10.02.2020 - 21:10 Uhr
MünchenSport

FC Bayern mit Licht und Schatten

Die Bayern hatten gegen Leipzig Vorteile vor der Pause, im zweiten Abschnitt waren die "Roten Bullen" näher am Dreier. Nach dem torlosen Remis bleibt der Titelkampf in der Fußball-Bundesliga spannend wie lange nicht mehr.

Wer wird Deutscher Meister? Bayern-Kapitän Manuel Neuer (rechts) und Timo Werner sind sich nicht nur bei dieser Frage uneins.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Das torlose Remis zwischen Bundesliga-Spitzenreiter FC Bayern München und dem ärgsten Verfolger RB Leipzig war kein Spiel für Freunde des torreichen Fußball-Spektakels. Da bot das andere Spitzenduell des Spieltags, als Bayer Leverkusen am Samstagabend Borussia Dortmund mit 4:3 düpierte, mehr Unterhaltung. Dafür war die Partie am stürmischen Sonntag in der Allianz-Arena ein Genuss für Taktiknerds. Die beiden derzeit besten deutschen Mannschaften brachten all ihre Stärken auf den Platz, offenbarten aber eben auch ihre unverkennbaren Schwächen. Die Folge waren zwei grundverschiedene Halbzeiten, an deren Ende ein leistungsgerechtes 0:0 stand. Eine Analyse des Münchener Auftritts.

Das hat der FC Bayern gut gemacht

Vor allem in den ersten 25 Minuten dominierten die Münchener fast nach Belieben. Sicheres Pass- und Kombinationsspiel - oftmals ausgehend vom formstarken Thiago - schnürten die Leipziger in deren Hälfte ein. Bei Ballverlust koordinierte Joshua "Greta" Kimmich das umgehende Gegenpressing, an dessen Ende zu nahezu 100 Prozent der erneute, schnelle Ballgewinn stand. Vor allem über die linke Seite gelangte der pfeilschnelle Alphonso Davies immer wieder in den Rücken der Leipziger Defensive und initiierte so gefährliche Szenen. Der kanadische Shootingstar euphorisierte damit das Publikum und stellte seinen offensiven Vordermann Serge Gnabry in den Schatten.

Ein Kommentar zum Bundesliga-Spitzenspiel Bayern München - RB Leipzig

München

"Unsere Formkurve ist exzellent, wir haben die Tabellenführung schneller zurückerobert, als es viele Fans vielleicht erhofft hätten", lobte auch Thomas Müller den Auftritt der Bayern. Als die Leipziger vogelwild stürmend aus der Kabine kamen, fingen sich die Bayern nach etwa 15 schwachen Minuten wieder, indem sie den Fuß vom Gas nahmen, den Ball in den eigenen Reihen hielten und dem Spiel so jegliches Tempo nahmen. Die Zuschauer erlebten so zwar kein Spektakel und auch keine Tore mehr, aus Münchener Sicht war es jedoch ein kluger Schachzug, denn ein offener Schlagabtausch hätte den pfeilschnellen RB-Angreifern Timo Werner oder Christopher Nkunku noch mehr in die Karten gespielt.

Da hat der FC Bayern noch Luft nach oben

In der Sturm- und Drangphase der ersten Hälfte in den ersten 45 Minuten haben es die Bayern versäumt, sich für ihren Aufwand zu belohnen. Der finale Pass kam oft zu ungenau in Richtung Robert Lewandowski oder eines potenziellen Abnehmers oder dem Abschluss fehlte die letzte Präzision. Wie bei Lewandowskis (40.) oder Leon Goretzkas (80.) Großchancen, die RB-Keeper Peter Gulasci parierte. Wobei die Leipziger auch eine starke Defensivleistung boten, allen voran der französische Koloss Dayot Upamecano war stets zur Stelle, bevor es brenzlig werden konnte, und gewann jeden Zweikampf gegen Lewandowski, der folglich so gut wie nie in Erscheinung trat.

Und wie schon beim Sieg in Mainz und beim Pokalerfolg gegen Hoffenheim bringen die Bayern derzeit keine zwei konstant starken Halbzeiten auf den Rasen. Gegen Leipzig lief das zuvor angeführte Argument, sich auf einer sicheren Führung ausgeruht zu haben, ins Leere. "Es kann nicht immer alles über die volle Zeit perfekt laufen", warb Kapitän Manuel Neuer um Verständnis. Dass Jérôme Boateng in der internationalen und nationalen Spitze Geschwindigkeitsdefizite aufweist, ist längst kein Geheimnis mehr. Wie er allerdings zu Beginn des zweiten Abschnitts von Werner und Nkunku gleich mehrfach stehengelassen wurde, erstaunte dennoch. Bayern-Trainer Hansi Flick reagierte umgehend und ersetzte den ehemaligen deutschen Nationalspieler durch den wiedergenesenen Lucas Hernandez.

Fazit

Der FC Bayern ist wieder auf dem Weg zu alter Stärke, doch dieser Weg ist noch weit. Trainer Flick muss seiner Truppe dringend einen Plan B zum Vollgas-Pressing-Fußball an die Hand geben. Internationale Spitzenteams wechseln während eines Spiels mehrfach das Tempo. Die Bayern aber schafften es nicht, nach druckvollem Beginn und der "Bremse" inmitten der Leipziger Power-Phase, die Intensität wieder zu erhöhen. "Wir konnten nicht mehr über unseren Schatten springen. Ab der 70. Minute wollte keine der beiden Mannschaften mehr ins Risiko gehen", sprach auch Thomas Müller dieses Dilemma an. Die Münchener sind nach wie vor in der Pole Position um den Titel, doch RB ist ein ernstzunehmender Kontrahent. Das haben sie am Sonntag eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

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