05.07.2019 - 15:15 Uhr
WiesauOberpfalz

Archivar aus Leidenschaft

15 000 alte Fotos von Wiesau und Fuchsmühl hat Werner Robl bereits digitalisiert und archiviert. Damit möchte er die Erinnerungen an einstige Wiesau, seinen Heimatort, bewahren. Jetzt stellt er einige davon im Rathaus aus.

„Fronleichnam vor 50 Jahren“ lautet das Thema, das sich Werner Robl (links, mit zwei Freunden und Helfern vom Männergesangsverein) für seine neue Ausstellung ausgesucht hat. Zusätzlich gibt es 200 alte Ansichten von Wiesau. Eröffnet wird die Präsentation im Rathaus am 8. Juli mit einer Vernissage.
von Ulla Britta BaumerProfil

(ubb) Wenn Werner Robl für eine Ausstellung die vielen kleinen Schwarz-Weiß-Fotografien aus Urgroßmutters Zeiten aufhängt, ist er selten allein. Die Freunde aus dem Männergesangsverein unterstützen ihn. "Alleine würde ich dazu stundenlang brauchen", freut er sich über die Hilfe. Das kann man gut verstehen. Über 200 alte Ansichten mit Stecknadeln in ordentliche Reihen auf Stellwände piksen, macht wirklich viel Arbeit. Und als "seine Arbeit" sieht Werner Robl das auch. Damit möchte er einen Beitrag dazu leisten, die Historie seiner Heimat zu bewahren, wie er erklärt.

Der gebürtige Wiesauer, der von sich sagt, im Herzen immer ein Kreuzberger geblieben zu sein, sammelt seit vielen Jahren Fotos von anno dazumal, digitalisiert sie und archiviert sie. Das hat sich in Fuchsmühl, wo er seit 1992 wohnt, und in Wiesau herumgesprochen. Immer mehr Leute kämen auf ihn zu, um ihm ihre alten Ansichten zu zeigen oder zur Verfügung zu stellen.

Zu schade zum Wegwerfen

Zum Sammeln dieser Fotos sei er durch einen Zufall gekommen. "Ich versuchte, meine verloren gegangenen Familienalben durch die Mithilfe von Verwandten zu rekonstruieren", berichtet Robl. Dabei seien ihm Aufnahmen des alten Kreuzbergs, des Tonwerks, des Bahnhofs und anderer Orte in die Hände gefallen. "Sie waren mir zu schade zum Wegwerfen." Also habe er sie gescannt und wieder an die Besitzer zurückgegeben. Sage und schreibe rund 15 000 Fotos hat Robl seither eingelesen und auf weiteren Datenträgern gut gesichert. 2013, während einer Kur, kam Robl auf die Idee, die Fotos ins Internet zu stellen. Es wurde eine Plattform daraus, auf der er die Fotos kommentiert, historische Daten dazu liefert oder auch Sagen und Geschichten dazu schreibt. "Die Seite hat inzwischen rund 1020 Leser und wird täglich von mir aktualisiert", so Robl. Manchmal seien es ganze Serien, die sich über Tage hinwegziehen. Beispiele sind die Historie von König-Otto-Bad und die Geschichte der Kaolingruben von Schönhaid.

Stolz erzählt der "Erinnerungen-Sammler", dass einige Leser in Berlin, Italien, China und sogar Australien zu Hause seien. "Meist sind es Wiesauer. Aber es sind auch andere dabei, die das einfach interessiert." Jedes Jahr bringt Werner Robl nun auch einen historischen Kalender zu einem bestimmten Thema heraus. 2020, gibt er schon jetzt gerne preis, kämen die Wirtshäuser an die Reihe. Seit 2017 stellt der Familienvater auch öffentlich aus. Die erste Ausstellung fand im Rathaus anlässlich des Bürgerfestes 2017 statt, weitere folgten 2018 beim Nordgautag in der Berufsschule und zur Fischkirchweih in Kornthan.

Früher war vieles besser

Robl bedauert, dass viele der alten Ansichten nicht beschriftet oder höchstens mit Zusätzen wie "Onkel" oder "Oma und Opa" gekennzeichnet seien. Damit könne man oftmals nichts mehr anfangen. Und er bedauert, dass er nicht die Zeit habe, alle Einladungen zur Sicherung von Familienalben anzunehmen. "Ich habe noch eine Warteschleife an Besuchen, die ich längst abarbeiten müsste, aber halt nicht kann", sagt Robl. Je mehr Fotos er sammele, umso mehr werde ihm klar: Früher sei vieles besser gewesen. Die "gute, alte Zeit" habe es schon gegeben - aber auch nicht so, wie sie immer mit der rosaroten Brille dargestellt werde. Robls Ausstellungen würden stets gut besucht, denn die Leute interessierten sich für ihre Vergangenheit.

Im Rahmen des Bürgerfestes wird Werner Robl wieder alte Ansichten zeigen. Im Rathaus Wiesau hängen über 200 historische Fotos an Stellwänden. Zudem gibt es zum Thema "Fronleichnam vor 50 Jahren" eine Farbfotoserie zu sehen. Die Vernissage, an der sich auch der Fotograf Matthias Kunz und der Heimatpfleger Adalbert Busl beteiligen, findet am Montag, 8. Juli, um 19 Uhr statt. Die Ausstellung kann bis 14. Juli besichtigt werden, beim Bürgerfest ist ebenfalls geöffnet.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.