02.12.2020 - 17:36 Uhr
AmbergSport

Umfrage: Schulsport erlaubt, Vereinssport nicht. Was sagen Jugendtrainer dazu?

Oberpfalzmedien hat Trainer von TV Amberg-Sulzbach, JFG Obere Vils, HG Amberg, VC Amberg und ERSC Amberg befragt. Einige können die Beschränkungen nachvollziehen, andere kritisieren, dass manche Regeln nicht mehr nachvollziehbar sind.

Schulsport ist erlaubt, Vereinssport aber nicht. Jugendtrainer aus der Region sagen, was sie davon halten.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

„Als einziges Bewegungsfach in der Schule hat der Sportunterricht in der bayerischen Bildungspolitik einen hohen Stellenwert“ – so steht’s auf der Internetseite des Bayerischen Kultusministeriums. Der Sportunterricht solle neben der Freude an der Bewegung auch motivieren, lebenslang sinnvoll Sport zu treiben. In Zeiten der Coronapandemie bleibt momentan die Bewegung allein den Schulen vorbehalten, wenn man von Individualsport wie Laufen oder Radfahren absieht. Denn das weiter führende Ziel des Schulsports – dass Kinder darüber hinaus Sport treiben – ist aktuell nicht erreichbar, Vereinssport ist untersagt. Der Bayerische Landessportverband hat bereits Alarm geschlagen und davor gewarnt, dass längerfristig zahlreiche Jugendliche sich vom Sport abwenden und sich andere Betätigungsfelder suchen – wenn weiterhin Vereine kein Training während des Lockdowns anbieten dürfen. Oberpfalz-Medien hat eine Reihe von Vereins-Jugendtrainern der Region befragt, was sie von der Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung halten, dass auf der einen Seite Schulsport erlaubt ist, auf der anderen Seite Vereinssport verboten bleibt.

Stefan Franz (VC Amberg)

Stefan Franz

Der Volleyball-U14-Jugendtrainer des VC Amberg hat eine klare Meinung: „Es ist nicht nachvollziehbar, weil das Ansteckungsrisiko bei uns im Verein noch geringer ist, da wir im Schnitt nur zehn Kinder im Training haben. In der Schule sind schnell mal 20. Die Infektionsgefahr ist offensichtlich nicht das Entscheidende, sondern es ist politisch nicht mehr durchsetzbar, dass man die Schulen schließt. Was mir überhaupt nicht gefällt, ist die Sache mit den Sportarbeitsgemeinschaften zwischen Verein und Schulsport. Selbst diese SAGs sind nicht zulässig. Das verstehe ich nicht mehr. Wir arbeiten hier mit drei Amberger Gymnasien zusammen. Wenn es Ganztagsschulen wären, dann dürften wir. Weil die Amberger Gymnasien keine sind, dürfen wir nicht. Das versteht man irgendwo nicht mehr. Ich kann verstehen, dass man Kontakte vermeiden will. Wo und wie man das macht, ist eine rein politische Entscheidung. Daher kommt die Ungleichbehandlung, die durch das Pandemiegeschehen nicht begründet ist.“

Wolfgang Ringer (JFG Obere Vils)

Wolfgang Ringer

Wolfgang Ringer ist einer von drei Sportlichen Leitern der JFG Obere Vils und Fußballtrainer der D-Junioren. Er kann die Maßnahmen verstehen. „Man muss nicht alles ausreizen. Die Kinder gehen in die Schule, sind dort eh’ zusammen. Ein bisschen bewegen sollen sie sich auch. Das Problem ist eher, dass die Kinder beim Vereinstraining entweder zum Platz oder zur Halle gebracht werden müssen. Sie können ja nicht versetzt hingefahren werden, da wäre kein Training möglich. Es lässt sich dann nicht vermeiden, dass man sich trifft. Das macht die ganze Sache so schwer. Ein Beispiel: Familie Meier fährt her, Familie Huber fährt her. Was passiert? Man grüßt sich, man steigt vielleicht aus, ein kurzes Gespräch. Dann kommt die dritte Familie hinzu, und schon sind es zu viele Kontakte. Das ist das Problem dabei. Es ist eine sehr schwierige Situation. Man muss vernünftig sein, und seinen Teil dazu beitragen, um das Virus einzudämmen, damit es sich nicht weiter verbreiten kann. Das kann man mit oder ohne Vereinsbrille sehen.“ (ref)

