Pfarrhof in Wernersreuth: Gemeinschaftswerk mit Modellcharakter

Bei der Generalsanierung des Vierseithofs im Heimatort des Bürgermeisters läuft der letzte Bauabschnitt. "Es war ein steiniger Weg", zieht Klaus Meyer Bilanz. Nicht immer lief alles glatt. Doch jetzt sind alle glücklich über das Ergebnis.

Das Hauptgebäude des Pfarrhofs Wernersreuth wird bis zum Jahresende umfassend saniert. Dass das Projekt nun doch wie geplant gelingen kann, ist vor allem der finanziellen Unterstützung des Amts für Ländliche Entwicklung zu verdanken.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Seit 2006 wird der über viele Jahre leerstehende Pfarrhof in Wernersreuth umfassend erneuert, in mehreren Abschnitten. Seit März befinden sich die Arbeiten in dem 1911 errichteten Anwesen auf der Zielgeraden: Das Hauptgebäude wird voraussichtlich bis zum Jahresende saniert – eine Herausforderung für alle Beteiligten. Denn während der Arbeiten bleibt der Mieter im Haus – die Agentur "Bewegter Blick".

Geschäftsführer Marco Härtl hat sich mit der Rückkehr seines Unternehmens in das jetzige Domizil in unmittelbarer Nachbarschaft des elterlichen Hofs einen Traum verwirklicht. Als „Heimat-Unternehmer“ hat er die Tür geöffnet für die großzügige Förderung des Sanierungsprojekts durch das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) in Tirschenreuth.

"Servus in Wernersreuth"

Die jetzt gefundene Lösung, sagt Meyer, habe durchaus Modellcharakter. "Das ist schon alles toll geworden." Bei einem Ortstermin in Wernersreuth freuten sich die Beteiligten, dass es nun weitergeht mit dem Sanierungsprojekt. "Das Geld ist gut angelegt", erklärte Bürgermeister Klaus Meyer. Dieser Aussage stimmten Erik Bergner und Thomas Höfer (ALE) sowie Ulrich Greiner gerne zu. Der Architekt aus Neustadt/WN begleitet das Sanierungsprojekt "Pfarrhof" vom ersten Bauabschnitt an.

"Wenn man solche Objekte sieht, muss man sagen: Jawoll, da sind die Gelder richtig angelegt."

Erik Bergner vom Amt für Ländliche Entwicklung

Beim Treffen mit dabei waren auch Pfarrer George Parankimalil sowie Kirchenpfleger Josef Altnöder, der als direkter Nachbar erster Ansprechpartner ist, wenn irgendetwas benötigt wird rund um den Pfarrhof – und sei es auch nur der Schlüssel. "Servus in Wernersreuth", sagte der Bürgermeister im Innenhof in die Runde. Vor allem den ALE-Vertretern dankte Meyer "für die vergangene und zukünftige Unterstützung". Erik Bergner sah es als Aufgabe seiner Behörde an, kleine Gemeinden im ländlichen Raum zu unterstützen. "Und wenn man solche Objekte sieht, muss man sagen: Jawoll, da sind die Gelder richtig angelegt."

Schwierige Verhandlungen

"Wir wollten einfach, dass das insgesamt in gute Hände kommt und einer guten Nutzung zugeführt wird", umriss Meyer die Vorstellung der Kirchenstiftung. Als schwierig erwiesen hätten sich die Verhandlungen mit der Diözese Regensburg. Die Verantwortlichen dort, so Meyer, hätten das Anwesen am liebsten verkauft. Weil kein Pfarrer mehr hier wohnt, habe die Diözese die Unterstützung abgelehnt und einen Zuschuss verweigert.

Doch die Kirchenstiftung wollte das ortsprägende und in das Dorf integrierte Anwesen nicht in fremde Hände geben. Es musste eine andere Lösung her. Würde der Pfarrhof nicht oder anders genutzt als jetzt mit dem Startup-Unternehmen als Mieter, hätte das Bistum das Objekt abgestoßen, war Meyer beim Treffen überzeugt. Denn die kleine Pfarrei trage ohnehin schon eine hohe Baulast, so der Bürgermeister und nannte das Jugendhaus Maximilian Kolbe, die Kirche in Wernersreuth und die Allerheiligenkirche.

