30.08.2020 - 08:38 Uhr
WiesauOberpfalz

Wiesaus Bürgermeister Toni Dutz: Mit Mut, Geduld und Hartnäckigkeit

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Mittlerweile seit 18 Jahren ist Toni Dutz Bürgermeister in Wiesau. Und er hat noch viel vor, wie er im Interview erzählt. Er spricht über Entwicklungschancen der Marktgemeinde und Herausforderungen.

Bürgermeister Toni Dutz (links) mit Daniel Völkl und Thomas Weiß (rechts) aus der Gemeindeverwaltung bei einer Besprechung am künftigen Neubaugebiet "Kreuzberg Ost - Am Sonnenhang".
von Harald Dietz Kontakt Profil

"Aufrecht, standfest und mutig die Aufgaben angehen. Versuchen, die tägliche Bürokratie für unsere Menschen zu überwinden und den eigenen Standpunkt unerschrocken, wenn notwendig auch gegen die eigene Partei vertreten", formuliert Toni Dutz für sich als Leitlinie. Der Wiesauer Bürgermeister sagt im Interview mit Oberpfalz-Medien aber auch, was ihn nervt.

ONETZ: Landtagsabgeordneter Tobias Reiß hat vor einigen Tagen mitgeteilt, dass die Gemeinde Wiesau aus dem Bund-Länder-Städtebauförderprogramm "Sozialer Zusammenhalt" 900.000 Euro für den Ortskern bekommt. Für welches Projekt wird das Geld verwendet?

Toni Dutz: Das Geld – je zur Hälfte aus Bundes- und Landesmitteln – wird für den zweiten Abschnitt der Sanierung unserer Hauptstraße ab der Kreuzung Marktstraße/Egerstraße bis zur Einmündung in die Tonwerkstraße verwendet.

ONETZ: Fließen auch andere Fördermittel, um wichtige Vorhaben zu unterstützen?

Toni Dutz: Ja, wir konnten aufgrund unserer Bemühungen noch Zuschüsse für die Sanierung unseres Sportzentrums in Höhe von 1,2 Millionen Euro und 2,7 Millionen für den ersten Bauabschnitt der Schaffung des Kulturbahnhofs erreichen. Weiterhin erhoffen wir uns für den Bahnhof noch einen nicht unerheblichen Zuschuss aus ÖPNV-Fördermitteln. Nicht zu vergessen die Unterstützung des Amts für Ländliche Entwicklung für die Dorferneuerung in Triebendorf.

Wiesau besitzt aufgrund seiner einmaligen zentralen Lage im Mittelpunkt des Landkreises zwischen Eisenbahn und Autobahn alle Voraussetzungen für die positive Weiterentwicklung des interkommunalen Industrie- und Gewerbegebiets und die Ansiedlung neuer Betriebe

Bürgermeister Toni Dutz

Bürgermeister Toni Dutz

ONETZ: Welche Projekte haben Priorität und was kosten sie?

Toni Dutz: Die weitere Umsetzung des interkommunalen Industrie- und Gewerbegebiets bleibt über die Erschließung und Beiträge nahezu kostenneutral. Insgesamt rund acht Millionen Euro kostet der Kulturbahnhof. Die Sanierung des Schulsportzentrums ist mit 2,7 Millionen Euro veranschlagt. Weiter zu nennen sind die Dorferneuerung Triebendorf, wobei die Kosten noch nicht genau feststehen, und die Erschließung des neuen Baugebiets "Am Sonnenhang/Gartenweg", was nahezu kostenneutral geschieht.

Mehr zum künftigen Kulturbahnhof Wiesau lesen Sie hier

Wiesau

ONETZ: Lassen sich überhaupt alle Planungen realisieren, da man damit rechnen muss, dass die Folgen der Corona-Krise die Steuereinnahmen einbrechen lassen? Wie sind die Perspektiven?

Toni Dutz: Wir hoffen, trotz der derzeitigen unsicheren Lage im Hinblick auf die Einnahmen alle Maßnahmen wie geplant durchführen zu können. Möglicherweise müssen einige Vorhaben zeitlich gestreckt oder verschoben werden.

ONETZ: Wo sehen Sie die größten Entwicklungschancen für die Gemeinde Wiesau?

