19.06.2020 - 14:51 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Gastronome kämpfen weiterhin mit niedrigem Umsatz

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Viele Berufe hat das Coronavirus schwer getroffen. Auch die Gastronomen im Kreis Schwandorf. Seit sie ihre Lokale wieder öffnen durften, ist noch lange nicht alles gut. Heftige Gewinneinbußen und die Angst der Leute machen ihnen Sorgen.

Die Gastronomie hat seit mehreren Wochen wieder geöffnet. Auch im Biergarten herrscht Maskenpflicht. Wirte aus dem Landkreis Schwandorf erzählen von ihren Erfahrungen.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Viele Gastronomen stehen wegen Corona und den damit einhergehenden Schließungen von Restaurants, Cafés und Hotels, vor einem Schuldenberg. Nun durften die Gastronomiebetriebe ihre Türen wieder öffnen, doch wegen der damit verbundenen Sicherheitsauflagen ist es für viele noch immer nicht möglich, ihre Betriebsabläufe wirtschaftlich zu gestalten.

Leute zu ängstlich

Der Sterngarten in Nabburg ist ein beliebtes Ausflugsziel, nicht nur für Einheimische. Dazu gehören ein Wirtshaus und ein Biergarten mit Panoramablick auf das Nabburger Umland. Inhaber Jörg Podlesny konnte nicht sofort öffnen, als es wieder erlaubt war. "Wir haben erst am Tag davor erfahren, welche Auflagen es gibt. Dann musste erstmal alles eingekauft und hergerichtet werden", erinnert er sich. Die erste Zeit im Biergarten verlief schleppend. "Viele haben Angst, sich anzustecken. Selbst draußen und mit Abstand." Podlesny würde gerne den Fokus mehr auf das Positive gerichtet sehen, zum Beispiel, dass es viele Genesene gibt, und dass "wir alles noch ganz gut überstanden haben". Stattdessen seien die Leute verwirrt im Bezug auf Lockerungen und Ansteckung. Und so bleiben sie lieber daheim oder holen ihr Essen ab. "Wir verkaufen mehr über die Straße", sagt Podlesny. Er musste zwei Monate fast ganz auf Einnahmen verzichten. Die Betriebskosten sind aber hoch geblieben. Das meiste bezahlt er mittlerweile aus eigener Tasche. Die Gastronomie insgesamt brauche dringend, dass die Leute sich wieder heraustrauen. Auch kleinere Veranstaltungen würden helfen, wie zum Beispiel Live-Konzerte.

Stefan Sauerer ist mit dem Verhalten seiner Gäste sehr zufrieden. "Es halten sich alle sehr gut an die Regeln", erzählt der Gastronom, der in Nabburg ein Restaurant mit Biergarten und Catering betreibt. Auch wenn er sich über jede weitere Lockerung der Staatsregierung freut, sie seien "zu schwach, als das man vernünftig arbeiten könnte." Das gilt sowohl für die höhere Belastung durch das Arbeiten mit Maske, als auch in finanzieller Hinsicht. 80 Prozent an Umsatzeinbußen hat der Betrieb zu verzeichnen. Das ist eine eindeutige Zahl. Und trotzdem bleibt er bewundernswert optimistisch: "Es wird wieder. Wir sehen das nicht so schwarz."

So geht es den Wirten im Landkreis Tirschenreuth

Tirschenreuth

Während der Corona-Hochphase hat der Gasthof Sauerer sonntags einen Abholservice eingeführt. "Das lief super. Wir haben teilweise bis zu 300 Essen an einem Tag verkauft", erinnert sich Sauerer. Jetzt kommt er nicht mal in einer Woche auf den selben Gewinn. Warum? Die Kosten sind bei laufendem Betrieb viel höher. Zum Beispiel gab es beim Abholservice keine Getränke. Jetzt schon und die müssen auch gekühlt werden, wenn nicht viele Gäste kommen. Genauso gilt das für die Lebensmittel. "Manche Leute sind zu ängstlich", hat auch Sauerer das Gefühl. Sie halten sich mit Essen gehen noch sehr zurück. Hoffnung stecke er in die weiteren Lockerungen, wenn ab Montag bis zu zehn Personen gemeinsam essen dürfen und auch bis 23 Uhr geöffnet sein darf.

Monatelang keine Einnahmen

Ähnliche Erfahrungen hat Andrea Braun gemacht, die mit Unterstützung ihrer Eltern die Hammerschänke in Lukahammer (Stadt Oberviechtach) betreibt. Auf Nachfrage erzählt sie, dass sie seit der Schließung ihrer Pension von 20. März bis 25. Mai keinen Cent an Einnahmen hatte. Obwohl sie eine Schließungsversicherung hat, weigere sich diese zu zahlen, da es bereits vom Staat Hilfe gibt. Doch auch davon habe die Gastronomin noch nichts gesehen.

In Weiden hatte sich ein Gastronomiemitarbeiter mit Corona infiziert

Weiden in der Oberpfalz

Nachdem die Hammerschänke wieder geöffnet ist könne wegen der umfangreichen Sicherheitsauflagen von Geschäft und Einkommen noch lange nicht gesprochen werden. Höchstens noch ein Viertel der Gäste dürfen aktuell kommen. Auch viele Pensionsgäste lassen ihren Urlaub ausfallen. "Uns Gastronomen hat die Politik trotz ihrer hohen Milliardenausgaben komplett im Regen stehen lassen", so das Fazit von Andrea Braun.

Ähnlich auch die Meinung von Stefan Weigl, der in der Oberviechtacher Stadtmitte ein Restaurant betreibt. Zu seinem Glück konnte in dieser Zeit seine Bäckerei samt Verkaufsladen geöffnet bleiben. Seit der Wiedereröffnung habe er in seinem Café und seiner Pension höchstens noch ein Drittel seines früheren Umsatzes, sagt Weigl. Er hoffe, dass alle gesetzlichen Auflagen möglichst bald wieder aufgehoben werden und er seine Gäste wieder "mit offenen Armen" begrüßen kann.

Nachgefragt:

Vereinzelte Verstöße

Nach Auskunft der Gastronomen halten sich fast alle Gäste an die Sicherheitsauflagen. Dies bestätigt auch Hans Prechtl, Pressesprecher des Landkreises Schwandorf auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien: "Im Bereich der Gastronomie haben wir bisher nur vereinzelt Verstöße angezeigt bekommen. Diese betreffen die Öffnungszeit, die Maskenpflicht und die Abstandsgebote."

Andrea Braun leitet die Hammerschänke in Lukahammer.

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