Letzte Ruhe im naturbelassenen Wald bei Wolfring

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"Das wird unser vierter Friedhof", sagt Fensterbachs Bürgermeister Christian Ziegler. Ein Privatmann will aus seinem Waldstück nordöstlich von Wolfring eine Ruhestätte machen. Gemeinde und Betreiber müssen noch die Regeln ausarbeiten.

Auf dem bewaldeten Hügel nordöstlich von Wolfring sollen Urnen in naturbelassener Umgebung bestattet werden.
von Irma Held Kontakt Profil

Das Projekt läuft unter dem Titel "Ruhewald Wolfring". Wird es umgesetzt, woran Bürgermeister Christian Ziegler und Geschäftsleiter Peter Fleißner im Gespräch mit Oberpfalz-Medien im Grunde nicht zweifeln, wäre es nach Stefling der zweite Naturfriedhof im Landkreis Schwandorf. In der letzten Sitzung vor der Sommerpause genehmigte der Gemeinderat den vom Ingenieurbüro Stadt und Raum vorgelegten Entwurf mit integriertem Grünordnungsplan. Ein Eigentümer aus Wolfring stellt ein Waldstück als letzte Ruhestätte zur Verfügung. Der Gemeinderat billigte die vorgelegte Planung.

Sitzung am 22. September

Zur Zeit läuft die Auslegung mit Bürgerbeteiligung und es werden Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange eingeholt. In der Sitzung am 22. September erfolgt laut Peter Fleißner die Abwägung und anschließend werde der Bebauungsplan als Satzung erlassen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Fachstellen negative Stellungnahmen abgeben." Auch Bedenken von Bürgerseite seien überwindbar.

Der Bestattungswald wird ungefähr fünf Hektar groß, mit einer Belegung von etwa 120 Bestattungsbäumen pro Hektar. Der Hauptweg, maximal drei Meter breit, führt vom den Stellplätzen zum Andachtsplatz. Dieser, Stellpätze und Zugang erhalten wassergebundene Decken, werden nicht versiegelt. Auf dem Andachtsplatz mit etwa 100 Quadratmetern werden mehrere Sitzbänke und ein Holzkreuz aufgestellt. Eine Rundweg, als Nebenweg mit einer Breite von 1,5 Metern bleibt ein Waldweg. Als eine Art Einfriedung dienen Holzpfähle. "Der Abstand der ausgewählten Bestattungsbäume ist so zu wählen, dass sich eine natürliche Waldvegetation weiterhin entwickeln kann", heißt es im vorgelegten Entwurf. Zum Wirtschaftswald zu den Bestattungsbäumen hin ist ein Abstand von fünf Metern einzuhalten.

Der Grund für den Friedwald in Stefling

Im Ruhewald ist jegliche Grabpflege verboten. Die Bäume erhalten zum Auffinden eine Registrierungsnummer. Der Wald soll in Belegungsabschnitte eingeteilt werden, die nacheinander, entwickelt werden. Die Beisetzung erfolgt nur in schnell zersetzbaren Urnen. Der Wald muss bleiben wie er ist, das heißt Kerzen, Kränze, Grabschmuck oder Erinnerungsstücke sind tabu. Anpflanzungen sind ebenso wenig erlaubt. Ist der Bebauungsplan unter Berücksichtigung möglicher Einwendungen im Gemeinderat durch, beginnt die Arbeit für Bürgermeister und Verwaltung.

Immer mehr Urnenbestattungen

Amberg

Vertrag mit Betreiber

Mit dem Betreiber muss ein Vertrag geschlossen werden. Es geht zum Beispiel um die Verkehrssicherung. Laut Bürgermeister Christian Ziegler soll die Zufahrt von der Kreisstraße SAD 25 Richtung Trisching über einen bisher nur für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegebenen Weg erfolgen. Eine Umwidmung könnte folgenden Zusatz erhalten: Frei für Besucher des Ruhewaldes. "Ich sehe es als Bereicherung", sagt der Bürgermeister. "Der Trend lässt sich nicht aufhalten", ergänzt Peter Fleißner. Im Vertrag muss auch geregelt werden, wie viel die Gemeinde als Aufwand pro Bestattung erhält. "Schlussendlich ist es nichts Anderes als ein Friedhof, für den es eine Friedhofsordnung gibt" fasst der Bürgermeister zusammen. Er rechnet mit einem großen Einzugsgebiet.

Die Zufahrt zum Naturfriedhof soll über diesen Flurweg erfolgen, der umgewidmet werden muss.
Bürgermeister Christian Ziegler (links) und Geschäftsleiter Peter Fleißner stellen das Projekt „Ruhewald“ im Rathaus der Redaktion von Oberpfalz-Medien vor.
Hintergrund:

In Deutschland gilt Urnenpflicht

Ein Bestattungswald, auch Urnen-, Begräbnis-, Ruhe- oder Friedwald, wurde erstmals 1999 in der Schweiz offiziell an dafür ausgewählten Bäumen genehmigt. Anders als in der Schweiz, wo Totenasche beliebig verstreut werden kann, gilt für Deutschland auch bei Baumbestattungen Urnenpflicht. Die FriedWald GmbH und die RuheForst GmbH gleten als größte Betreiber von Bestattungswäldern in Deutschland.

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