Toni Dutz: Wiesau besitzt aufgrund seiner einmaligen zentralen Lage im Mittelpunkt des Landkreises zwischen Eisenbahn und Autobahn alle Voraussetzungen für die positive Weiterentwicklung des interkommunalen Industrie- und Gewerbegebiets und die Ansiedlung neuer Betriebe im Bereich Logistik und auch Produktion. Dies gelingt allerdings nur, wenn wir zusätzlich Grundstücke dafür bereitstellen können. Die Gemeinde bemüht sich seit Jahren darum und bietet den Eigentümern dafür attraktive Konditionen. Dynamische Wachstumschancen bietet darüber hinaus unser Berufsschulzentrum mit den Fachschulen. Wichtig sind attraktive Baugrundstücke und moderne Infrastruktur. Letztlich unterstützen wir unsere bestehenden Betriebe, Geschäfte und den Mittelstand sowie unsere Land- und Teichwirtschaft, so gut es geht. Wiesau soll lebens- und liebenswert bleiben.

ONETZ: Bürgermeister Toni Dutz lässt es sich inzwischen nicht mehr nehmen, Bürgern wieder selbst zu runden Geburtstagen zu gratulieren. Wie läuft es jetzt in der Gemeindeverwaltung, nachdem in Zeiten des Corona-Lockdowns ein Zwei-Schicht-Betrieb im Rathaus eingeführt wurde?

Toni Dutz: Es läuft wieder normal, natürlich unter Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen. Unsere Bediensteten haben in der Lockdown-Phase sehr engagiert weitergearbeitet und sind auch jetzt hoch motiviert.

ONETZ: Sie haben bereits vor Wochen öffentlich gemacht, dass Sie wohl unbemerkt mit Sars-CoV-2 infiziert waren und später positiv auf Antikörper getestet wurden. Wie haben Sie die Erkrankung erlebt?

Toni Dutz: Wie gesagt: unbemerkt. Erst im Nachhinein haben meine Frau und ich über den Test festgestellt, dass wir beide wohl Mitte Februar an Corona erkrankt waren. Aus heutiger Sicht sind dabei lediglich ein komischer Husten und etwas erhöhte Temperatur über mehrere Tage hinweg in Erinnerung geblieben.

ONETZ: Haben die massiven Einschränkungen während des Lockdowns in Wiesau auch positive Effekte bewirkt, sprich neue Wege aufgezeigt, die man nun weitergeht?

Toni Dutz: Ich denke, die meisten von uns sind etwas vorsichtiger im Umgang miteinander geworden. Auch habe ich bisher eine große Solidarität und gegenseitiges Verständnis bei vielen Mitbürgern verspürt, insbesondere auch mit unserer Nachbargemeinde Mitterteich, die es ja noch schwerer als uns getroffen hatte. Würdigen möchte ich den großartigen Einsatz unserer Hilfsorganisationen und unseres medizinischen und pflegerischen Personals aus dem Bereich der Gemeinde Wiesau. In der Krise zeigt sich der Charakter eines Menschen und das lässt mich hoffen.

ONETZ: Einige Gemeinden rufen bereits zum Wassersparen auf. Wie sieht's in Wiesau aus? Verzichtet man beispielsweise auf das Wässern öffentlicher Grünflächen?

Toni Dutz: Ja, schon bisher sind wir mit dem wertvollen Gut Wasser sorgsam umgegangen und sparen so weit als möglich. Dies gilt natürlich auch für die Bewässerung von öffentlichen Flächen.

ONETZ: Toni Dutz ist Bezirksrat und nun auch stellvertretender Landrat. Wie sehr fordern Sie diese Aufgaben?

Toni Dutz: 2013 wurde ich von meinen Kollegen einstimmig zum CSU-Fraktionsvorsitzenden im Bezirkstag gewählt. Dieses Amt beinhaltet heute noch eine große Verantwortung und ich versuche, durch Einsatz der Aufgabe voll gerecht zu werden. Dies gilt gerade auch in Corona-Zeiten. Dagegen hat die vom Kreistag neu übertragene Aufgabe des stellvertretenden Landrats ebenfalls wegen Corona bisher noch keine so große Rolle gespielt. Die Anzahl der Vertretungstermine hielt sich bisher in Grenzen.

ONETZ: Wie findet Toni Dutz Ausgleich zum stressigen Beruf des Bürgermeisters?

Toni Dutz: Durch die Familie, insbesondere die drei Enkel Jeremias, Kilian und Emilia. Und natürlich sind private Treffen mit Freunden bei einem guten und gesunden Essen und Gesprächen oder bei einem Espresso in Wiesau wichtig. Nicht zu vergessen das Mitfiebern mit meiner 91-jährigen Mutter bei einer TV-Übertragung eines Spiels des FC Bayern. Dies ist Stressbewältigung pur.

ONETZ: Braucht man als Bürgermeister ein dickes Fell? Wann sind Sie genervt?

