18.12.2020 - 13:43 Uhr
Wildenau bei PlößbergOberpfalz

Der Kerzenmacher aus Wildenau

Kerzen haben im Winter Hochsaison, daran kann auch die Corona-Pandemie nichts ändern. Kerzenmacher Winfried Reymann aus Wildenau kennt die Dauerbrenner und weiß auch, welche Formen beliebt sind.

Aus Wachsresten macht Winfried Reymann (Mitte) neue Kerzen. Ehefrau Petra und Sohn Jens helfen beim Verkauf.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Kerzen spielen im Leben von Winfried Reymann aus Wildenau eine ganz besondere Rolle. Vor 15 Jahren schmolz er die Wachsreste von seiner Mutter ein und goss daraus neue Kerzen. Aus dem Hobby entwickelte sich eine Leidenschaft, die wie ein Funke auf die ganze Familie übersprang. Beim Verkauf der Kerzen auf Christkindlmärkten helfen Ehefrau Petra und Sohn Jens mit - vorausgesetzt sie finden statt.

Ohne die Märkte in diesem Jahr ist auch die Adventszeit für Familie Reymann eine andere. "Es ist schon sehr ruhig", sagt Winfried Reymann. Seit 2007 war er mit seiner Familie jedes Jahr ab November fast jedes Wochenende auf einem Markt. "Die besondere Stimmung vor Ort fehlt mir schon sehr", sagt Winfried Reymann. "Der letzte Termin ist immer am vierten Adventssonntag in Leonberg." Der gelernte Schreiner vermisst besonders die anderen Fieranten. "Diese Leute treffe ich nur einmal im Jahr", erzählt er. "Man unterhält sich, trinkt zusammen einen Glühwein - das ist eine ganz besondere Gemeinschaft."

Aus alt mach neu

Auch auf den persönlichen Kontakt zu den Marktbesuchern muss er in diesem Jahr verzichten. Das sind meist Stammkunden, die ein Jahr später ihre Kerzenreste wieder am Stand abgeben. "Es gibt aber auch Extrawünsche", weiß Petra Reymann. Eine Kundin kauft jedes Jahr drei violette und eine rosafarbene Kerze für ihren Adventskranz. Ein Brauch, der vor allem in Österreich sehr bekannt ist.

Als Winfried Reymann 2005 mit dem Einschmelzen von Wachsresten begann, stand für ihn Nachhaltigkeit im Vordergrund. "Es wird einfach zu viel weggeworfen", sagt Reymann. Er musste auch feststellen, dass das Gießen von Kerzen mehr ist, als nur das alte Wachs wieder in neue Form zu bringen. "Es ist eine Handwerkskunst, die einiges abverlangt", sagt der 52-Jährige. Ihm ist besonders wichtig, dass seine Kerzen nicht rußen und gut abbrennen. Damit immer weniger Wachs im Restmüll landet, hat Reymann damit begonnen, Kerzenreste vor Ort zu sammeln und auch im Internet zu erwerben. Selbst die Kinder der Kita in Plößberg helfen mit. "Sie sind die Umweltschützer von morgen", sagt er. Einen Sammelbehälter hat er auch in einem Supermarkt in Plößberg und in einer Apotheke in Altenstadt aufgestellt. Um der großen Nachfrage gerecht zu werden, fuhr er für einen Kofferraum voller Wachsreste einmal sogar bis ins Allgäu. Zuhause werden die Reste dann nach Farbe und Qualität sortiert. "Manchmal steht auch einfach ein Eimer mit Kerzenresten vor der Haustüre", sagt Petra Reymann und lacht.

"Hoffnung für die Seele"

"Zur dunklen Jahreszeit kommt in diesem Jahr auch noch die Pandemie hinzu, die alles finster und duster erscheinen lässt", sagt Winfried Reymann. Gerade jetzt sei seiner Meinung nach das natürliche, warme Licht von Kerzen so wichtig. "Kerzenlicht ist für mich Hoffnung für die Seele. Es strahlt Wärme, Herzlichkeit und Geborgenheit aus", sagt er. "Das kann kein Kunstlicht ersetzen." Trotz der Pandemie hat der "Kerzenwinni" das gesamte Jahr über Kerzen produziert - und das, obwohl er sich bereits im März gedacht hatte: "Das wird heuer eh nichts." Während des Jahres gab es zudem Großbestellungen für Hochzeiten oder Geburtstage. Nun, wo keine Märkte stattfinden, melden sich Interessierte telefonisch oder über seine Internetseite.

Die meisten Kunden kaufen die klassischen Formen wie Kegel, Stumpen oder Kugeln. Winfried Reymann gießt aber auch Kerzen in Herz-, Stern-, Hexagon-, Fächer-, Pyramiden-, oder Tannenbaumform. Einige Farbtrends hat Petra Reymann in den vergangenen Jahren festgestellt. "Rot, Weiß und Grün sind Dauerbrenner", sagt sie. In den vergangenen Jahren waren besonders erdfarbene Kerzen gefragt.

In dieser für ihn sehr ruhigen Adventszeit ist Reymann nicht untätig. "Ich sammle weiterhin Kerzenreste, recycle und kreiere weiter", sagt er. Allen voran hofft er aber, dass er im nächsten Jahr wieder auf den Christkindlmärkten seine Kerzen präsentieren kann.

Eine rosa Kerze am Adventskranz

Oberpfalz
Eine Auswahl an Kerzen in verschiedenen Farben.
Hintergrund:

Die rosa Kerze am Adventskranz

  • Der liturgische Adventskranz besteht aus drei violetten und einer rosafarbenen Kerze.
  • Am dritten Adventssonntag "Gaudete" wird die rosa Kerze entzündet. Rosa gilt hier als aufgehelltes Violett und symbolisiert die Vorfreude auf das bevorstehende Hochfest.
  • Violett ist die Farbe des Advents und der Buße. Die Vorbereitungszeit auf Weihnachten sollen laut Bistum Regensburg auch von Besinnung und Umkehr bestimmt sein.

 

 

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