21.08.2020 - 11:24 Uhr
PechbrunnOberpfalz

Bürgermeister Stephan Schübel: Potenzial der Gemeinde Pechbrunn voll ausschöpfen

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Seit fast vier Monaten ist Stephan Schübel als Bürgermeister der Gemeinde Pechbrunn im Amt. Im Interview erzählt er, was ihm dabei besonders wichtig ist und was er an der Aufgabe schätzt. Stellung nimmt er aber auch zu negativen Punkten.

2019 hat Stephan Schübel mit dem Bau einer Freiflächenphotovoltaikanlage zwischen Groschlattengrün und Lengenfeld ein weiteres Standbein geschaffen. Einmal pro Tag schaut ein Familienmitglied auf dem Gelände nach dem Rechten.
von Udo Lanz Kontakt Profil

21 Jahre lang war das Pechbrunner Rathaus in „schwarzer Hand“, doch der CSU-Ortsverband tat sich vor der Kommunalwahl 2020 schwer, einen Kandidaten für die Nachfolge von Bürgermeister Ernst Neumann zu finden. Erst in der zweiten Januarhälfte erklärte der frühere langjährige Gemeinderat Stephan Schübel, dass er für die Christsozialen antritt. Bereits im Dezember hatten zunächst SPD-Gemeinderätin Isgard Forschepiepe und dann Ute Döhler (Bündnis 90/Die Grünen) den Hut in den Ring geworfen. Am Wahltag holte Stephan Schübel schließlich einen klaren Sieg mit knapp 56 Prozent der Stimmen. Im Interview mit Oberpfalz-Medien blickt er auf die ersten Monate seiner Amtszeit zurück.

Sie traten als Bürgermeisterkandidaten in der Gemeinde Pechbrunn an

Pechbrunn

ONETZ: Coronakrise, Rathaus-Einbruch und jede Menge Diskussionen im Gemeinderat - in den vergangenen Monaten war einiges los. Wie fällt die bisherige Bilanz aus?

Stephan Schübel: Sehr gut. In der Gemeinde gab es zwar Corona-Fälle, diese gingen aber relativ glimpflich aus, Todesfälle waren nicht zu beklagen. Die Zahl der Infizierten war gering. Man verhielt sich diszipliniert, das darf auch ruhig so bleiben.
Der Haushaltsplan 2020 wurde erstellt, das Baugebiet „Am Mühlweg“ ist auf den Weg gebracht, die Ertüchtigung der Kläranlage kann heuer abgeschlossen werden und es wurden wichtige Gespräche zu verschiedensten Themen geführt. Diskussionen müssen sein, dafür ist der Gemeinderat ja da. Allerdings wurden manche gestellte Anträge schon vor Jahren erörtert.
Zum Einbruch im Rathaus gibt es mittlerweile Fahndungserfolge.

Einbruch ins Rathaus Pechbrunn

Pechbrunn

ONETZ: Wie hatten Sie sich auf die Übernahme des Amtes vorbereitet?

Stephan Schübel: Ich hatte regen Kontakt mit dem ausgeschiedenen Bürgermeister Ernst Neumann, er hat mich in wichtige Themen und Aufgaben eingearbeitet. Hinzu kamen Fachliteratur zu kommunalen Themen und der intensive Kontakt mit den Mitarbeitern der Verwaltungsgemeinschaft Mitterteich. Es gab auch ein Seminar zur Ausübung der Standesbeamtentätigkeit, so dass man auch weiterhin in Pechbrunn heiraten kann. Natürlich sind da auch noch meine Erfahrungen aus 18 Jahren Gemeinderatstätigkeit.

ONETZ: Wie hilft das frühere politische Engagement jetzt konkret weiter?

Stephan Schübel: Man kann aus einem großen Erfahrungsschatz schöpfen und ist bereits mit vielen Dingen vertraut. Außerdem hat man dadurch einen Blick für die wichtigen Angelegenheiten in der Gemeinde und Gelassenheit bei abkömmlichen Themen.

ONETZ: Was haben Sie gleich nach dem Amtsantritt angepackt?

Stephan Schübel: Das Wichtigste war ein solider Haushaltsplan mit moderater Schuldenaufnahme. Weiter gab es Gespräche mit den Mitarbeitern von Bauhof und Kindergarten sowie dem Reinigungspersonal. Auch mit der Grundschulrektorin habe ich Kontakt aufgenommen.

