30.08.2021 - 15:53 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Kein Einwegplastik mehr in der Gastronomie in Schwandorf

Seit über einem Monat gilt eine neue Verordnung, die vor allem Gastronomen mit Abholservice betrifft und das Ende des Einwegplastiks besiegeln soll. Umweltbewusste Lokalbetreiber aus dem Landkreis Schwandorf waren bereits gut vorbereitet.

Im Restaurant Miesberg in Schwarzenfeld setzt Wirt Markus Neudert (rechts) auf umweltfreundliche Verpackungen. In Pappboxen können all seine Speisen abgeholt werden.
von Michael SchützProfil

320 000 Einweg-Becher für heiße Getränke werden allein in Deutschland in nur einer Stunde verbraucht. Zum Schutz der Meere und der Umwelt muss in Zukunft auf Einwegartikel aus Plastik und Styropor verzichtet werden. Vor allem in der Gastronomie, und ganz besonders seit ein Virus einen Abholservice für jedes Lokal fast schon zur Pflicht hat werden lassen, hat dieses Gesetz der Europäischen Union spürbare Auswirkungen - sollte man zumindest annehmen dürfen. Proteste? Im Gegenteil - eine friedliche Revolution zeichnet sich ab.

Befragte Wirte und Eismacher aus der Region zeigen sich sehr verständnisvoll und umweltbewusst. Von Wernberg-Köblitz über Pfreimd und Nabburg bis Schwarzenfeld - die Wirte sind sich einig. Entlang der Naab dürfte somit fast kein Plastikmüll mehr aus den Lokalen in die Meere und Ozeane fließen.

Plastikfreie Eisdiele und Metzgerei

Zwei Kugeln Eis im Plastikbecher, gegessen mit einem Plastiklöffel. Dieses Szenario ist seit 2020 Geschichte in der Wernberger Eisdiele. Heuer heißt es "Eis aus dem Pappbecher" und nächste Saison vielleicht schon "gegessen mit dem Holzlöffel". "Letztes Jahr haben wir auf Becher aus biologisch abbaubaren Stoffen beziehungsweise aus Papier umgestellt", berichtet Agostino Amadio, Eismacher aus Wernberg-Köblitz. Das größere Problem sieht der Eisdielen-Betreiber bei den Löffelalternativen, denn adäquate Ersatzmaterialien wie Holz sind seiner Meinung nach auch keine endgültige Lösung für unsere Umwelt. Selbst die Großhändler wissen noch nicht, wie der Löffel ersetzt werden kann, so Amadio. Auch für seine Eisgetränke muss er sich etwas überlegen. "Irgendwann werden Eiskaffee und Milchshake ganz ohne Trinkhalm serviert. Denn, dass wir wieder zu richtigen Halmen aus Stroh zurückkehren, glaube ich nun wirklich nicht", kommentiert er die Entwicklungen. Auf Plastik zu verzichten, findet er den richtigen Weg. Über den Winter besucht Amadio regelmäßig Messen für Eisdielenbesitzer und ist gespannt auf mögliche Neuheiten für die kommende Saison.

Josef Paulus, Besitzer der Metzgerei und des Gasthofs Paulus in Pfreimd, sieht die neue Verordnung hinsichtlich ihrer Wirkung kritisch. Sie diene nur zur "Gewissensberuhigung", das eigentliche Problem werde verschoben, so Paulus. Er findet, dass sich eigentlich die Plastikflaschen verboten gehören. Diese hätten einen deutlich größeren Anteil am Abfall, der in der Umwelt landet. Er fordert andere Ansätze für den Schutz unseres Lebensraums: "Wenn jeder seine eigene Freizeitgestaltung umweltbewusster gestalten würde, könnte deutlich mehr bewirkt werden." Grundsätzlich wird in seiner Metzgerei auf Plastik verzichtet. Für die Menüschalen, in denen warmes Mittagessen verkauft wird, wurde bereits ökologisch abbaubarer Ersatz angeschafft.

