05.09.2021 - 16:28 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

IG BCE: Zwischen Umweltschutz und Schutz der Arbeitsplätze

Die Gewerkschafter der IG BCE zieht es nach Berlin, damit die Arbeitsplätze in der Oberpfalz bleiben. Von Corona bis Umweltschutz, die Bezirksvorsitzende berichtet.

Streik mit Maske: Auch für die Gewerkschaften wie die IG BCE hat Corona viel verändert. Hier bei dem Protest vor einem Unternehmen in Sachsen - aber auch für die Gewerkschafter in Nordostbayern.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Nach der Bundestagswahl im Herbst will die IG BCE Nordostbayern bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin mitmischen. Der Gewerkschaft geht um die Zukunft der Porzellan-Industrie und der Arbeitsplätze in der Oberpfalz und in Oberfranken. Diese sehen sie durch die CO2-Abgabe gefährdet, weil die Unternehmen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen drohen.

Also wollen die Arbeiterinnen und Arbeiter mit Bussen nach Berlin fahren, um mit einer Demonstration der Forderung nach ausreichender Entlastung für die Betriebe Nachdruck zu verleihen. Die IG BCE nimmt die CSU-Bundesabgeordneten aus der Oberpfalz und Oberfranken beim Wort. Diese hatten im Juni versprochen, die Entlastung in einem neuen Koalitionsvertrag zu verankern. Damals war es der CSU im Ringen mit der SPD nicht gelungen, eine ausreichend hohe Kompensation in der Carbon-Leakage-Verordnung durchzusetzen.

Thema Klimaschutz beschäftigt Bezirksvorstand

Das Thema Umsetzung des Umwelt- und Klimaschutzes und die Folgen für die Betriebe beschäftigt den Bezirksvorstand besonders, berichtet die Vorsitzende Beate Merkel im Gespräch. Seit April ist die Vorsitzende des Betriebsrates der NSG Group Pilkington Deutschland, Werk Weiherhammer, neue Bezirksvorsitzende der Industriegewerkschaft Chemie Bergbau und Energie (IG BCE) in Nordostbayern.

In der Gewerkschaft mache es keinen Unterschied, ob die Vorsitzende eine Frau sei, erzählt Merkel. Im Betrieb sei es Anfangs anders gewesen. Als sie 2014 zum ersten Mal zur Betriebsrätin gewählt worden war sei das schon ein Paukenschlag gewesen, erzählt 53-jährige Merkel. "Als Frau meint man schon, du musst doppelt so gut sein. Das habe ich abgelegt." Inzwischen sitzt die Betriebsratsvorsitzende auch im Wirtschaftsausschuss und im Aufsichtsrat.

Als Betriebsrätin während Pandemie weiter im Büro

Am liebsten, sagt Merkel, läuft sie durchs Werk, um den Kontakt zu den Kollegen zu halten und ihre Sorgen und Nöte zu hören. Daran hat auch die Corona-Pandemie nichts geändert. Merkel und ihre Mitarbeiterin sind im Werk geblieben, obwohl sie auch von zu Hause aus hätten arbeiten können. "Wir haben haben Einzelbüros, große Fenster und können lüften." Die Betriebsrätin wollte Solidarität und Präsenz zeigen. Die Kollegen in der Produktion könnten schließlich auch nicht von zu Hause arbeiten. Unter Beachtung des Hygieneschutzes sei sie auch immer wieder ins Werk gegangen.

Die Pandemie hat auch die Arbeit der Gewerkschaft erschwert, weil der direkte Zugang zu Beschäftigten kaum möglich war. Daher war es auch schwerer Mitglieder zu werben. Gleichzeitig gab es große Unsicherheit, etwa wegen der Produktionspausen und der Kurzarbeit in vielen Betrieben. Auch der Bezirksvorstand hat anfangs nur digital getagt.

Merkel und ihr Stellvertreter Rainer Hoffmann, der kommissarische Leiter des Bezirks Nordostbayern, verweisen darauf, dass es beim Thema Umweltschutz nicht nur um die Porzelliner geht. Auch in den anderen Branchen aus denen die Gewerkschaftsmitglieder kommen, gibt es Sorgen, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Nicht in allen Betrieben sei sicher, dass sie steigende CO2-Preise schultern könnten. Der Maßstab sei der Weltmarkt.

Gesellschaftliches Umdenken notwendig

Die IG BCE unterstützt grundsätzlich die Transformation und den ökologischen Umbau der Wirtschaft. Die Gewerkschafter warnen aber, dass es zum Teil noch keine Technologie gebe, um die bisherigen Verfahren zu ersetzen, wie etwa in der Porzellan-Industrie. Zum anderen fehle schlicht ausreichend grüner Strom und grüner Wasserstoff. Und: Es fehle an der Infrastruktur, etwa an Stromleitungen für den Windstrom aus dem Norden.

Merkel und Hoffmann fordern ein gesellschaftliches Umdenken. Es sei wichtig, gut bezahlte Industriearbeitsplätze in der Region zu erhalten. Was nicht geschehen dürfe, sei dass Arbeitsplätzte oder ganze Werke ins Ausland abwandern. Denn dann werde CO2 weiter ausgestoßen, aber eben nur nicht in Deutschland sondern außerhalb. Damit sei weder dem Klima noch den Menschen hierzulande gedient.

Sorgen bereite manchen Beschäftigten auch die Digitalisierung und die mancherorts damit verbundene Automatisierung. "Je besser der Arbeitgeber kommuniziert, desto höher sei die Akzeptanz", sagt Hoffmann. Das Unternehmen müsse frühzeitig kommunizieren. Dazu gehöre, dass die Mitarbeiter geschult würden. Wichtig ist aus Arbeitnehmersicht, dass es nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommt. Am Ende so die Bilanz würde zwar Personal eingespart aber entstünden auch andere, höherwertige Arbeitsplätze.

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Hintergrund:

IG BCE Nordostbayern

  • Mitglieder: Zum IG BCE-Bezirk Nordostbayern gehören mehr als 12.400 Mitglieder in mehr als 120 Betrieben. Bundesweit sind es rund 600.000 Mitglieder. Vergangenen Jahr wurden mehr als 25.000 neue Mitglieder gewonnen. Unterm Strich verbleibt dennoch ein Minus von zwei Prozent von 2019 auf 2020.
  • Branchen: Glas- und feinkeramischen Industrie, Kunststoff- und Chemieindustrie sowie unter anderem die Bereiche Leder, Labor Diagnostik, Energieversorgung, Kaolin, Papier und Schleifmittel.
  • Betriebe: Beispiele sind unter anderem Schott, Pilkington, Nachtmann, Flachglas, Seltmann, BHS tabletop, Wiesauplast oder Lambertz in Waldsassen

 

 

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