09.04.2019 - 19:13 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Drei Fässer im Gepäck

Schwer schleppen die Oberpfälzer drei 30-Literfässer über die Vestnertorbrücke vorbei am Hexenhäusle auf die Nürnberger Burg. Damit fahren sie bei der Verleihung des Heimatpreises einen Erfolg gegen Preisträger aus Oberfranken ein.

von Uwe Ibl Kontakt Profil

"Die Oberpfalz trinkt Zoiglbier und wer es trinkt, wird schön wie wir", zitiert Heimatminister Albert Füracker in seiner Laudatio den Altneihauser Kommandanten Norbert Neugirg. "Trink Bier aus dem Kommunbrauhaus, dann schaust Du viel gesünder aus und kriegst auch keine solchen Zinken wie die, die Bier aus Kulmbach trinken", führt Neugirg den Spruch fort. Die über 30 Vertreter der Oberpfälzer Zoiglkultur werden als letzte der insgesamt acht Preisträger auf die Bühne gerufen und krönen den Festakt im Kaisersaal. Da i-Tüpfelchen wird das Bier, dass sie für den Empfang herangetragen haben.

Mit einem leeren Fass waren dagegen die Kulmbacher nach Nürnberg gereist. Locker hatten die Vertreter der Kulmbacher Bierwoche ihr Holzfässchen auf die Bühne, während der Zoigl im Catering-Bereich zur Ruhe kommen durfte und sich für den begehrten Auftritt nach dem offiziellen Teil beruhigt. Beim Zapfen jhalf dan auch

Füracker würdigte mit dem Heimatpreis Menschen. die mehr tun als ihre Pflicht, damit die Heimat liebenswürdig bleibe. "Sie betrachten Heimat nicht als Kulisse, sondern nutzen sie als aktive Beteiligungsmöglichkeit." Der Zoigl bringe in Eslarn, Windischeschenbach, Neuhaus, Falkenberg und Mitterteich Lebensgefühl und gelebte Tradition mit Bierbrauen und Genuss zusammen.

"Ein Zeichen der Wertschätzung für viele Hausbrauer, die Zoiglschenker und die Vertreter der Kommunen", nannte Reinhard Fütterer die Ehrung. "Zoigl ist etwas, das mit Emotionen zu tun hat", fuhr der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft "Echter Zoigl vom Kommunbrauer" fort. Das könne man nicht in Flaschen probieren. "Am besten Ihr kommt vorbei und probiert es."

In Neuhaus und Windischeschenbach liegt das Kommunbrauwesen in privater Hand. "Dass dieses große Engagement wieder einmal mit einem Preis gewürdigt wird, ist für mich eine große Freude", sagte Windischeschenbachs Bürgermeister Karlheinz Budnik. "Jede Aufwertung für einen Kommunbrauort hat auch einen Werbeeffekt." Budniks Eslarner Kollege Reiner Gäbl geht davon aus, dass der Tourismus von diesem Preis profitiere. An die Aufnahme ins immaterielle Weltkulturerbe zu denken sei sicher ambitioniert, "aber wenn wir so traditionell weitermachen, sind wir sicher ein ernsthafter Bewerber".

Solche Auszeichnungen in so einem Ambiente führten zu einem neuen Selbstbewusstsein für die nördliche Oberpfalz und bei den Leuten, die die täglich daran mitarbeiten, betonte der Mitterteicher Rathauschef Roland Grillmeier. "Vor 20 Jahren hat hier niemand daran gedacht, mit Größen wie der Kulmbacher Bierwoche oder der Bamberger Sandkerwa genannt zu werden."

Der Preis sei etwas tolles, weil man im Gespräch bleibe, ergänzte Gemeindeoberhaupt Herbert Bauer aus Falkenberg. "Als Falkenberger sind wir zu wenige für den Zoigl. Es ist wichtig, dass die Qualität stimmt, damit die Touristen aus Oberfranken und der Oberpfalz kommen."

Nürnberg
Finanzminister sagt Nein:

"Wir kommen mit drei vollen Zoiglfässern und bedanken uns für die großartige finanzielle Unterstützung, auf die wir seit 600 Jahren warten", sagte der selbsternannte Zoiglbotschafter Norbert Neugirg zu Albert Füracker. "Ob Ihr 600 oder 700 Jahre wartet, ist dann auch egal", gab der Finanzminister einem Zuschuss eine Abfuhr. (ui)

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