ONETZ: Was sind die größten Herausforderungen?

Stephan Schübel: Die größte Herausforderung ist es, die Lücke zu füllen, die nach dem Ende des Basaltabbaus entstanden ist. Es gilt, Gewerbetreibenden Möglichkeiten zu bieten. Wir wollen den Raum dazu geben und sie nach Kräften unterstützen. Auch der Abschluss der Kläranlagenertüchtigung, welche coronabedingt etwas ins Stocken kam, hat Priorität. Aber das schaffen wir!

Ein bestimmendes Thema in der Gemeinde Pechbrunn ist die Sanierung der Kläranlage

Pechbrunn

ONETZ: Wo liegt das größte Potenzial der Gemeinde?

Stephan Schübel: Die Lage direkt an der Autobahn und an einer Bahnlinie, auf der jede Stunde ein Zug in Richtung Weiden und Hof fährt. Dieses Potenzial gilt es voll auszuschöpfen, am besten in interkommunaler Zusammenarbeit.

ONETZ: Wie sieht es mit erneuerbaren Energien aus? Privat haben Sie hier ja kräftig investiert.

Stephan Schübel: Die Installation von Solardachanlagen auf gemeindlichen Gebäuden haben wir geprüft, das wäre wegen der Statik mit enormen Kosten verbunden. Für Freiflächenanlagen wäre noch Platz, aber da darf man nicht übertreiben. Ein Windkraft-Gegner bin ich nicht, aber ein solches Projekt wäre wohl nur schwer durchzusetzen. Übrigens ist die Gemeinde bereits energieautark.

Zahlreiche Anträge waren in den vergangenen Monaten Thema im Gemeinderat

Pechbrunn

ONETZ: Wie bewerten Sie das aktuelle Miteinander im Gemeinderat im Vergleich mit der Zeit von 1996 bis 2014?

Stephan Schübel: Wir waren vor meiner Auszeit eine Gemeinschaft mit unterschiedlichen politischen Ansichten, man konnte aber nach Streitgesprächen bei einer Halben Bier wieder zusammensitzen und sich in die Augen schauen. Ich denke, dass das jetzt auch wieder der Fall ist. Wir arbeiten gut zusammen und klären Unstimmigkeiten im Gespräch. Wie es in den letzten sechs Jahren war, kann ich nur von außen beurteilen.

ONETZ: Was gefällt Ihnen besonders im Amt des Bürgermeisters?

Stephan Schübel: Die Tätigkeit ist interessant, abwechslungsreich, man kann eigene Ideen einbringen. Man hat mit vielseitigen Themenbereichen zu tun und trifft viele unterschiedliche Menschen und Charaktere. Ich schätze auch die Zusammenarbeit in der Verwaltungsgemeinschaft.

ONETZ: Und worauf könnten Sie gerne verzichten?

Stephan Schübel: Ideologisch geprägte Anträge, und wenn aus Mücken Elefanten gemacht werden. Aber das gehört in einer Demokratie auch dazu.

ONETZ: Im Wahlkampf hat eine Mitbewerberin gemutmaßt, dass Sie in die Kandidatur gedrängt worden seien und daher wohl nicht das nötige Engagement aufbringen würden. Hat Sie das geärgert?

Stephan Schübel: Sicher. Ob man am Anfang oder Ende einer Nominierungsfrist die Bereitschaft zur Kandidatur kund tut, hat nichts mit viel oder wenig Engagement zu tun. Es ist wichtig, dass man sich Zeit nimmt, eine Entscheidung gut und gründlich zu überlegen. Das habe ich getan, denn es gab ja auch einiges zu regeln in meinen Betrieben. Andere tun sich hier mit ihren Entscheidungen wahrscheinlich leichter.
Ich war im Wahlkampf immer sachlich und kann jedem weiterhin in die Augen schauen. Die Wählerinnen und Wähler haben die Frage des Engagements letztlich anders bewertet als meine Konkurrenz.

ONETZ: Kurz vor der Wahl waren in der Gemeinde Schmierereien aufgetaucht, die offenbar gezielt gegen Ihre Kandidatur gerichtet waren. Kommt man da ins Nachdenken?

