16.12.2019 - 15:29 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Komplette Palette ärztlicher Fehler

Vom Oberlandesgericht in Nürnberg bekam eine Windischeschenbacherin ihr schönstes Geschenk zum 48. Geburtstag: Die Klage gegen einen Arzt, der ihr vor vier Jahren eine neue Hüfte verpasst hatte, ist erfolgreich, Berufung nicht möglich.

Der Hammer ist gefallen. Nach einer missglückten und unnötigen Hüftoperation bekommt eine 48-jährige Windischeschenbacherin 35.000 Euro Schmerzensgeld und auch alle Folgekosten erstattet.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Die Entscheidung kam knapp ein Jahr, nachdem die Zivilkammer des Landgerichts den Mediziner zur Zahlung von 35.000 Euro Schmerzensgeld und Ersatz aller Folgeschäden verurteilt hatte. Jetzt, ein weiteres Gutachten und etliche Schriftstücke später, ist die Berufung zurückgenommen.

"Wir hatten hier die komplette Palette der Fehler, die ein Arzt machen kann: Aufklärungs-, Befunderhebungs- und Behandlungsfehler", sagte Christoph Scharf, der Anwalt der Windischeschenbacherin. Das vom Oberlandesgericht angeforderte Gutachten war so eindeutig, dass das Gericht den Arzt auf die Erfolglosigkeit seiner Berufung hinwies. Begründung: Die Operation sei nicht indiziert gewesen. Es hätte stattdessen eine konservative Therapie vorgeschlagen werden müssen. "Das bedeutet, dass die Operation rechtswidrig war und die Beklagten für alle sich daraus ergebenden Folgen, insbesondere die Revisionsoperationen, haften."

Es liege nahe, so das Gericht weiter, dass eine Therapie, die sich auf eine tatsächlich gar nicht vorliegende Erkrankung beziehe, nicht zu einem Erfolg führe. Außerdem sei die Operation im Februar 2015 technisch fehlerhaft ausgeführt worden. Die Patientin bekam eine zu große Hüftpfanne eingesetzt.

Mittlerweile musste die Frau drei weitere Operationen über sich ergehen lassen, um den Schaden soweit möglich wieder zu beheben. Diese Eingriffe waren nach Meinung des Gutachtens "sinnvoll und auch erforderlich".

Die Höhe des Schmerzensgeldes für seine Mandantin entspreche der aktuellen Rechtsprechung, sagte Scharf. "Es ist angemessen und liegt sogar im oberen Bereich." Und dennoch: "35.000 Euro plus Folgekosten sind grundsätzlich zu wenig für das, was die Frau erlitten hat." Knapp 1000 Euro pro Jahr betrage die Entschädigung hochgerechnet auf ihre mögliche Lebenserwartung. So lange leide sie an den Beeinträchtigungen, seitdem sie durch einen externen Kooperationspartner in einem kleineren Haus der Kliniken AG Nordoberpfalz operiert worden sei.

Friedrich Weitner, Sprecher am Oberlandesgericht Nürnberg nannte es nicht ungewöhnlich, dass man als Patient vor Gericht gegen einen Arzt gewinne. "Damit sage ich aber auch nicht, dass das die Regel ist." Eine Statistik zu diesen Fällen habe er aber nicht. Der Weidener Rechtsanwalt Scharf sprach von einer großen Hürde für einen Patienten, gegen einen Arzt gerichtlich vorzugehen. Aufgrund des eindeutigen erneuten Gutachtens habe man tatsächlich Recht bekommen und die Gegenseite keine Chance gehabt, in eine höhere Instanz zu gehen.

Das Urteil in erster Instanz:

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Der erste Verhandlungstag:

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