17.05.2019 - 12:41 Uhr
Winbuch bei SchmidmühlenOberpfalz

Hinterhalt: Landwirt fährt über Stahlspitze auf Feldweg

Die Stahlstange, die in Winbuch (Amberg-Sulzbach) aus einem Feldweg ragte, konnte er nicht sehen - sie war mit Gras abgedeckt. Landwirt Alfons Eichenseer fuhr mit Traktor und Hänger darüber. Ergebnis: mehrere Tausend Euro Schaden.

Etwa zehn Zentimeter ragte die Baustahl-Stange aus dem Feldweg. Der Täter, der sie hier versenkt hat, hatte sie oben noch angespitzt und sie dann mit Gras abgedeckt.
von Heike Unger Kontakt Profil

Der Traktor kaputt, der Hänger auch, der als Tierfutter besonders wichtige erste Schnitt des Jahres verzögert und wegen des dann nötigen Einsatzes einer Fremdfirma dreimal so teuer wie normal: Der Schaden ist groß. Doch er hätte auch noch viel größer sein können, sagt Alfons Eichenseer: Nicht auszudenken, wenn sein Ladewagen wegen der beiden platten Reifen gekippt und auf etwas oder womöglich sogar auf jemanden gefallen wäre. Oder wenn auf dem Feldweg, aus dem der Stahlstab ragte, ein Kind mit einem Fahrrad gestürzt und auf die Spitze gefallen wäre. "Auf dem Weg fahren oft Kinder mit dem Kettcar oder dem Fahrrad...", sinniert der Winbucher Landwirt im Gespräch mit der Redaktion. Und will das lieber gar nicht zu Ende denken.

Insofern ist die gute Nachricht in diesem Fall wohl, dass niemand verletzt wurde. Eichenseer ist trotzdem erschüttert über den Vorfall: Ein Unbekannter hat in einem Schotterweg in Winbuch (Schmidmühlen) eine etwa 20 Zentimeter lange und drei Zentimeter dicke Stange Baustahl "versenkt", die danach etwa zehn Zentimeter herausragte. Kein Zufall, betont der Landwirt: Der Weg sei so hart, dass der Täter den Stahlstab ganz gezielt eingegraben und dafür wohl auch spezielles Werkzeug wie eine Schlagbohrmaschine verwendet haben muss. Außerdem sei deutlich zu sehen, dass der Stab oben extra angespitzt worden ist.

Wer tut so etwas? Und warum? Eichenseer kann da momentan nur Vermutungen anstellen, denn vom Täter fehlt bislang jede Spur. Jemand, der etwas gegen Landwirte hat, mutmaßt der Winbucher. Oder womöglich sogar ganz gezielt ihn treffen wollte. Neid? Oder Haß auf die Landwirtschaft? Eichenseer hat darüber nachgedacht, aber keine Antwort darauf. Aus dem Dorf, das größtenteils aus landwirtschaftlichen Anwesen besteht, weiß er, dass es in der Vergangenheit schon Übergriffe auf Höfe gegeben hat. Kollegen seien beispielsweise schon Dreck in den Tank gestopft oder Teile vom Traktor gestohlen worden.

Vier aufgeschlitzte Reifen und die Kosten für eine Fremdfirma, die die Futter-Ernte zu Ende brachte - dem Landwirt ist ein Schaden von mehreren Tausend Euro entstanden.

Jetzt also hat es Eichenseer erwischt. Der junge Landwirt stammt eigentlich aus Rieden und hat sich gerade erst selbstständig gemacht. Vor rund einem Jahr hat er den Hof in Winbuch mit 40 Hektar gepachtet. "Ich will in die Milchwirtschaft einsteigen", erzählt er. Am Montag wollte er Silieren, Grünfutter von seinen Feldern einfahren, für die Tiere, die bald in seinem Stall stehen sollen. "Der erste Schnitt ist eigentlich der wichtigste im Jahr", sagt Eichenseer. Drei Fuhren konnte er am Montag problemlos vom Feld holen. Eigentlich müsse er dafür nur auf Teer fahren, berichtet der Landwirt. Aber weil diese Route durchs Dorf führe, habe er eine andere Strecke gewählt, auf der er über ein Stück Schotterweg fahren muss: "Ich wollte Rücksicht auf die Leute im Dorf nehmen", schließlich bedeuteten solche Fuhren immer auch Traktorlärm, Staub, Verkehrsbelastung.

So ist es passiert. Bei der vierten Tour, gegen 18 Uhr, fuhr Eichenseer über den Stahlstab. Sehen konnte er ihn nicht, es lag Gras darüber. Der Landwirt vermutet auch darin Absicht. "Dann hab ich schon ein lautes Zischen gehört und eine Staubwolke gesehen." Die letzten 400 Metern bis zu seinem Hof kam er noch, dann waren vier Reifen platt. Zwei am Traktor, zwei am Ladehänger. "Ich bin mit der kompletten Seite drübergefahren." Mit einem Spezl ging Eichenseer seine Route ab - erst da entdeckte er die Spitze, die aus dem Weg ragte. Er verständigte die Polizei. Die kam schnell, machte ihm aber wenig Hoffnung: Es gibt keine Spuren von dem Täter. Also ist es eine "Anzeige gegen Unbekannt". Natürlich ist der Vorfall Dorfgespräch. Aber die Hoffnung, im Ort könne jemand etwas gesehen haben, war vergebens. Ebenso wie Eichenseers Posting samt Bildern von den platten Reifen und dem Eisenstab auf seiner Facebook-Seite. Die Resonanz sei zwar gewaltig, er habe viele Kommentare aus ganz Deutschland und sogar aus Österreich bekommen. Aber einen Hinweis auf den Unbekannten gibt es nicht.

"Eigentlich poste ich wenig", sagt Eichenseer - aber dieser Vorfall hat ihn so aufgebracht, "das muss an die Öffentlichkeit". Er hat sogar eine Belohnung von 300 Euro ausgesetzt für Hinweise, die zum Täter führen. Auf seinem Schaden "bleibe ich sitzen", da gibt sich der Landwirt keinen Illusionen hin. Rund 6000 Euro für die vier kaputten Reifen, die Kosten für den Lohnunternehmer, den er engagieren musste, um seine Futter-Ernte abschließen zu können. Die Löcher in den Reifen waren zu groß, als dass man sie hätte flicken können, um die Arbeiten noch abzuschließen. Und die Versicherung, sagt Eichenseer, "zahlt in so einem Fall nicht".

Und jetzt? Eichenseer lässt sich nicht bremsen. Aber er macht sich schon Gedanken. "Ich fahre drei-, viermal am Tag da vorbei. Da hast du jetzt natürlich immer ein ungutes Gefühl. Und ich weiß nicht, was auf meiner Hofstelle vielleicht noch passiert." Der Landwirt hat auch da reagiert, Überwachungskameras installiert. Und er will sich einen Hofhund zulegen.

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