22.09.2021 - 17:01 Uhr
AmbergSport

So geht es Ryan Murphy in seiner neuen Eishockey-Heimat Amberg

Ryan Murphy aus den USA ist der neue Stürmer des ERSC Amberg. Seit 1. September ist er in der Oberpfalz. Wie seine Ankunft war, was in seiner Heimat deutlich größer ist und wieso er sich in die deutsche Küche verliebt hat, erzählt er hier.

Ryan Murphy schwärmt von der Amberger Altstadt: "So etwas haben wir in Minnesota nicht!" Und. ganz klar: Er hat eine ganz besondere Beziehung zu Löwen.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Am Anfang war der Jetlag. Ryan Murphy, lange dunkle Haare, kaum Bart, US-Amerikaner, stieg am 1. September in Nürnberg aus einem Flugzeug und hinein in seine neue Welt. Die ersten Tage verbachte er schlafend, zum Glück hatte sein neuer Verein bereits alles für ihn vorbereitet. Murphy ist Eishockeyspieler und stürmt in der kommenden Saison für den ERSC Amberg. In Deutschland war er vorher noch nie, nur in Schweden hatte er schon gespielt – in der vergangenen Spielzeit. Nun also Deutschland, Bayern, die Oberpfalz. Wieso kommt ein 24 Jahre alter US-amerikanischer Eishockey-Stürmer überhaupt nach Deutschland? Und wie findet er sich in den ersten Wochen zurecht?

Immerhin: Allein ist Murphy nicht. Seine Frau ist auch mit nach Deutschland gekommen. "Das macht es mir sehr viel leichter, mich hier zurechtzufinden", gesteht er in breitem US-Slang. Deutsch spricht er noch nicht. "Ich bin nicht sonderlich gut darin, Sprachen zu lernen, aber ich gebe mein Bestens." Servus und Danke kennt er schon. Zusammen mit seiner Ehefrau paukt er jetzt fleißig Vokabeln. "Wenn ich an einen neuen Ort komme, dann ist es ein Zeichen des Respekts, die Sprache zu lernen. Ich will mich hier integrieren und mit den Menschen reden können", sagt Murphy. Er klingt erstaunlich reif und reflektiert für einen 24-Jährigen.

Mehr Farbe, weniger los

Der ERSC hat ihm eine Wohnung besorgt, zentrumsnah, in sieben Gehminuten "bin ich in Downtown", wie er die Amberger Innenstadt nennt. Gleich nebenan ist das Landesgartenschau-Gelände, in dem die beiden gerne mit ihrem Hund unterwegs sind. Der musste unbedingt mit in die Oberpfalz. Vieles ist neu für ihn. Ungewohnt. Kopfsteinpflaster gibt es in den Vereinigten Staaten kaum. "Die Architektur ist auch völlig anders, die Häuser sind viel heller und bunter angestrichen, als ich es kenne." Und es ist weniger los. "Die Leute sind sehr gastfreundlich und entspannt. Nicht so wie bei uns, der Amerikaner ist doch manchmal etwas harsch."

Wer aber nun glaubt, Murphy sei ein Klischee-Amerikaner, ein Großstädter, der Trubel braucht und auf dessen Teller sich Burger stapeln, der sieht sich getäuscht. Ryan Murphy ist in Illinois geboren, verbrachte aber die meiste Zeit seiner Kindheit im Bundesstaat Minnesota, in einer 5000-Einwoher-Stadt namens Wayzata (Murphy-Slang: Wayzädda). "Eine Kleinstadt mit bis zu 50.000 Einwohnern ist perfekt für mich", sagt er. Amberg gefällt ihm daher richtig gut, gerade die Gemeinschaft der Amberger lobt er. "Sowas haben wir in Amerika eher nicht."

Was die Burger anbelangt: "Hätte ich die Wahl, für immer deutsches gegen amerikanisches Essen einzutauschen, ich würde es machen." Er war schon ein bisschen unterwegs in der Stadt, hat Bratwurst und Currywurst probiert – und schwärmt. "Das Essen hier wirkt einfach viel sauberer, ich mag es." Nur mit manchen Größenverhältnissen hadert er. Seinen Kühlschrank findet Murphy etwas zu klein geraten. Genauso wie Lebensmittelportionen im Supermarkt. In den USA ist eben doch vieles ein Stückchen größer. "Aber hier ist es besser als in Schweden, dort war ja alles winzig", sagt er und lacht.

Tor zum Debüt gegen Vilshofen

Ein gewaltiger Vorteil für ihn ist freilich, dass er im Team Englisch sprechen kann. Die Kommunikation auf sportlicher Ebene ist daher kein Problem. Darauf legt Chris Spanger, der Sportliche Leiter beim ERSC, auch großen Wert. Er war es, der Murphy, ebenso wie die Kanadier Shawn Campbell und Brett Mennear, heuer an die Vils lotste. "Die Jungs sollen schon merken, dass wir uns um sie kümmern", betont Spanger. "Falls etwas ist, dann hilft ihnen jemand." Über eine Spieleragentur kam im Sommer der Kontakt zu Murphy zustande. "Ich habe ihm ein paar Infos über Amberg zusammengefasst, wo das geografisch liegt, welche Vereine in der Nähe sind. Wichtig ist auch, wie familiär es bei uns in der Mannschaft zugeht." Das scheint Murphy überzeugt zu haben. Sportlich soll Amberg für ihn eine Art Sprungbrett sein. Ankommen, Leistung zeigen, sich für größere Vereine empfehlen. Sein Vertrag läuft deshalb – wie in solchen Fällen üblich – bis zum Saisonende.

Einen kleinen Vorgeschmack, was er dem Verein bieten kann, gab es im Test gegen den ESC Vilshofen. Gleich bei seinem Debüt versenkte der Neuzugang den Puck und trug entscheidend zum 4:2-Sieg bei. Kein Wunder: Spanger beschreibt seinen neuen Stürmer als "sehr ehrgeizig". Das erste Spiel in der Bayernliga steht am 3. Oktober beim TSV Peißenberg an. In der Kabine scheint Murphy jedenfalls gut aufgenommen worden zu sein, seine Mitspieler hätten ihm die ersten bayerischen Flüche beigebracht. Die will er aber "lieber nicht wiederholen".

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Amberg
Ein US-Boy auf der Amberger Krambrücke: Ryan Murphy fühlt sich hier wohl.
Seine Frau hat Ryan Murphy mitgebracht.
Hintergrund:

Das ist Ryan Murphy

  • Jahrgang 1997, geboren im US-Bundesstaat Illinois, aufgewachsen in Wayzata, Minnesota
  • Erste Partien auf dem Eis in Minnesota, später in Okanagan und Trail in Kanada
  • 2018-2020: Für die Fitchburg State University in Massachusetts aktiv (52 Spiele, 17 Tore, 25 Vorlagen)
  • 2020: Wechsel nach Schweden zu Fagersta AIK, danach zu Sollentuna HC (20 Spiele, 7 Tore, 5 Vorlagen)
  • Seit 1. September 2021: Ryan Murphy stürmt für den Bayernligisten ERSC Amberg

 

 

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