03.07.2019 - 18:19 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Als "Glastronauten" unterwegs

In die Disco, zum Training, zum Chillen an den Baggersee: Flachglas-Azubis nutzen dafür einen E-Smart - und das auf Firmenkosten. Sie sind als "Glastronauten" unterwegs.

Susanne Wurzer und Sam Schneider waren die ersten, die vier Wochen lang privat gratis mit dem E-Smart fahren durften. Der Einsatz der „Glastronauten“ ist eine pfiffige Idee von Flachglas Wernberg, um junge Menschen für Ausbildungsberufe in der Glasbranche zu gewinnen.
von Claudia Völkl Kontakt Profil
In vierwöchentlichen Intervallen dürfen die Flachglas-Azubis, die einen Führerschein haben, den E-Smart nutzen. Ausdrücklich auch privat.

Das Unternehmen Flachglas Wernberg GmbH präsentiert eine pfiffige Werbeaktion. Azubis dürfen seit kurzem kostenlos zwei E-Smarts mit Firmenlogo nutzen, allerdings nicht ohne einen kreativen "Hintergedanken": Für Unternehmen wird es immer schwieriger, Facharbeiter und Auszubildende zu finden. Schon lange ist Flachglas dazu übergegangen, Facharbeiter verstärkt aus den eigenen Reihen zu gewinnen und entsprechend auszubilden. Marketingleiter Walter Schöpf möchte junge Menschen dort erreichen, wo sie leben, wo sie ihren Alltag, ihre Freizeit verbringen. Hier unterhalten sich junge Leute auch darüber, was sie beruflich machen wollen, sind offen für das, was sie bisher vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm hatten.

"Wir haben jetzt zwei rollende Plakatwände". Walter Schöpf zeigt stolz auf die weißen E-Smarts, die vor dem Werkstor parken. "Glastronaut unterwegs" und "Bewirb Dich bei uns" steht darauf in großen Schriftzügen. "Das macht neugierig auf das Unternehmen, so spricht man über uns", meint Schöpf. Und wer könnte interessierten Jugendlichen besser erläutern, was in der Glasbranche alles möglich ist, als die Azubis.

Von den 50 Flachglas-Auszubildenden kommen diejenigen in den Genuss des Autos, die einen Führerschein haben. Pro Jahr können 14 bis 18 Azubis das Angebot nutzen. Bei zwei Autos sind nach Plan 24 Monate zu verteilen. Jeder der infrage kommenden Azubis kann sich für vier Wochen den Autoschlüssel abholen. Lediglich Urlaubsfahrten ins Ausland sind tabu. Ansonsten können die "Glastronauten" beruflich und privat über den "Smart ForFour" verfügen. Wenn nach den Intervallen noch "Fahr-Monate" übrig bleiben, werden sie unter den Interessenten verlost.

Susanne Wurzer und Sam Schneider fanden es cool, gratis zur Arbeit, zum Training oder zum Einkaufen zu fahren. "Man wird darauf angesprochen, die Leute haben mir schon nachgeschaut", erzählt Sam Schneider. Das Auto hat 120 Kilometer Reichweite, dann muss es ans Netz. Dafür hat Flachglas vor dem Werkstor eine eigene E-Tankstelle gebaut. Sie darf nicht nur von den Azubis, sondern von allen Bürgern, die Elektro-Autos fahren, kostenlos genutzt werden. Die Pforte ist 24 Stunden besetzt. Wer will, kann sich hier die Tankkarte holen - und Strom zapfen.

Die Stromtankstelle steht vor dem Werkseingang.
40 000 Quadratmeter Wärme- und Sonnenschutzglas aus Wernberg sind im Berliner Institut for Medical Systems Biology verbaut. Hier erforschen etwa 250 Wissenschaftler, wie die Gene das Leben der Zellen in Gesundheit und Krankheit steuern.
Die Investitionsschwerpunkte:

Flachglas investiert zweigleisig: Marketingleiter Walter Schöpf macht an Beispielen fest, „dass wir das Werk Wernberg weiter ausbauen und aktuell investieren“. In den Jahren 2018/19 sind es über fünf Millionen Euro. Schöpf nennt die neue Wasseraufbereitung, das neue Druckluftsystem und Flachglas-Connect: Glas, das Handy-Strahlen durchlässt. Das Unternehmen stattet in der Schweiz neue Züge damit aus. Kräftig investiert wird auch in das neue Warenwirtschaftssystem – sozusagen SAP für die Glasindustrie – das ab 1. Januar 2020 greift.

Das neue Werk entsteht in der Region, „in Nähe zu Wernberg“ und soll Anfang 2023 produktionsreif sein. Der Standort wird noch nicht genannt. Doch „unser aktueller Planungsstand geht von zehn bis zwölf Hektar Fläche aus. Damit planen wir ein Werk, das tendenziell 1,5 mal so groß ist wie unser Werk in Wernberg“, berichtet Schöpf. Die Investition liegt „im oberen zweistelligen Millionenbereich“. Damit will man das längerfristige, großformatige Transport- und Fassaden- vom schnellen, kleinformatigeren Alltagsgeschäft mit kurzer Lieferzeit trennen. Der Effekt: Bessere Logistik, kürzere Lieferzeit, weiterer Ausbau des Objekt- und Tagesgeschäfts. Bei repräsentativen Bauten ist Flachglas gut vertreten. Schöpf nennt die Q-Arena in Cleveland, den Wardian-Tower in London und das Berliner Institut for Mediacal Systems Biology, „in dem fast 4000 Quadratmeter unseres Wärme-und Sonnenschutzglases verbaut sind".

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