23.08.2021 - 14:28 Uhr
AmmerthalSport

DJK Ammerthal: "Schwerer ist es, vorne mit dabei zu bleiben"

Die DJK Ammerthal steht nach acht Spieltagen in der Fußball-Bayernliga Nord an der Spitze. Selbst für Trainer Michael Hutzler kommt das überraschend. Ein Interview – auch zum Thema "Neue Ziele".

Michael Hutzler (rechts) neben Co-Trainer Maximilian Reichenauer beim Derby gegen die DJK Gebenbach. Ammerthals Trainer will auch nach dem Sturm an die Spitze am Boden bleiben.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

ONETZ: Haben Sie damit gerechnet, dass Sie mit der DJK Ammerthal nach acht Spieltagen an der Spitze der Bayernliga Nord stehen?

Michael Hutzler: Nein, überhaupt nicht. Ich bin zwar sehr optimistisch und immer positiv gestimmt. Aber mit diesem Start hat in Ammerthal keiner gerechnet. Wir wussten, dass wir eine schwierige Saison haben. Der Kader ist komplett neu, ein neuer Trainer. Von daher wollten wir uns entwickeln und die jungen Spieler gut integrieren. Das war das Ziel.

ONETZ: Das Ziel haben Sie offensichtlich schon erreicht, wenn man auf die Tabelle schaut?

Michael Hutzler: (lacht). Die Platzierung ist mir egal. Ich bin keiner, der himmelhoch jauchzend herumspringt, nur weil wir aktuell Erster sind. Erster zu werden, das ist schwer. Aber noch schwerer ist es, vorne mit dabei zu bleiben. Das ist die Aufgabe, die wir jetzt haben. Das war nur ein kleines Strohfeuer, was wir bisher abgeliefert haben. Der Rest der Saison wird schwer genug.

ONETZ: Jetzt sind Sie mit Ihrer Mannschaft in der Position des Gejagten ...

Michael Hutzler: Ich glaube, jeder in Ammerthal kann die Situation richtig einschätzen. Wir wissen, was Vilzing hat, was Ansbach hat und auch der ATSV Erlangen. Und auch der FC Eintracht Bamberg. Alle haben eingespielte Mannschaften, die seit zwei, drei Jahren so zusammen spielen. Wir sind komplett neu aufgestellt. Das ist etwas ganz anderes. Da müssen wir uns erst behaupten und zeigen, dass wir auf Dauer liefern können. So wie die anderen es ständig liefern.

ONETZ: Beim großen Favoriten, der DJK Vilzing, haben Sie mit 4:0 gewonnen ...

Michael Hutzler: In Vilzing hatten wir Spielglück und sicherlich gute Phasen. Aber auch Phasen, wo das Spiel kippen und ganz anders ausgehen kann. Dann stehen wir nicht auf Position eins. Ich habe der Mannschaft nach dem Spiel gesagt: Wenn es 2:0 für Vilzing ausgeht, können wir nichts sagen. Die haben 85 Minuten ein überragendes Spiel gemacht. Sie haben über Jahre einen guten Job gemacht und stehen nicht umsonst vorne drin. Dass wir sie gepackt haben, haben wir uns verdient. Auch wenn es zu hoch war. Diese Partie können wir schon richtig einordnen.

ONETZ: Aber offensichtlich haben Sie Ihre Mannschaft gut im Griff und zu einer Einheit geformt?

Michael Hutzler: Es ist unser Ziel, dass wir eine Einheit bilden. So wie es aktuell aussieht, bin ich hoch zufrieden. Die Mannschaft ist wirklich klasse, wir harmonieren ausgezeichnet. Wir haben tolle Jungs dabei, auch von der Mentalität her. Ich habe ja keinen einzigen Spieler gekannt in Ammerthal, bis auf Mergim Bajrami.

ONETZ: Ihr Kollege von der DJK Gebenbach, Franz Koller, hat ein bisschen bedauert, dass er einen kleinen Kader hat, und die "Englischen Wochen" ihre Spuren hinterlassen haben...

Michael Hutzler: Ich denke, wir haben von der Kaderstärke her genauso viele Spieler wie Gebenbach. Wir haben 22 Spieler. Das haben die meisten Mannschaften. Wir haben natürlich Spieler, die schon weiter sind, wir haben aber auch Spieler, die sich noch entwickeln müssen. Wir haben eine gute Mischung aus älteren und jüngeren Spielern. Ich arbeite gerne mit jungen Spielern. Da sind wir dran.

ONETZ: Von der Qualität her ist die DJK Ammerthal gut aufgestellt?

Michael Hutzler: Ja, ich war vorher bei Eintracht Bamberg. Da hatten wir fast ausschließlich junge Spieler. Aber diese Mischung in Ammerthal hier, die hat was. Viel Erfahrung, wenn ich Mario Zitzmann sehe, viel Qualität, wenn ich Mergim Bajrami oder Raffael Kobrowski anschaue. Und sehr viele Einheimische, das finde ich echt gut, dass Ammerthal da drauf achtet. Diese Kaderzusammenstellung weiß ich wirklich zu schätzen im Nachhinein.

ONETZ: Man hört, dass in Ammerthal wieder mehr Zuschauer kommen, weil die Mannschaft attraktiven und erfolgreichen Fußball spielt?

Michael Hutzler: Ich bin gestern schon gefragt worden nach Weiden, Amberg und Gebenbach. Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Ich bin jungfräulich nach Ammerthal gekommen. Ich kannte den Verein nur aus den Spielen mit Forchheim und Bamberg. Ansonsten wusste ich überhaupt nichts, auch nichts über die Verhältnisse mit den Nachbarvereinen. Das ist auch gut so. Ich freue mich über jeden Zuschauer, der kommt. Die Stimmung ist gut. In Vilzing habe ich gesehen, dass einige Fans mitfahren. Das zeigt mir, dass die Zuschauer es honorieren, dass wir versuchen, das Maximale rauszuholen.

ONETZ: Wird jetzt das Ziel neu definiert?

Michael Hutzler: Ach, nein! Realistisch ist, einfach weiterzumachen. Der größte Fehler wäre, wenn wir uns neue Ziele stecken. Wir wollen uns entwickeln. Wir sind wie viele andere Mannschaften auch nach dieser langen Corona-Zeit immer noch in der Entwicklungsphase. Jetzt bin ich erstmal froh, dass die "Englischen Wochen" vorbei sind.

ONETZ: Wer wird Meister 2021/22?

Michael Hutzler: Die DJK Vilzing wird über die gesamte Saison gesehen ganz vorne dabei sein. Wir sind nicht so vermessen, dass wir uns auf Augenhöhe mit Vilzing sehen. Man darf nicht nur das Ergebnis unserer Spiele betrachten, sondern muss auch auf den Spielverlauf schauen wie im Derby mit der DJK Gebenbach. Auch die SpVgg Ansbach erwarte ich vorne. FC Eintracht Bamberg ist für mich spielerisch die stärkste Mannschaft. Beim ATSV Erlangen muss man abwarten, ob sie es schaffen, mit ihren Einzelspielern eine Mannschaft zu formen.

DJK Ammerthal stürmt an die Spitze

Ammerthal

 

 

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