Daniel Krieger (ERSC Amberg)

Daniel Krieger

Daniel Krieger ist Spieler des ERSC Amberg und auch Jugendtrainer des Vereins. Er spricht Klartext. „Ich finde es ehrlich gesagt auch Schwachsinn, dass die Profis, egal ob Fußball oder Eishockey, spielen dürfen, und wir nicht. Es widerspricht sich alles. Wir hatten ein super Hygienekonzept, das hat alles top funktioniert. Es durften ja keine Leute in die Eishalle, keine Eltern, keine Zuschauer. Es waren nur die Trainer und die Kinder unter sich. Bei mir in der Gruppe waren es höchstens 15 bis 20 Kinder in der Halle. Ich kann da überhaupt nicht einsehen, dass in der Schule Sport erlaubt ist und bei uns im Verein in der großen Halle nicht. Da wäre Training möglich, vor allem, weil sich alle an die Regeln gehalten haben.“

Wolfgang Schaller (HG Amberg)

Wolfgang Schaller

Wolfgang Schaller trainiert bei der HG Amberg die Handball-B-Mädchen. „Die Herausforderung, Kontakte zu reduzieren, ist da. Die Schulen schließen wäre eine der letzten Maßnahmen, das sollte man so spät wie möglich machen. Bei der Notwendigkeit, Kontakte zu reduzieren, gehört dazu, dass wir im Verein keinen Sport treiben. Schulsport spielt sich ja in der Schule ab. Da sitzen die Schüler sowieso etliche Stunden zusammen. Und ob sie nebeneinander im Unterricht sitzen oder zusammen Sport treiben, das macht keinen Unterschied. Wenn ich an die Mädchen denke, die ich trainiere, dann sehe ich, dass sie aus fünf verschiedenen Schulen kommen. Da käme es im Verein zu weiteren Kontakten, und das ist kritisch zu sehen. Man kann Sport in der Schule und Sport im Verein nicht eins zu eins vergleichen. Als Handballtrainer würde ich schon gerne trainieren, aber als verantwortungsvoller Bürger muss ich sagen, dass wir bei diesen Inzidenzwerten auf unseren Sport verzichten müssen. So hart es mir fällt.“

Michael Holtschulze (TV Amberg-Sulzbach)

Michael Holtschulze

Michael Holtschulze ist U12-Basketballtrainer des TV Amberg-Sulzbach. „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Ich bin der Meinung, dass den Kindern gerade der Vereinssport fehlt. Er ist ein wichtige Stütze für die soziale Bindung von Kindern, von Bewegung, von allem Körperlichen, was die Schule nicht leisten kann. Auf der anderen Seite kann ich das nachvollziehen, da in der Schule eine Klassengemeinschaft existiert. Die Kinder kommen aus unterschiedlichen Haushalten. Ich kann es nachvollziehen, so wie die Logik gerade ist mit der Nachverfolgung der Kontakte und daraus folgender möglicher Quarantäne. Aber wenn man in der Schule Sport macht, dann kann man das grundsätzlich im Verein auch. Da sehe ich nicht den so großen Unterschied. Mit Maske finde ich Sport aber wenig sinnvoll. Die Kinder verteilen sich ja in der Halle. Es ist nicht ganz sauber, dass Schulsport erlaubt ist und der Vereinssport nicht. Viele Kinder betätigen sich körperlich am liebsten in der Gemeinschaft – die wenigsten joggen gerne alleine.“

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