12.01.2022 - 19:38 Uhr
AmbergSport

Ein Eigentor in Sachen Virusbekämpfung

Corona-Regeln sind oft gut gemeint, schießen aber manchmal ins Leere. So wie die Zuschauervorschriften bei Sportveranstaltungen, die mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbar sind, meint Sportredakteur Reiner Fröhlich.

Eine FFP2-Maske liegt auf einem Leuchttisch. Die Maskenpflicht ist eine von vielen Corona-Vorschriften.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil
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Eine kürzlich veröffentlichte Studie aus den USA – der Universität Washington – zeigt auf, dass es von allen europäischen Ländern in Deutschland die meisten Corona-Regeln gibt. Die Forscher haben grundlegende 24 Vorschriften ausgemacht, wie Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen – 20 davon gelten aktuell in Deutschland. Der Lockdown gehört noch nicht dazu. Am Anfang der Pandemie waren Regeln einfach zu verstehen und auch nachzuvollziehen. Denn es galt und gilt: Je größer das Verständnis in der Bevölkerung, umso größer die Akzeptanz. Diese schwindet aber, je weniger sie nachvollziehbar sind und von Bundesland zu Bundesland verschieden. Denn die auseinandergehenden Vorschriften, Regularien und Ausnahmeregeln der Länder-Ministerien und des Bundes werden zum Teil immer grotesker und sind oft mit dem gesunden Menschenverstand nicht mehr in Einklang zu bringen. Beispiel die Zuschauerregelung bei Sportveranstaltungen. Da dürfen lokal 600 Fans in ein Eisstadion – eine Halle wohlgemerkt – aber kein einziger in die Freiluft-Allianz-Arena, wenn der FC Bayern spielt.

Das bayerische Gesundheitsministerium hat dazu die Begriffe "groß" und "überregional" als Kriterium eingeführt. Wenn beides zutrifft, sind Besucher nicht erlaubt. So wie beim Eishockeyspiel Selber Wölfe gegen Bayreuth Tigers – da in der DEL2 auch nicht-bayerische Vereine spielen. "Weil Zuschauer aus einem weiteren Umfeld" anreisen, so die Begründung des Ministeriums. Klar, Bayreuth und Selb sind ja auch über 60 Kilometer voneinander entfernt. In keinem weiteren Umfeld sind offensichtlich die rund 400 Kilometer, die die Blue Devils Weiden in der Oberliga Süd zurücklegen müssen, wenn sie beim EV Lindau antreten. Paradox: Die Partie wurde aber erst in der vergangenen Woche wegen Coronafällen in der Lindauer Mannschaft abgesagt. Nur: Hier wären Zuschauer willkommen gewesen.

Was zeigt dieses Beispiel? Dass das Virus sich nicht um geltende Vorschriften und Entfernungen schert, denn auch in einem kleineren Eisstadion können sich Menschen treffen, die sonst nicht zusammenkommen würden – Spieler oder Zuschauer. Wenn das bayerische Gesundheitsministerium mit der Zuschauerregelung Gutes bewirkt hat, dann nur eines: Dass sich die Amateurvereine über Einnahmen durch Besucher freuen dürfen, die bei Geisterspielen sonst ausblieben. In Sachen Virusbekämpfung hingegen sieht es eher nach einem Eigentor aus.

Zuschauer beim Sport: Auf die Größe kommt es an – und die Region

Weiden in der Oberpfalz

 

 

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