20.11.2020 - 16:41 Uhr
AmbergSport

David Prinosil: Einst an der Seite von Boris Becker im Doppel des Tennis-Davis-Cups

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Er gewann bei Olympia Bronze im Doppel und spielte im Bundesliga-Team des TC Amberg am Schanzl. David Prinosil erinnert sich - und glaubt zu wissen, warum Boris Becker in finanziellen Problemen steckt.

Mit 18 wurde David Prinosil (Mitte) zur Bundeswehr einberufen und leistete bei der Panzerbrigade 12 in der Oberpfalzkaserne in Pfreimd seinen Grundwehrdienst ab.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

David Prinosil, einst das Aushängeschild des TC Amberg am Schanzl in der Tennis-Bundesliga, lässt es seit seinem Rücktritt vom Profisport 2004 ruhiger angehen. "Im Grunde genommen bin ich Rentner. Rentner und Tennistrainer", sagt Prinosil und lacht. Und: "In drei Jahren bekomme ich meine Rente von der ATP." Jeder, der mindestens fünf Jahre die ATP-Turniere mitgespielt hat, bekommt diese ab dem Alter von 50 Jahren - von der "Association of Tennis Professionals", der Vereinigung der professionellen männlichen Tennisspieler.

"Das ist traurig"

Prinosil hofft, dass er sein Geld, das er im Laufe seiner Karriere verdient hat, besser angelegt hat als Boris Becker, an dessen Seite er einige Male im Doppel gespielt hat. "Ich verfolge das natürlich. Das ist traurig." Becker habe immer viele Leute um sich gehabt, die sich um sein Geld gekümmert hätten. Prinosil selbst war drei Jahre im Boris-Becker-Management tätig. "Einige Sachen sind nicht gut gelaufen. Sein größter Fehler war - und das glaube ich, weiß er auch - dass er sich von Ion Tiriac getrennt hat. Tiriac war einer der besten Manager der Welt. Wenn der ihn nach der Karriere beraten hätte, wäre vermutlich das Vermögen von Boris noch größer geworden." Mit 15 hatte David Prinosil Boris Becker beim Davis-Cup im Fernsehen gesehen. „Das war für mich unglaublich. Da wollte ich auch immer mitspielen“, sagt Prinosil. Eine Stufe auf seiner Karriereleiter, die er genommen hat. Sieben Jahre spielte Prinosil im deutschen Davis-Cup-Team, war immer dabei – eine besondere Zeit für ihn. Unter anderem an der Seite von Boris Becker. An ein Spiel erinnert sich Prinosil noch heute sehr genau, an das Doppel 1999 in Frankfurt gegen Russland, gegen Yevgeny Kafelnikov und Andrei Olhovskiy. Nach knapp fünf Stunden gewann das Duo Becker/Prinosil in fünf Sätzen. Und es war hart für Becker: „Im fünften Satz hat Boris nicht mehr mit mir geredet, da war er in schon seinem Tunnel. Beim Stand von 9:8 habe ich zum Match aufgeschlagen. Davor habe ich ein paar Asse serviert. Boris ist am nächsten Tag nicht mehr in seine Schuhe gekommen, seine Füße waren so geschwollen.“

Panzerbrigade 12 gehörende Panzerbataillon 104 ist im bayerischen Pfreimd

Zum TC Amberg am Schanzl

Geboren ist David Prinosil in der damaligen Tschechoslowakei, seine Familie floh 1989 nach Deutschland, zunächst nach Nürnberg, dann nach Amberg – zum TC am Schanzl. Aufgrund seiner deutschen Abstammung erhielt der junge David schnell einen Pass der Bundesrepublik Deutschland – Grundlage für seinen späteren Einsatz im deutschen Davis-Cup-Team.

Seine zwei persönlichen Höhepunkte: Der Gewinn der olympischen Bronzemedaille 1996 in Atlanta im Doppel mit Marc-Kevin Goellner, und der Einzel-Turniersieg in Halle. Zweimal stand er im Doppel-Finale eines Grand-Slam-Turniers: bei den French Open mit Goellner, bei den Australien Open mit Byron Black.

Erfolg als Trainer

Nach dem Ende seiner internationalen Karriere 2004 spielte Prinosil noch ein Jahr in der Bundesliga bei TC Wolfsberg Pforzheim. Dann kam ein Angebot eines tschechischen Tennisspielers, Robin Vik, ob Prinosil ihm nicht helfen könne. „Der stand so auf Position 400 der Welt, war sehr talentiert, aber ein bisschen faul“, erinnert sich Prinosil. Der Entschluss, das zu tun, war schnell gefasst: „Ich probier’s mal, ob ich als Trainer was machen kann.“ Der Erfolg stellt sich ein: „In zwei Jahren habe ich ihn auf Platz 70 im Einzel gebracht.“ Als Supercoach hat er auch unter anderem Julia Görges bei Rasen-Turnieren auf Mallorca und in Wimbledon geholfen. Rund vier Jahre war David Prinosil insgesamt noch unterwegs nach seiner aktiven Laufbahn, trainierte den einen oder anderen Spieler. Dann war Schluss: Familie und Kind waren der Grund, warum er entschied: „Ich will nicht mehr reisen.“

In der Amberger Zeitung vom 22. September 1989.