Stephan Schübel: Ja, natürlich. Man hat Familie und weiß nicht, was noch alles in diesen Köpfen vorgeht. Deshalb habe ich, neben den Ermittlungen des Staatsschutzes, auch persönlich Anzeige erstattet.

ONETZ: Gab es bislang Erkenntnisse oder gar weitere Vorkommnisse?

Stephan Schübel: Nein, es ist nicht herausgekommen. Passiert ist in dieser Richtung aber auch nichts mehr.

Klarer Sieg für Stephan Schübel bei der Bürgermeisterwahl

Pechbrunn

ONETZ: Begegnen Ihnen manche Leute seit dem Wahlgewinn plötzlich anders als vorher?

Stephan Schübel: Nein, eigentlich nicht. Aber man bekommt schon mehr Sorgen und Nöte mitgeteilt.

ONETZ: Landwirt, Unternehmer, dreifacher Familienvater, diverse Ehrenämter - jetzt auch noch Bürgermeister. Wie bekommt man das alles unter einen Hut?

Stephan Schübel: Früher aufstehen und länger arbeiten (lacht). Spaß beiseite - das ist wirklich öfter der Fall. Zur Unterstützung im landwirtschaftlichen Betrieb habe ich zusammen mit dem Maschinenring einen Arbeiter gesucht und auch eine sehr gute Lösung gefunden. Ansonsten hilft die Familie zusammen. Manches musste ich umorganisieren, das eine oder andere muss vielleicht noch reduziert werden. Wenn noch etwas Routine dazu kommt, dann läuft's.

ONETZ: Was machen Sie, um herunterzufahren und abzuschalten?

Stephan Schübel: Mal mit Freunden ein Glas Wein oder eine Halbe Bier trinken und über Gott und die Welt reden. Vielleicht sind heuer noch ein paar Tage Urlaub mit der Familie drin. Das langt.

Bei den vielfältigen Aufgaben auf dem Hof hilft die ganze Familie zusammen. Hier im Bild Stephan Schübel und seine Frau Ulrike mit einigen Kälbern in einem der Ställe.
In diesen Tagen ist Stephan Schübel häufig mit Traktor und Erntewagen unterwegs.
Zur Person:
  • Stephan Schübel, Jahrgang 1975, ist seit fast 18 Jahren mit seiner Frau Ulrike verheiratet. Zusammen haben sie drei Kinder, Lilly (14), Moritz (8) und Maja (6). Daheim ist die Familie in Groschlattengrün.
  • Nach dem Erlangen der Mittleren Reife an der Fichtelgebirgsrealschule Marktredwitz absolvierte Stephan Schübel die Ausbildung zum Landwirt in Coburg, Weiden und Groschlattengrün. Es folgten der Besuch der Fachschule in Tirschenreuth und der Höheren Landbauschule in Weiden und Almesbach und der Abschluss als Agrarbetriebswirt. An der Berufsschule Wiesau unterrichtete er danach zwischenzeitlich als Teilzeitlehrkraft angehende Landwirte.
  • 1998 gründete Stephan Schübel eine Vertriebsfirma für Buchhaltungssoftware in Kooperation mit Steuerkanzleien in Weiden, Bayreuth, Hof und Regensburg. Im elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb ist er seit 2003 Gesellschafter, die alleinige Verantwortung als Betriebsleiter übernahm er 2016. Nach Erfahrungen mit dem Bau von Solardachanlagen investierte Schübel 2019 einen sechsstelligen Betrag in die Schaffung einer Freiflächenphotovoltaikanlage (Leistung bis zu 750 KWp) zwischen Groschlattengrün und Lengenfeld.
  • Stephan Schübel engagiert sich als stellvertretender Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Pechbrunn, als Jagdvorsteher in Groschlattengrün, als Mitglied des Elternbeirats am Otto-Hahn-Gymnasium Marktredwitz sowie als Ortsobmann und Kreisvorstandsmitglied im Bayerischen Bauernverband. Seit sieben Jahren ist er Aufsichtsratsmitglied bei der Milchliefergenossenschaft Marktredwitz-Selb eG, von 1996 bis 2014 gehörte Schübel dem Pechbrunner Gemeinderat an.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.