Nudelmacher aus Zangenstein arbeitet mit frischen Eiern und 14 Formen

Die Hörnchen, die aus der Nudelmaschine purzeln, scheinen verpackungsfertig zu sein. Nichts da. Manfred Meier schiebt sie gleich in den Trockenschrank. Seine Frau Angelika füllt stattdessen in der Zangensteiner Nudelwerkstatt Sputniks ab.

Die Nudeln schiebt Manfred Meier in den Trockenschrank. Angelika Meier legt ein neues Trocknungsieb unter die Nudelmaschine.
von Irma Held Kontakt Profil

Sechs Tage die Woche läuft in der Manufaktur von Manfred und Angelika Meier in Zangenstein vormittags die Nudelmaschine. Der Arbeitstag von Angelika Meier beginnt um halb sechs mit dem Eier aufschlagen. Das hat sie beidhändig so perfektioniert, dass sie für 350 Eier rund zehn Minuten braucht, erzählt die Zangensteinerin beim Besuch von Oberpfalz-Medien in der Produktionsstätte.

Danach macht Manfred Meier den Teig. Als das Redaktionsteam eintrifft, fallen schon Hörnchennudeln aus der Maschine auf rechteckige Trocknungssiebe. Die vollen werden sofort in den Trockenschrank geschoben. "Hohlware wird übers Wochenenee produziert", erklärt der Nudelmacher, der seit 33 Jahren im Geschäft ist.

Der Grund für den Herstellungszeitpunkt liegt für den versierten Nudelhersteller auf der Hand. Hohlnudeln, also Hörnchen, Tortigloni oder Rigatoni, müssen länger trocknen und werden bereits während der Produktion über einen Ventilator vorgetrocknet. Deshalb stellt Manfred Meier an diesem Freitagvormittag noch Rigatoni, aber keine feinen Suppennudeln. her.

14 verschiedene Formen

14 verschiedene Ausformungen kann Teigwaren Meier anbieten, vom Sputnik über Suppen- bis hin zu breiten Bandnudeln. "Das Rezept ist immer gleich", sagt der 58-Jährige: Hartweizengrieß und Eier. Natürlich verschließt er sich in der Lohnproduktion nicht anderen Zutaten wie Spinat, Tomaten, Bärlauch oder Dinkelgrieß. "Es gab auch schon Anfragen aus Linsen oder Kichererbsen Nudeln herzustellen."

Die Trocknungszeiten bestimmen den Produktionsrhythmus in dem Familienbetrieb, in dem Angelika und Manfred Meier die Hauptlast tragen und die Schwiegertochter ab und an aushilft. Der Löwenanteil aus dem Hause Meier wird unter anderen Namen vermarktet. Das heißt Kunden bringen die Eier – 300 Stück müssen es mindestens sein, 6000 höchstens. Ein Biobetrieb beispielsweise liefert alle Zutaten nach Zangenstein und holt die fertigen Nudeln wieder ab. "Seit heuer ist es krass mit der Lohnfertigung", ist sich das Ehepaar einig.

"Der August ist ein toter Monat, Urlaub, Ferien." In der Realität heißt das, viele Eier werden nicht verkauft. "Wir müssen Kunden absagen, weil wir die Eier nicht mehr aufschlagen können", ergänzt Angelika Meier. Nudeln sind ein probates Mittel, Eier zu verarbeiten und haltbar zu machen, zwei Jahre statt vier- bis sechs Wochen. Auch an diesem Freitag arbeitet Teigwaren Meiers nicht auf eigenen Namen. Angelika Meier verpackt in Windeseile Sputnik-Nudeln zu je 250 Gramm in Zellophantüten. Die Arbeit geht ihr routiniert von der Hand. Das Etikettieren übernimmt der Kunde. Manfred Meier hat inzwischen die Matrize (Model für die Nudelart) auf Rigatoni gewechselt.

"Nudelmachen ist kein großes Thema. Das Thema ist die Trocknung", sagt Manfred Meier. Die maximale Feuchtigkeit der Nudel darf bei 13 bis 14 Prozent liegen. "Alles andere ist nicht haltbar." Der Laie lasse sich leicht täuschen. Was trocken wirkt ist laut Meier oft nur kerngetrocknet.

Nur Eiernudeln

In Zangenstein werden ausschließlich Eiernudeln hergestellt. Der Rohstoff Ei schlägt sich auch im Preis nieder, 4,40 Euro kostet ein Kilo Nudeln aus Meiers Werkstatt. "Mein Kundenkreis will Eiernudeln", sagt Manfred Meier und das Ehepaar natürlich auch. "Wenn's nach mir ginge, ich könnte jeden Tag Nudeln essen. Meinem Mann reichen sie einmal die Woche", plaudert Angelika Meier aus dem Nähkästchen.

Als der Nudelmacher 1988 angefangen hat, mussten speziell die kleinen Eier weg. S für small war nicht zu vermarkten. Die Konservierung in Nudeln half da aus der Patsche. Damals gab es weder Wochenmärkte noch Hofläden oder Direktvermarkter. Heute reicht der Radius seiner Lohnfertigung von Sachsen bis Ingolstadt und Regen.

Zwischen 300 und 400 Kilo Teigwaren fallen wöchentlich aus der Maschine. Meier rechnet hoch. "15 bis 18 Tonnen sind das jährlich." Klingt nach viel. ist es aber nicht. "Das ist die Tagesproduktion von Bernbacher." Dafür gib es Meiers Ware aber nicht überall, sondern zum Beispiel im Dorfladen in Altendorf, im Marktladen in Schwarzhofen und vor Ort in Zangenstein.

Einen Hofladen haben die Meiers nicht, aber früh morgens bis zum späteren Vormittag wird produziert. Nebenbei gehen auch die kleinen Nudelgeschenke und die 14 verschiedenen Formen, die inzwischen der Nachhaltigkeit wegen auch in Papier verpackt werden, über den Tisch.

Leckere Saucen aus der Region

Wernberg-Köblitz
Hintergrund:

Nudel versus Pasta

  • Nudeln müssen einen bestimmten Eieranteil haben.
  • Für Pasta reichen Hartweizengrieß, Wasser und Salz.
  • Eiernudeln haben eine längere Kochzeit als Pasta.
  • Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland steigt stetig an. Einen Schub bringt die Corona-Pandemie. 2020 liegt er bei knapp zehn Kilogramm pro Jahr.
  • In Italien beträgt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Teigwaren rund 25 Kilogramm.
  • Teigwaren Meier hat ausschließlich Frisch-Ei-Nudeln im Angebot. Kontakt: 09675/1547

 

 

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