10.09.2020 - 12:10 Uhr
WiesauOberpfalz

Wenn die Schwimmbrille zu Müll wird

Mehr Urlaub daheim, mehr Müll im Wald? Der Forstbetrieb Waldsassen gibt hier Entwarnung. Urlauber und Daheimgebliebene sind weitgehend diszipliniert und schonen die Natur.

Eine Kinderschwimmbrille, wahrscheinlich versehentlich vergessen auf einem Steg, wird rasch zu Abfall. Denn gesucht wird nach einem solchen Billigprodukt meist nicht mehr. Dann müssen sich andere darum kümmern.
von Ulla Britta BaumerProfil

Urlaub in heimischen Gefilden, mehr Ausflüge in der Region, mehr Touristen in Steinwald und Stiftland, in der Natur und am Badesee um die Ecke. Bedeutet das auch mehr Müll in der Landschaft? Und wer ist überhaupt zuständig für leere Bierflaschen im Wasser, Bierdeckel auf den Liegewiesen, Toilettenpapier auf dem Parkplatz, wo vorher noch das Wohnmobil stand, "vergessene" Einweg-Grills oder nachlässig weggeworfene Milchtüten?

Kopfschütteln

"Wir nehmen das Zeug dann halt mit, wenn es hier rumliegt", sagt Erich aus Mitterteich, der seit über 30 Jahren die Wiesauer Waldseen zum Schwimmen in idyllischer Natur nutzt. Er stelle sich immer wieder die Frage, warum man alles herschleppen kann für die Freiluft-Party, das Treffen mit Freunden am See oder einen Badeausflug mit der Familie. "Aber dann schaffen die Leute es nicht, alles wieder mitzunehmen." Besonders wütend ist Erich auf Leute, die Zigarettenkippen wegwerfen. "Dass die Dinger Unmengen an Wasser verseuchen", wettert er, "sollte längst in der Menschheit angekommen sein." Erich sammelt auch die Hinterlassenschaften der Raucher auf. Er kann sie einfach nicht sehen und will auch nicht mitten im Müll am See sitzen.

Verletzungsgefahr

Für Unvernunft haben auch andere Badegäste, die häufig an die Waldseen kommen, kein Verständnis übrig. Große Verletzungsgefahr drohe allen Nutzern, wenn Bierflaschen ins Wasser geworfen werden und dabei zerbrechen, schimpfen sie mit Fingerzeig auf Glas am Uferrand. Wer sich umsieht, kann teils auch ekligen Müll entdecken. Gemeint sind insbesondere schmutzige Papiertaschentücher, die häufig auf Waldparkplätzen liegen.

Einmal habe ich einen dabei ertappt, der seine Campingtoilette im Wald ausgeleert hat.

Forstbetriebsleiter Norbert Zintl

Liegt im Corona-Sommer mehr Müll als sonst in den Wäldern, an den Seen und auf den Wanderpfaden, der aufgesammelt werden muss? Natürlich gebe es auf derart großen Flächen regelmäßig Unvernünftige, sagt Norbert Zintl auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Der Leiter des Forstbetriebs Waldsassen der Bayerischen Staatsforsten ist "Herr" über immerhin 22.000 Hektar Naturflächen von Mähring bis zum Steinwald und von Windischeschenbach bis Arzberg. In den zehn Revieren im Landkreis Tirschenreuth würden die zuständigen Revierförster ein Auge auf wilde Müllablagerungen haben. Geht es um Wanderwege oder von den Kommunen geförderte sowie angelegte Lehrpfade für Erholungssuchende, werde ein Müllproblem in enger Absprache mit den Kommunen sowie mit dem Landratsamt gemeinsam angegangen.

Ihm sei aufgefallen, dass deutlich mehr Familien und Urlauber in den exponierten Waldgebieten wie im Waldnaabtal unterwegs seien. "Aber mehr Müll im Wald als vorher ist nicht erkennbar", freut sich Zintl über weitgehend disziplinierte Naturliebhaber. Zu "Übernachtungsgästen", die mit ihren Wohnmobilen auf Waldparkplätzen oder an Seen stehen bleiben, meint der Forstbetriebsleiter: "Das wird nicht gern gesehen." Aber wenn die Leute nur eine Nacht bleiben, drücke man ein Auge zu. "Einmal habe ich einen dabei ertappt, der seine Campingtoilette im Wald ausgeleert hat. Das ist nicht so schön."

Hier ein Bericht über ein aufwendiges Projekt der Bayerischen Staatsforsten Waldsassen

Mitterteich
Ein Einweg-Grill, Schachteln, herumliegende Bierflaschen und Plastik: Der Müll am See deutet auf eine Party hin.
Und immer wieder Bierflaschen.
Wurden diese leeren Flaschen vergessen oder absichtlich in der Tüte am Steg abgelegt?
Die Hinterlassenschaften der unvernünftigen Nutzer schöner Naturplätze sorgen immer wieder für Ärger.

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