22.07.2020 - 19:10 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Feuerwehr-Jubiläum wird zu Flächenbrand auf Facebook

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Es hat ein bisschen was von Königlich-Bayerischem Amtsgericht. Die Feuerwehr Weiherhammer hat den Komiker "Da Bobbe" verklagt. Die Sache ist inzwischen juristisch vom Tisch. In sozialen Medien kocht sie aber erst richtig hoch.

Für Fans, vor allem in Feuerwehrkreisen, ist "da Bobbe" ein bayerischer Superman der Bierzeltgaudi. In Weiherhammer sehen das nicht alle so.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Fast genau vor einem Jahr hätte Robert Ehlis das Festzelt zum 145-jährigen Bestehen der Feuerwehr Weiherhammer zum Wiehern bringen sollen. Doch "da Bobbe" wie der brachiale Bajuwaren-Comedian besser bekannt ist, kam nicht. Er lag in Rosenheim im Krankenhaus, nachdem er kurz zuvor in Österreich verunglückt war, dem Vernehmen nach mit dem Gleitschirm. Das hatte mehrere OPs und die Absage in Weiherhammer zur Folge. Aber nicht nur das: Im Mai 2020 trafen sich die Feuerwehr und Bobbe vor dem Amtsgericht Regensburg.

Die Floriansjünger forderten von dem Spaßvogel aus Alteglofsheim eine Wiedergutmachung für den entgangenen Auftritt. In vierstelliger Höhe, sagt der Kabarettist. 500 Euro sagen die Weiherhammerer. Das seien die Kosten, die angefallen seien, um die Online-Ticketverkäufe für den Abend wieder rückabzuwickeln. Der Streit endet mit einem Vergleich. Da Bobbe zahlt 250 Euro, die Gerichtskosten teilen sich die Parteien. Zudem muss der Künstler via Facebook sein Bedauern über den Nicht-Auftritt äußern.

Künstler auf Tauchstation

Am 7. Juli taucht auf der Facebook-Seite der Feuerwehr Weiherhammer ein Rückblick auf das dreitägige Jubiläum vor einem Jahr auf. Schön war's - bis auf den Bobbe. Erst habe man ihn intensiv beworben, dann habe er zahlreiche Auflagen gemacht und am Ende sei er nicht erschienen. "Die Hilfestellung von Seiten des Künstlers bzw. seiner Agentur blieb so gut wie vollständig aus, leider konnten wir auch im Nachhinein keinerlei ernsthafte Hilfe oder Entgegenkommen erfahren. Auf den Kosten für die Veranstaltung sowie den Mehraufwand blieben wir sitzen", heißt es wörtlich. Mails, Anrufe und Schreiben habe der Bobbe ignoriert. Und der Facebook-Post des Bedauerns sei bis heute nirgends erschienen.

Das wiederum findet der Humorist gar nicht lustig. Am 13. Juli dreht er den Spieß um und gibt eine halbe Stunde in einem Video per Facebook seine Sicht zum Besten. Die Feuerwehr Weiherhammer kommt dabei nicht gut weg. Er habe vom Krankenbett aus noch einen Ersatz für seine Show organisiert, "den Fonse Doppelhammer, der ist super". Den hätten die Weiherhammerer aber nicht gewollt. Und ein Unfall sei nun mal keine Krankheit. Er könne nicht regresspflichtig gemacht werden und habe keine überzogenen Bedingungen gestellt.

Die Videobotschaft sei zugleich der geforderte Ausdruck des Bedauerns, gibt Ehlis mit einem Schluck Bier in die Kamera bekannt. Zugleich schickt er einen krachledernen Gruß an den Beckenweiher: "Ich bin selber Feuerwehrler, aber da blutet mein Herz. Wo ist euer Hilfsgedanke? Ich werde euer Gebiet meiden, weil wenn ich einen Unfall haben sollte, habe ich Angst, dass ihr kommt." Zugleich fordert er seine Follower auf, den Weiherhammerer Floriansjüngern ihre Meinung zu posten.

Hundertfacher Shitstorm

Die lassen sich nicht lange bitten. Zu Hunderten gehen "Schämt euch"-Botschaften bei den Brandschützern ein, nach dem Motto: Da liegt einer mit schmerzenden Knochen im Krankenhaus, und ihr habt nichts Besseres zu tun, als ihn vor den Kadi zu zerren.

Rajmund Buchmann, der Vorsitzende der Weiherhammerer Floriansjünger, verweist auf den Vertrag mit dem Entertainer. Man habe jedoch vor Gericht vereinbart, daraus keine Details nach außen zu geben. Am Mittwochnachmittag sitzt er mit drei weiteren Mitgliedern des Festausschusses im Gerätehaus. Die anderen drei wollen namentlich lieber nicht erwähnt werden. Der bisherige Shitstorm reicht ihnen. Denn in sozialen Medien wird es schnell persönlich. Deshalb will der Vorstand einer Truppe, bei der schon Kinder den Feuerwehrgedanken der Hilfsbereitschaft lernen, die Sache schnellstmöglich runterkühlen.

Die vier im Gerätehaus geben aber zu: Das Facebook-Posting vom 7. Juli wirkt wie ein Nachtreten gegenüber Bobbe. "Es war ein Fehler." Auch Enttäuschung dürfte eine Rolle gespielt haben. "Wir hatten uns über ein Jahr auf ihn gefreut. Der ist Feuerwehr-Kabarettist, und das hätte genau gepasst." Nachdem 14 Stunden vor dem Auftritt die Absage durch Bobbes Techniker eingegangen sei, habe man deswegen in einer Notsitzung entschieden, sich nicht auf einen unbekannten Ersatzkünstler einzulassen.

Versöhnliche Töne

Doch warum das Nachspiel vor Gericht? "Er sollte Stellung beziehen, dass nicht wir als Feuerwehr den Auftritt abgesagt haben." Die Kommunikation hat offensichtlich nicht gepasst. "Ich hab mindestes 20 Mal erfolglos versucht, ihn anzurufen", sagt Buchmann. Seine Mitstreiter nehmen ihren Vorsitzenden in Schutz. Der habe Bobbe nicht allein verklagt. Der Ton im Gerätehaus klingt dennoch versöhnlich. "Bobbe sagt im Video, dass für ihn die Sache damit erledigt ist. Das ist sie für uns auch." Und ein Auftritt des Kabarettisten wäre irgendwann trotzdem schön.

Selbst wenn Bobbe wohl nicht Ehrenbürger von Weiherhammer wird, den Landkreis will er schon noch einmal durchqueren. Das erklärte er vor vier Wochen in einem Radio-Ramasuri-Interview mit Moderator Jürgen Meyer.

Dabei kündigte er Auftritte in der Neustädter Stadthalle und am Postkeller in Weiden an. Meyer kennt Ehlis seit vier Jahren als "coole Socke". Der sei keiner, der einen Veranstalter abzocke oder leichtfertig hängen lasse. "Da Bobbe ist ein ausgeglichener und sozialer Mensch."

Die Party zum Feuerwehr-Jubiläum in Weiherhammer

Weiherhammer

Das Bobbe-Video zum ausgefallenen Auftritt in Weiherhammer

"Da Bobbe" im Interview bei Radio Ramasuri

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