09.10.2019 - 15:18 Uhr
FalkenbergSport

Werder-Boss Frank Baumann in Falkenberg: Der Club "mein Lieblingsclub"

Es ist eines der Gesichter in der Geschichte des 1. FC Nürnberg, Ehrenspielführer beim Bundesligisten Werder Bremen. Und er ist vor allem eines: Er ist er selbst geblieben. Frank Baumann hat in Falkenberg viel zu erzählen.

Natürlich gab es für Frank Baumann (links) auch Geschenke.
von Josef Maier Kontakt Profil

Damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Frank Baumann schaute ungläubig, ehe er herzhaft lachen musste. "Also, dass ich mal mit Michael A. Roth verglichen werde, hätte ich nicht gedacht." Der Geschäftsführer Sport von Werder Bremen entließ 2016 schon nach wenigen Wochen Trainer Viktor Skripnik. Wie viele Trainer der "Teppich-Monarch" und einstige Club-Boss aus Nürnberg gefeuert hat? Da muss man exakt nachzählen. "Ich glaube, in meinen viereinhalb Jahren hatte ich neun Trainer", blickte Baumann auf seine Zeit beim 1. FC Nürnberg zurück. Natürlich war der Vergleich scherzhaft gemeint: Baumann und Roth, mehr Unterschied geht nicht.

Üblackers Einladung

Frank Baumann war am Dienstagabend beim Sportforum auf der Burg Falkenberg, das von der Friedenfelser Brauerei mitinitiiert wird, zu Gast. Mit dem ehemaligen Kicker-Redakteur Harald Kaiser plauderte der 43-Jährige über seine Lehrjahre beim Club, seine großen Jahre bei Werder und seine heutige Karriere. Eingeladen hatte Baumann Albert Üblacker, der lange Betreuer beim 1. FC Nürnberg war und die ersten Profijahre des Kickers hautnah miterlebte.

An diesem Abend wurde den vielen Zuhörern wieder einmal bewusst, wer dieser Frank Baumann ist. In der heute so turbulenten, schrillen und manchmal völlig überzogenen Welt der Fußballprofis ist der Franke ein Gegenpol - in sich ruhend, bedächtig, aber eloquent, scharfsinnig und alles andere als langweilig. "Ich hoffe, es ist keiner eingeschlafen?", sagte er am Ende grinsend in die Runde. Ganz sicher nicht.

Frank Baumann im Kurzinterview

Falkenberg

Dieser irrwitzige Abstieg

Baumann hat viel zu erzählen, macht das humorvoll und auch selbstironisch. Er sei nie der beste Fußballer gewesen. "Allein schon mein Laufstil. Und der Schnellste war ich auch nicht." Aber dieser schlaksige Junge aus dem Würzburger Stadtteil Grombühl hatte diesen Willen, diese Gier, es zu schaffen. Er hatte aber auch ein gefestigtes Umfeld. So war die schulische Ausbildung genauso wichtig. Beim Club schaffte er über den Umweg zweite Mannschaft doch noch den Durchbruch zu einer großen Karrierre mit auch 28 Länderspielen. Einer Karriere, in der auch ein festes Datum verankert ist: der 29. Mai 1999, der Tag des wohl irrwitzigsten Abstiegs der vielen Club-Abstiege. Der FCN schien vor dem letzten Spieltag gesichert. Und dann lief alles gegen die Franken. Baumann hätte in der letzten Minute freistehend vorm Tor zum 2:2 gegen den SC Freiburg ausgleichen können. Der Klassenerhalt wäre perfekt gewesen. Baumann schob den Ball in die Arme des Gästetorwarts. "Ich würde das natürlich gerne rückgängig machen", sagte er in Falkenberg. "Wenn wir nicht abgestiegen wären, wäre ich geblieben." Der Mittelfeldspieler musste aber wechseln, um seine Karriere zu forcieren: "Ich stand damals kurz vor der A-Nationalmannschaft."

Den Club trägt er aber immer im Herzen. "Er ist mein Liebslingsclub", auch wenn er die großen Erfolge mit Werder Bremen feierte. 2004 Deutscher Meister. Dieses Mal war es ein wunderbarer letzter Spieltag. "Mit dem 3:1 in München waren wir Meister", erinnert er sich. Als Zugabe gab es noch den DFB-Pokal, den er mit den Hanseaten auch noch 2009 holte. Ein inoffizieller Titel" macht ihn auch stolz: "Ich war ein Jahr da und wurde schon zum Kapitän gewählt." Neun Jahre führte er die Truppe aufs Feld, in der so schillernde Spieler wie Ailton, Valérien Ismaël, Johan Micoud oder Ivan Klasnic standen.

Unterstützung von der Bank

Wenn man den Menschen Frank Baumann charakterisieren will, dann kann man auch die WM 2002 heranziehen. Damals, in Südkorea, kam der Defensivmann nur im Achtelfinale gegen Paraguay zum Einsatz.

War er da nicht unzufrieden? "Die anderen haben ihre Rolle gut gemacht", erzählt er rückblickend, "und dann muss man die anderen einfach unterstützen." Dieser Teamgeist, auch von der Bank, ließ die eher durchschnittliche deutsche Mannschaft Vizeweltmeister werden.

"Offen und ehrlich"

Diesen Teamgeist praktiziert er auch als Führungsperson bei Werder. Seit 2016 führt der Franke die Sportgeschäfte. Nach seinem Karriereende 2009 hatte er Lern- und Lehrjahre an der Weser. Nach einer Auszeit rückte er vor drei Jahren in die Top-Position. "Ich hoffe, ich muss keinen Trainer mehr entlassen", sagte er. Aber auch mit Skripnik oder dem später entlassenen Alexander Nouri sei alles geklärt. "Man muss da offen und ehrlich mit den Mitarbeitern umgehen." Wenn das einer kann, dann Baumann. 44 Jahre alt wird er in wenigen Tagen. "Bis 50 will ich das machen", sagt er. Dann folge sicher wieder eine Auszeit. Auch der Familie zuliebe, wie der zweifache Familienvater betont. Vielleicht kommt er dann auch wieder einmal nach Falkenberg. Frank Baumann hat viel zu erzählen.

In der nördlichen Oberpfalz gibt es natürlich auch Werder-Fans.
Ex-"Kicker"-Redakteur Harald Kaiser (rechts) moderierte die Veranstaltung mit Frank Baumann (links).
Die Veranstalter des Sportforums auf der Burg Falkenberg mit den Gästen: (hinten von links) Thomas Schultes, Geschätsführer der Brauerei Friedenfels, der Falkenberger Bürgermeister Herbert Bauer, Frank Baumann, Moderator und ehemaliger "Kicker"-Redakteur Harald Kaiser und der ehemalige Club-Betreuer Albert Üblacker, der immer noch beste Kontakte zu Frank Baumann pflegt. Vorne von links Burgmanagerin Teresa Fischer und Sabrina Bittner (Marketing Friedenfelser Brauerei).
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.