Toni Dutz: Zum dicken Fell benötigt man mittlerweile noch Geduld, Gelassenheit und die Fähigkeit, Gerüchte und sogar Böswilligkeiten und gezielte Herabwürdigung der eigenen Person zu überhören und gar nicht erst an sich heranzulassen. Schließlich kommt im Verlauf des mittlerweile fast vier Jahrzehnte andauernden Einsatzes für Wiesau und seine Bürger manchmal eine Altersmilde hinzu. Ich gestehe jedoch, dass ich mich manchmal mit Geduld schwer tue, wenn notwendige Projekte für Wiesau nicht schnell genug umgesetzt werden können. Genervt bin ich über Zeitgenossen, die anstatt sich bei mir persönlich zu erkundigen, lieber Gerüchte und Halbwahrheiten weitertragen, obwohl bereits bekannt ist, dass das alles nicht stimmt.

ONETZ: Was schmerzt besonders?

Toni Dutz: Schmerzen bereiten immer häufiger ausufernde Bürokratie und die Einstellung so mancher Vertreter in Behörden und Fachstellen, die bei gemeindlichen und auch bei notwendigen Firmenprojekten mit Verhinderungsmentalität an die Anträge herangehen und damit positive gemeindliche Entwicklungen letztendlich behindern und unnötig erschweren, anstatt nach pragmatischen Lösungen zu suchen. Wenn unsere Großeltern- und Elterngeneration die damaligen Verantwortlichen in Politik und Verwaltung mit der heutigen Einstellung und teilweisen Verhinderungsmentalität an die Beseitigung des Trümmerfeldes Deutschland und den Wiederaufbau herangegangen wären, hätte es diesen beispiellosen Aufstieg unserer Heimat nie und nimmer gegeben. Wir brauchen gerade nach Corona wieder diese Aufbruchstimmung, den Pioniergeist und auch die Genehmigungsmentalität und Bereitschaft, Verantwortung bei Entscheidungen zu übernehmen, anstatt das Verstecken hinter manchmal unverständlichen Vorschriften und Richtlinien.

ONETZ: Was wünscht sich Bürgermeister Toni Dutz für das Jahr 2021?

Toni Dutz: Dass ein wirksamer Impfstoff gegen Corona gefunden wird und diese Krankheit besiegt werden kann. Dass sich unsere Betriebe von den Rückschlägen erholen und dass möglichst alle Arbeitsplätze erhalten werden können. Dass die seit längerem bestehende dynamische Aufwärtsentwicklung von Wiesau nicht durch Corona unter- oder abgebrochen wird. Schließlich wäre es schön, wenn unsere Vereine und Verbände ihre Aktivitäten 2021 wiederaufnehmen können und wir auf unsere geselligen Veranstaltungen nicht weiter verzichten müssen. Das Wichtigste: Ohne Gesundheit ist alles nichts.

Private Treffen mit Freunden sowie gutes und gesundes Essen helfen Bürgermeister Toni Dutz, den beruflichen Stress zu bewältigen. Im Bild von links Carmen und Willi Altermann sowie Toni und Evi Dutz.

Ein Interview mit Pechbrunns Bürgermeister Stephan Schübel finden Sie hier

Pechbrunn
Zur Person:

Bürgermeister Toni Dutz

  • Privat: 62 Jahre alt, verheiratet seit 1986 mit Ehefrau Evi. Toni Dutz freut sich über die Söhne Michael (31) mit Frau Patricia und Florian (29) sowie drei Enkel (Jeremias, Kilian und Emilia). Er wohnt seit seiner Geburt in Wiesau. Er ist Diplomverwaltungswirt (FH) und arbeitete von 1980 bis 2002 am Landratsamt Wunsiedel (zuletzt als Regierungsamtmann).
  • Politik: Seit dem 16. Lebensjahr aktiv in der Politik. Ab 1984 Gemeinderat und von 1984 bis 2002 ehrenamtlicher Zweiter Bürgermeister in Wiesau. Seit 2002 hauptamtlicher Bürgermeister. Mittlerweile 36 Jahre Kreisrat und seit 1984 Mitglied im Kreisausschuss. Seit 2008 direkt für den Stimmkreis gewählter Bezirksrat, seit 2013 CSU-Fraktionsvorsitzender im Bezirkstag der Oberpfalz. Bezirksvorsitzender der kreisangehörigen Gemeinden im Bayerischen Städtetag (seit 2006), Hauptvorstandsmitglied im Bayerischen Städtetag (2007).
  • Ehrungen: Träger der Goldenen Bürgermedaille des Marktes Wiesau. Träger des Goldenen Ehrenrings des Landkreises Tirschenreuth. Ehrenmitglied des TB Jahn Wiesau, Goldene Verdienstmedaille des Deutschen Siedlerbunds.
  • Hobbys: Studium der Zeit- und Heimatgeschichte, Fußball (früher aktiv bei der SpVgg Wiesau), Vereinsleben, Gespräche beim Kaffeetreff, gut und gesund essen und trinken, reisen.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.