auch Besuchern mit Migrationshintergrund gerne genutzt wurde.
Weiherhammer
05.07.2018 - 11:31 Uhr
Buntes Sprachgewirr
von Eva Seifried
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