15.03.2021 - 14:37 Uhr
Weißenberg bei EdelsfeldOberpfalz

Das alte Schloss in Weißenberg muss mal Dampf ablassen

Auf eine gut 700-jährige Geschichte schaut das Schloss in Weißenberg zurück. Sein neuer Besitzer will es fit für die nähere Zukunft machen. Eine erste Bestandsaufnahme liegt jetzt vor.

Das Weißenberger Schloss soll nach dem Willen seines Besitzers Volker Noffke restauriert und danach in Teilen für private Feiern oder Seminare zugänglich gemacht werden.
von Redaktion ONETZProfil

Nicht zum ersten Mal stand der ehemalige Edelsitz in Weißenberg im Fokus des Edelsfelder Gemeinderates. Vor Ort verschaffte er sich einen Überblick über wichtigsten Ergebnisse aus einer umfangreichen Befunddokumentation. Dazu hatte Besitzer Volker Noffke aus Schnaittenbach neben Architekt Georg Zunner aus Amberg noch den Regenstaufer Restaurator und Kirchenmaler Andreas Richter hinzugebeten.

Aus dem Jahr 1224 stammt demnach der Grundbau, der ursprünglich wohl nur ein quadratischer Turmbau mit einer Seitenlänge von circa zehn Metern war. Einen Anbau mit Treppenturm datierte der Restaurator in das 14./15. Jahrhundert. Das Dach sei 1603 durch Hans Friedrich von Freudenberg erneuert worden; weitere Umbauten erfolgten in den Jahren um 1840 und 1902. Als herausstechende Details der historischen Anlage erwähnte er im Obergeschoss einen großer Saal mit mittelalterlicher Holztafeldecke und eine Rauchkuchl mit separatem Ausgang sowie im Erdgeschoss eine Stuckdecke mit Meerjungfrauen als Verzierung. Sogar einen bauzeitlichen Abort habe man gefunden, ausgestattet mit einer Belüftungsöffnung, einem einfachem Holzbalken sowie einer Ablaufrinne Richtung Weißenberger Bach.

Auf der kleinen Burg in Weißenberg gingen wohl Steuereintreiber nach der Übertragung des Nordgaus durch Heinrich II. an das Bistum Bamberg ihren Aufgaben nach. Die Vermutung liege nahe, dass an der Engstelle der historischen Eisenstraße jeden Tag Zoll für mehrere hundert mit Eisen beladene Karren gezahlt werden musste. Rund 20 Prozent des damaligen Bedarfs an Eisenerz sei im dortigen Gebiet abgebaut und über Edelsfeld durch Weißenberg Richtung Vils transportiert worden, „Durch Edelsfeld und Weißenberg verlief die A9 des Mittelalters“, versuchte Noffke einen Vergleich mit heutigen Verhältnissen.

In späterer Zeit von einer Kleinburg zum Schloss umgewandelt, sei es nun wohl das älteste seiner Art in der Oberpfalz. Um seinen Zuhörern eine bildliche Vorstellung zu vermitteln, führte der Besitzer das Schloss Axtheid in Vilseck als zumindest ähnliches Bauwerk an.

Der in den 1970er-Jahren verwendete Zement und die dadurch entstandene Staunässe seien ursächlich für das momentane Hauptproblem der sehr feuchten Mauern. Sie bestehen aus reinem Limonit - ein Gestein mit hohem Erzanteil - sowie aus einer Mischung von Limonit und Sandstein. Bei einer vorgezogenen Maßnahme werde der Zement entfernt, um dem Mauerwerk Zeit und Gelegenheit zu geben, sozusagen „auszudampfen“. Damit das Wasser, bedingt durch die Hanglage und ein zu hohes Bodenniveau, dem zeitgeschichtlich so wertvollen Schloss an der Rückseite nicht noch weiter schaden kann, werde dort ausreichend Schwemmland ausgeschachtet.

Behutsam und mit traditionellen Materialien, wie zum Beispiel reinem Kalkmörtel, solle gearbeitet werden. Die Restaurierung werde sich aber über Jahre hinziehen. Nur so könne man dem Ganzen auch gerecht werden. Der neuzeitliche Scheunenbau soll entfernt werden, dafür ein etwas größerer Anbau für Versorgungsräume, Vorbereitungsküche oder Heizung entstehen. Der „Palast darf wie in früherer Zeit Repräsentationsgebäude bleiben“ und werde einmal, wie der Eigentümer bereits beim ersten Ortstermin im Juli 2020 andeutete, für private Feiern oder Seminare zu mieten sein.

Um alle Ergebnisse zu einem Gesamtbild zusammenfügen zu können, folgen noch archäologische Bodenuntersuchungen. Die Fundstücke, die dabei zu Tage treten, werde er selbstverständlich der Gemeinde Edelsfeld zur Verfügung stellen, versicherte Noffke. 50 Prozent der veranschlagten Kosten von 3.150 Euro übernähme der Bezirk, beim Rest hoffte er auf die Kommune. Seinen Zuschussantrag genehmigte der Gemeinderat bei der anschließenden Sitzung im Rathaus.

Der erste Besuch des Gemeinderats im Juli 2020

Edelsfeld
Für die Befunddokumentation schauten Experten an verschiedenen Stellen ins Mauerwerk.
Vor allem an der Rückseite des Gebäudes macht Feuchtigkeit dem Mauerwerk zu schaffen.

 

 

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