Konstellation ein "Glücksfall"

Auch Erik Bergner vom ALE unterstrich, dass die Nutzung des Gebäudes durch das Heimat-Unternehmen mit der Schaffung von Arbeitsplätzen der Grund für die Unterstützung einer derartigen Privatmaßnahme in dieser Höhe war. "Wir müssen Schwerpunkte setzen", so Bergner. "Und das ist hier definitiv einer und der ist es auch wert, Fördermittel hineinfließen zu lassen, obwohl schon unterstützt wurde", verwies der Sprecher auf das Engagement der Behörde in der Vergangenheit. Ein "Glücksfall" sei die Konstellation in Wernersreuth. "Sonst hätte das so nicht funktioniert und die Kommune und die Kirchenstiftung wären nicht mehr weitergekommen."

Mittlerweile ist von einer 60-prozentigen ALE-Förderung die Rede, was einem Betrag zwischen 350.000 und 400.000 Euro entspricht. "Es hat von 2017 bis 2021 gedauert", erinnerte Meyer an die zähen Verhandlungen: Kirchenstiftung Wernersreuth, Diözese Regensburg, ALE und Landesamt für Denkmalspflege waren unter den sprichwörtlich einen Hut zu bringen. "Das war gar nicht so einfach", berichtete Meyer und räumte ein, dass er "ein bisserl auf Kriegsfuß mit der Diözese" stehe. "Das wissen Sie, Herr Pfarrer, aber das ist nicht bös gemeint", so Meyer, worauf der Pfarrer spontan antwortete: "Ohne Sie hätten wir das nicht geschafft."

Marco Härtl, Gründer und Geschäftsführer der Firma „Bewegter Blick“, ist nach wie vor glücklich mit seiner Entscheidung, den alten Pfarrhof als Unternehmenssitz zu nutzen. „Wir sind hier am richtigen Ort“, so der Wernersreuther über die Bedingungen. Er ist aber auch froh, dass die vergangenen Jahre mit den Unzulänglichkeiten in einem Altbau, der nach 30 Jahren Leerstand wieder bezogen wurde, bald vorbei sind – zumal man nun schon länger viele Kompromisse eingehen musste, die auch betriebswirtschaftlich relevant sind.

Sofern die Rahmenbedingungen es zulassen, wird Härtl sein Unternehmen mit aktuell sieben festen Mitarbeitern langfristig im Pfarrhof etablieren. „Ich sehe das Haus auch in Zukunft als unseren Hauptsitz“, sagt der Chef und freut sich darauf, dass sein Betrieb endlich den noch nicht sanierten großen Raum im Erdgeschoss und später die obere Etage nutzen kann.

„Wir haben aufgrund der hohen Auslastung kein Prozent Flexibilität für Störfaktoren.“


"Bewegter Blick"-Chef Marco Härtl über die Bauphase

„Großen Respekt bis Angst“ hat Härtl aber vor der aktuellen Bauphase. „Wir haben aufgrund der hohen Auslastung kein Prozent Flexibilität für Störfaktoren“, so der Chef über die Beeinträchtigungen etwa durch Lärm oder durch Staub, wobei Härtl auch an die IT-Anlagen im Keller denkt. „Das kann man nur sehr schwer einschätzen“, hofft Härtl, dass die Arbeit der Agentur nicht zu sehr darunter leidet. Ein großer Wunsch wäre daher eine enge Kooperation mit dem Architekten im Hinblick auf den Ablauf der Gewerke.

"Die Förderkulisse hat uns Türen geöffnet."

Bürgermeister Klaus Meyer

Garage bereits abgebrochen

Nach den Worten von Ulrich Greiner geht es bei den jetzt begonnenen Arbeiten vor allem um die Außensanierung. "Der Kamin wird abgebrochen", informierte der Architekt über die Einzelheiten. Innen sei schon ein Teil renoviert. "Das Hauptproblem sind die statischen Geschichten." Im hinteren Bereich des Gebäudes habe es Senkungen gegeben; die Garage vorm Eingang sei inzwischen abgebrochen. "Ein neuzeitlicher Anbau, relativ schlecht beieinander."

