29.08.2021 - 16:25 Uhr
MünchenSport

FC Bayern unter Nagelsmann: Frühform mit Luft nach oben

Gegen Hertha BSC wird in der mit 25000 Zuschauern besetzten Allianz-Arena ein Klassenunterschied deutlich. Daher taugt der 5:0-Erfolg auch noch nicht als wirklicher Maßstab für die Leistungsfähigkeit der neuen Nagelsmann-Bayern.

Robert Lewandowski ist schon wieder in bestechender Verfassung: Gegen Hertha BSC traf der Torjäger des FC Bayern drei Mal ins Schwarze.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Grimmiger Gesichtsausdruck, wild gestikulierend und im ständigen Erklär- und Beschwerdemodus gegenüber der Ersatzbank: Die größte Herausforderung für die Spieler des FC Bayern scheint derzeit darin zu bestehen, ihren neuen Trainer Julian Nagelsmann zufrieden zu stellen. Auch beim locker-flockig herausgespielten 5:0-Kantersieg gegen eine erschreckend schwache Berliner Hertha tanzte Nagelsmann während der einseitigen 90 Minuten wie ein Rumpelstilzchen die Seitenlinie entlang. Obwohl er nach der Partie einräumte, dies sei "das bislang beste Spiel" unter seiner Regie gewesen, wusste auch der Neu-Trainer, dass dieses bessere Trainingsspiel kaum als Maßstab für die wahre Leistungsstärke seiner Truppe herhalten kann.

Ein schon wieder erstaunlich treffsicherer Robert Lewandowski mit einem Dreierpack und ein erfrischend frech aufspielender Jamal Musiala als herausragende Akteure genügten, um die Berliner klar zu demontieren. „Ich habe ihn in der Halbzeit bereits gelobt und gefragt, ob er noch nicht fit ist oder er bereits das nächste Level erreicht hat. Er lässt jetzt Bälle im Strafraum für einen besser postierten Mitspieler durch, dafür kriegt man ja auf dem Papier überhaupt nichts. Wir haben uns darauf geeinigt, dass er auf dem nächsten Level ist", lobte Thomas Müller, Torschütze zum 1:0, den mittlerweile auch einmal selbstlos agierenden Torjäger Lewandowski. Nagelsmann würdigte zudem den Auftritt Musialas, der diesmal den Vorzug gegenüber dem im letzten Heimspiel ausgepfiffenen Leroy Sané erhalten hatte. „Er hat offensiv unglaubliche Qualitäten. Vor allem sein Dribbling als Mittelstürmer macht ihn unheimlich gut, da hat er noch die typische Bolzplatz-Mentalität. Es ist fast die größte Aufgabe von mir als Trainer, ihm die nicht zu rauben."

Nagelsmann wirbt um Geduld

Neben all der individuellen Klasse der Bayern, blieb aber auch nicht verborgen, dass das Münchener Spiel mitunter noch sehr wild und hektisch daherkommt. Zum klar orchestrierten Power-Pressing zu Hansi Flicks Zeiten fehlt noch ein Hauch Ruhe, Abgeklärtheit und Passsicherheit. Aber wenn man bedenkt, dass der Münchener Kader nach dem verspäteten Trainingsbeginn erst allmählich auf Touren kommt und nach drei Spielen sieben Punkte auf dem Konto stehen, scheint die Qualität zumindest in der Bundesliga auch in dieser Spielzeit wieder ihresgleichen zu suchen.

„Seit dem Champions-League-Sieg sind sieben Spieler gegangen, es wurden allerdings auch neue Spieler geholt. Diese müssen sich teilweise noch entwickeln, sie sind keine fertigen Spieler", warb auch Nagelsmann noch um Geduld. Und wenn seine Bayern dann noch besser, noch abgestimmter und noch genauer in ihrem Spiel werden, kann auch der Cheftrainer sein Temperament an der Linie etwas runterschrauben.

Sabitzer-Transfer vor dem Abschluss

Derweil geht die "Redbullisierung" des FC Bayern scheinbar weiter. Wie die "Bild" während des Hertha-Schützenfests vermeldete, ist der Transfer von Leipzigs Kapitän Marcel Sabitzer nach München fix. "Wir haben uns schon mit dem Spieler beschäftigt, ja. Das könnte ein Thema werden", hatte Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic vor der Partie vielsagend bei "Sky" erklärt. Nach Trainer Julian Nagelsmann und Verteidiger Dayot Upamecano wäre der österreichische Nationalspieler Sabitzer bereits der dritte RB-Transfer des FC Bayern in dieser Spielzeit. Als mögliche Ablösesumme spekuliert das Boulevard-Blatt über eine Größenordnung zwischen 16 und 18 Millionen Euro. „Dass er ein sehr guter Spieler ist, ist bekannt. Zu den anderen Themen weiß ich nichts – ich bin noch nicht im Aufsichtsrat. In Transferentscheidungen bin ich nicht eingebunden", merkte Thomas Müller nach der Partie mit einem Augenzwinkern an.

Der Spielbericht vom Sieg des FC Bayern gegen Hertha BSC aus der Allianz-Arena

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Jamal Musiala (rechts) schlenzt den Ball zum 3:0 ins lange Eck. Berlins Niklas Stark bleibt nur die Zuschauerrolle.

"Vor allem sein Dribbling als Mittelstürmer macht ihn unheimlich gut, da hat er noch die typische Bolzplatz-Mentalität. Es ist fast die größte Aufgabe von mir als Trainer, ihm die nicht zu rauben."

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann über Jamal Musiala

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