Gelegentlich in Prag

Jetzt wohnt der 47-Jährige gelegentlich mit seiner Familie in Prag, mit seiner Frau und seinen beiden Kindern Tobias (8) und Ella (6). Dort trainiert er einige Jugendliche, bringt ihnen Tennis bei. Zwei jungen Mädchen im Alter von 13 und 15 Jahren, die "momentan größten Talente in Tschechien." n kann er dagegen nichts beibringen. „Tobias wollte überhaupt nicht mit mir Tennis spielen, deswegen bekommt er von jemand anderem Trainingsstunden.“ Im Tennis – obwohl Prinosil junior Fußball viel lieber mag. Tochter Ella hat zwar auch mit Tennis begonnen, bevorzugt aber Tanzen und Gymnastik. Papa David ist eher zurückhaltend, was eine mögliche Karriere seines Nachwuchses betrifft: „Meistens ist es so, dass Profispieler ihre Kinder eben nicht pushen, dass sie auch unbedingt Profis werden. Mal schauen, was aus meinen Kindern später wird.“ Aus seiner heutigen Sicht würde er ihnen eher von einer Profikarriere abraten. „Zehn Monate im Jahr unterwegs zu sein, von einem Land zum anderen, das ist sehr anstrengend für die Psyche.“ Aber wenn sie das unbedingt machen wollen, würde er ihnen nicht im Weg stehen.

"Ich wollte das so"

Er spricht aus Erfahrung, denn er selbst hat sehr lange mit seinem Vater Jiri trainiert – für die eine Profikarriere als Tennisspieler. „Es war nicht einfach, immer auf Achse zu sein. Ich hatte viele Freunde, die waren ständig in den Diskotheken, was man mit 16 so macht.“ David Prinosil dagegen war in der Welt unterwegs: Amerika, Asien, Australien, Afrika und bei zahlreichen europäischen Tennisturnieren. „Ich wollte das so. Das hat mir Riesenspaß gemacht, auch dadurch, dass ich schnell nach oben gekommen bin. Mit 19 war ich unter den ersten 100, das war ganz gut“, erklärt er.

Traum nicht erfüllt

Von kleinen Turnieren Richtung Grand Slam. Sein Traum war immer, unter die ersten 20 der Weltrangliste zu kommen. „Das habe ich leider nicht ganz geschafft, vielleicht hätte ich noch mehr trainieren sollen.“ Platz 28 war seine höchste Position. „Vielleicht war ich auch in einigen Momenten auf dem Platz psychisch nicht stabil genug, das macht sehr viel aus.“ Eine Viertel- oder Halbfinal-Teilnahme in einem Grand-Slam-Turnier, „das wäre es gewesen.“

Heute pendelt David Prinosil zwischen Amberg, seinem Hauptwohnsitz, und Prag. Nebenbei spielt er auch noch ein bisschen Tennis: Beim TC Bohlsbach in der Nähe von Offenbach, in der Herren-40-Mannschaft. „Wir sind schon zweimal Deutscher Meister geworden“, sagt David Prinosil.

1988 war der junge David (Mitte) im Alter von 15 Jahren zusammen mit seiner Familie (rechts Vater Jiri) aus der damaligen Tschechoslowakei geflohen. Ein Jahr später begann die Tenniskarriere beim TC Amberg am Schanzl.

Von der Triathlon-WM auf Hawaii zum Training auf den Annaberg

Amberg
Empfang im Amberger Rathaus nach dem Gewinn der olympischen Bronzemedaille (von links): Vater Jiri Prinosil, der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer, David Prinosil, Johannes Heckmann vom TC am Schanzl und Ex-Kulturreferent Norbert Fischer.
Triumph bei Olympia: Mit Marc-Kevin Goellner (links) holte David Prinosil Bronze.
Das deutsche Davis Cup-Team 1998 mit Hendrik Dreekmann, Kapitän Niki Pilic, Michael Stich und David Prinosil (von links).
Das deutsche Davis Cup-Team 1996 mit Marc-Kevin Goellner, David Prinosil, Hendrik Dreekmann und Boris Becker (von links).
Hintergrund:

David Prinosil: Bronze bei Olympia 1996

Zur Person:

David Prinosil, Tennisspieler, geboren 9. März 1973 in Olmütz (damals Tschechoslowakei), kam als 13-Jähriger nach Deutschland, zunächst nach Nürnberg, anschließend nach Amberg; Profilaufbahn 2004 beendet; lebt mit Familie (zwei Kinder, Tobias, 8, Ella, 6) abwechselnd in Amberg und in Prag

Größte Erfolge:

Bundesligaspieler für TC Amberg am Schanzl, Deutscher Meister 1998

Drei ATP-Einzel- und zehn Doppelsiege: Einzel 1995 in Newport, 1996 in Ostrava, 2000 in Halle

1993 mit Marc-Kevin Goellner im Doppelfinale der French Open

1996 Bronze bei Olympischen Spielen in Atlanta mit Goellner im Doppel

Höchste Positionen der Weltrangliste: Platz 28 im Einzel, Platz 12 im Doppel, jeweils 2001

Im deutschen Davis-Cup-Team von 1996 bis 2003

Preisgeld:

Laut ATP rund vier Millionen US-Dollar

In der Kaserne 1991 in Pfreimd.
Mit Vater, Mutter und Neffe in Amberg.
Heute gibt der 47-Jährige gelegentlich Tennisunterricht in Prag, hier mit einer Schülerin.

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