Während der Arbeiten bleiben die Mieter im Haus. "Wir müssen mit Staubschutzwänden arbeiten", so Greiner über eine Maßnahme, um die Beeinträchtigungen erträglich zu halten. "Das größte Problem dürfte der Lärm sein." Aber hier müssten sich die Beteiligten sorgfältig abstimmen. Das Auswechseln der Fenster sei noch einmal seine größere Aktion. "Ich freue mich schon auf die Fensterläden", sagte Meyer zu den geplanten Elementen, "schöne Eichensprossenfenster".

Bürgermeister der Antreiber

"Wir haben natürlich auch schon jemanden dabei, der dauernd antreibt", sagte Architekt Ulrich Greiner augenzwinkernd, wobei er damit Bürgermeister Meyer meinte, und lobte die Gemeinschaftsleistung bisher. "Manchmal war der harte Kern schon auf sich gestellt", erinnerte sich Klaus Meyer an schwierige Phasen während der Bauzeit seit 2006, in der sich auch Meyer aktiv mit einbrachte. "Aber jetzt wird dann schon eine Ruh' werden", zeigte sich Josef Altnöder zuversichtlich.

Die Agentur "Bewegter Blick" im Portrait

Wernersreuth bei Bad Neualbenreuth
Hintergrund:

Zwei Pfarrhöfe in einem kleinen Dorf

  • Der ehemalige Pfarrhof zu Wernersreuth ist ein denkmalgeschütztes Ensemble. Dabei gibt es im Ort die Besonderheit, dass zwei Pfarrhöfe existieren. "Einen darf ich in meinem Eigentum erwähnen", so Bürgermeister Klaus Meyer über das von seiner Familie als Wohnhaus genutzte Anwesen aus dem Jahre 1718. Der sei dem Pfarrer "zu klein und zu nass" gewesen, wie Meyer weiß, worauf der zweite Pfarrhof 1911 errichtet wurde, oberhalb der Kirche. Die Original-Eingabepläne aus dieser Zeit sind noch erhalten.
  • Träger der Sanierungsmaßnahme ist die Katholische Kirchenstiftung Wernersreuth, die Marktgemeinde Bad Neualbenreuth ist gemeinsam mit dem Amt für Ländliche Entwicklung über das Dorferneuerungsverfahren „Wernersreuth II“ beteiligt.
  • Das Projekt begann im Oktober 2006: Die Gemeinde Bad Neualbenreuth erwarb den Stadel und baute ihn um zum Feuerwehrhaus. Bis September 2008 dauerten die Arbeiten, wobei die Wernersreuther 3000 Stunden Eigenleistung erbrachten. Die Kosten beziffert Meyer auf 117.000 Euro, plus 42.000 Euro Eigenleistung.
  • Im zweiten Abschnitt (Oktober 2009 bis Mai 2011) entstand im Gebäudetrakt nebenan das Bürgerhaus mit Räumlichkeiten für das Katholische Landvolk und den Obst- und Gartenbauverein, die dort den Obstpressraum eingerichtet haben. Außerdem wurde der vorhandene Backofen saniert und es sind WC-Anlagen eingebaut worden.
  • Die Remise wurde im dritten Abschnitt durch die Kirchenstiftung saniert, von Mai 2017 bis August 2018 für 155.000 Euro. Die aktuelle Sanierung des Haupthauses im vierten Abschnitt ist mit rund 675.000 Euro veranschlagt.
Hintergrund:

"Ich habe geflucht"

Beim Rückblick auf die Verhandlungen mit der Diözese Regensburg gab Klaus Meyer Einblick in seine persönlichen Konflikte im Kontext mit den Geboten als bekennender Katholik. "Ich habe geflucht", gestand der Bürgermeister, um sich wenig später bei Pfarrer George Parankimalil zu entschuldigen. Meyer verriet, dass er sich inzwischen sehr gut auskennt mit dem Portiunkula-Sonntag am 2. August. An diesem Tag könnten Katholiken den vollständigen Ablass erwerben. Davon habe er, Meyer, in der Vergangenheit wiederholt Gebrauch gemacht.

 

 

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