Restbestände aufbrauchen

Vom Dali im Gewerbegebiet über den Chinesen "Jade" in der Ortsmitte bis hoch in den Sterngarten in die Altstadt - auch in Nabburg dürften die Mülleimer nun sicher nicht mehr wegen der Plastikverpackungen überquellen. Schon vor längerer Zeit rüstete das Dali auf Strohhalme aus ökologischen Komponenten um. Der Cocktail kann nun entweder aus biologisch abbaubaren Trinkhalmen oder wieder verwertbaren Glashalmen geschlürft werden. "Irgendwann muss mit dem Umweltschutz angefangen werden. Ich begrüße diese Maßnahmen", kommentiert Besitzerin Hildegard Hanauer die Entwicklungen. Chinesisches Essen wurde in Nabburg schon lange vor Restaurant-Schließungen regelmäßig abgeholt. Stets gut in Einwegverpackungen gehüllt, müssen auch hier in Zukunft andere Materialien verwendet werden. Zur Zeit seien noch viele der alten Verpackungen auf Lager, teilte das Lokal mit. Vorräte dürfen laut neuer Verordnung noch restlos aufgebraucht werden. Im Gasthof "Zum Stern" in der historischen Altstadt habe man schon seit jeher auf derartige Verpackungsmaterialien verzichtet. "Vieles ist aus Zuckerrohr, aber auch Pappe oder Bambus sind unsere Alternativen", erläutert Eigentümer Jörg Podlesny. Darin schmecke auch das Essen besser. Bei größeren Bestellungen bringen Kunden ihre eigenen Töpfe und Schüsseln mit.

Weiter gen Süden floss das neue Gesetz auch ohne hohen Wellengang. Im Restaurant Miesberg in Schwarzenfeld ebbte die Plastikflut schon vor Inkrafttreten im Juli diesen Jahres ab. Auslöser für das Angebot, Essen auf Bestellung abholen zu können, war auch hier die Corona-Pandemie. Dieser Service wird trotz Öffnung der Gaststätte weiterhin angeboten und gerne genutzt. Seine Speisen verkauft der Wirt Markus Neudert zu 90 Prozent in wieder verwertbaren Verpackungen. Das schlage sich jedoch auch im Verkaufspreis nieder, denn diese Plastikalternativen seien deutlich teurer. Für Burger, Salate und alle anderen Speisen gibt es extra Boxen, in denen das Essen optimal transportiert und warmgehalten werden kann. Den Weg weg vom Plastik begrüßt Neudert sehr.

Aus einer anderen Perspektive

Was halten Naturschützer und Umweltexperten von der neuen Regelung? "Diese Verordnung kann erst der Anfang sein", meint Klaus Pöhler, Vorsitzender des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Schwandorf. Vor allem die Bequemlichkeit der Menschen sorge dafür, dass 320 000 Einweg-Becher stündlich über die Ladentheken des Landes gehen. Die Möglichkeit, seinen Kaffee aus der selbst mitgebrachten Tasse zu trinken, bestehe, so der Vorsitzende. Er weist darauf hin, dass ein Großteil des verbrauchten Plastiks nicht recycelt werden kann, sondern verbrannt werde. Alternativmaterialien, die laut Etikett häufig biologisch abbaubar seien, begrüßt er grundsätzlich. Hierbei müsse jedoch die "ehrliche Kompostierbarkeit" gegeben sein. Damit meint er einen Zeitraum von vier bis acht Wochen, in denen sich die Verpackungen zersetzen. "Das alles ist nur ein minimaler, vorsichtiger Anfang", fasst Pöhler zusammen.

Artikel über Gastronomie zu Corona-Zeiten

Schwandorf
Hintergrund:

Verbotene Einwegplastik-Herstellung

  • Seit dem 3. Juli 2021 ist es EU-weit verboten, Einwegplastik-Artikel zu produzieren. Davon betroffen sind To-Go-Becher, Einweg-Geschirr sowie Trinkhalme und sämtliche Fast-Food-Verpackungen. Sogar auf Wattestäbchen und Luftballonhalter muss verzichtet werden - natürlich nur, wenn sie aus Plastik hergestellt wurden.
  • Ab 2022: Händler dürfen keine Kunststofftragetaschen mehr ausgeben. Außerdem soll eine Pfandpflicht für alle Einwegflaschen aus Kunststoff gelten.
  • Ab 2023: Gastronomen sind dazu verpflichtet, Mehrwegbecher als Alternative anzubieten.
  • Ab 2025: PET-Einwegflaschen müssen zu mindestens 25 Prozent aus recyclebarem Plastik bestehen.

 

 

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