28.12.2020 - 17:20 Uhr
GebenbachSport

Jonas Lindner: Mit Fußball-Stipendium in die USA

"Gerade jetzt, wo durch Corona alles so eintönig ist, tut Abwechslung gut", sagt Fußballer Jonas Lindner von der DJK Gebenbach und ist bereit für den Wechsel. Ein "komisches Gefühl" hat er dabei aber schon.

Jonas Lindner am Laptop auf der Seite der Monmouth University.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

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Gebenbach

Die Vorfreude ist groß, die Zeichen stehen gut für einen Flug in die USA - trotz Corona. Denn für Jonas Lindner gilt eine Sonderregelung: "Ich bin Student, und ich habe schon mein Visum." Der 22-Jährige aus Auerbach wird nach New Jersey reisen, in eine kleine Stadt am Atlantik, südlich von New York. Mit einem Fußball-Stipendium in der Tasche für die Monmouth University in West Long Branch. Der Flug ist noch nicht gebucht, weil der Bayernliga-Spieler der DJK Gebenbach noch abwarten möchte, ob sich aktuell noch Änderungen ergeben. "Ich weiß nur, dass am 25. Januar die Vorlesungen beginnen", erklärt Lindner.

Seit September studiert Jonas Lindner bereits an der Monmouth University in New Jersey - aber nur virtuell. Real sitzt er in seinem Zimmer in Auerbach vor dem Computer. "Es ist geplant, dass ich im Januar ab dem 20. rüber fliege."

Jonas Lindner.

Von einem Scout beobachtet

Wie kommt man als Bayernliga-Fußballer zu solch einem Stipendium? Eine Agentur hatte vor rund vier Jahren einen Scout nach Bayreuth geschickt, der Fußball-Talente beobachtete. Jonas Lindner spielte damals bei den Junioren der SpVgg Bayreuth, zu denen er von seinem Stammverein SV 08 Auerbach gewechselt war. Prompt bekam er ein Angebot. Aber: "Da war ich erst 18 Jahre alt und noch nicht so weit. Da konnte ich mir das noch nicht vorstellen."

Jetzt, vier Jahre später, passt es für Jonas Lindner. "Als ich meinen Bachelor-Abschluss hatte, ist die Agentur noch einmal auf mich zugekommen. Tja, so hat es begonnen." Eigentlich, so Lindner, werden potenzielle Kandidaten aus dem Abiturientenkreis gesucht, die auf einem gewissen Niveau Fußball spielen. "Die Zielgruppe sind Spieler, die den Sprung in eine Profimannschaft schaffen können."

Die Agentur, von der er angesprochen wurde, hat ihren Sitz in München und in Florida. Sie vermittelt Spieler an diverse Universitäten in den USA und in Kanada. Ein Geschäft, das für beide Seiten Vorteile mit sich bringt. Die jungen Fußballer sind mit 18 Jahren oder eben ein bisschen älter bereits ausgebildet. "Man kann dort unter Profibedingungen trainieren, die Uni ist auf Fußball, auf Soccer, abgestimmt. Das ist eine lukrative Sache auch für die Zukunft", erklärt Lindner. Das College profitiert davon, dass viele Zuschauer - in der Regel mehrere Tausend - zu den Spielen kommen, denn in den USA gibt es kein System mit Ligen wie in Europa. Vom College direkt in die Profi-Liga - so läuft's in Amerika. "Deswegen hat College-Fußball einen hohen Stellenwert und deswegen bekommen die Unis auch Gelder vom Verband und durch die Zuschauereinnahmen. So ist mir das erzählt worden", berichtet Jonas Lindner. "Wir spielen in der Division 1, das ist die höchste College-Division."

In einer Stunde in New York

Das erste Semester war komplett online, ab dem 25. Januar geht's richtig los - vor Ort in West Long Branch im Bundesstaat New Jersey. Ein kleiner Ort südlich von New York, mit rund 7000 Einwohnern. 1933 wurde dort das Monmouth Junior College gegründet, 1956 stieg es zum Monmouth College auf und 1995 zur University. "Wenn man Sehnsucht hat nach einer Großstadt, kann man in einer Stunde am Times Square in New York sein. Die Lage in West Long Branch ist richtig top. Wir haben dort ein Apartment direkt am Strand", sagt Lindner.

Wir, das ist er und Robin Oswald von der SpVgg Landshut, der zweite Deutsche, der ein Stipendium an der Monmouth University bekommen hat. Persönlich kennt er Oswald noch nicht, nur per Telefon. "Er war eigentlich der Auslöser, warum ich mich für diese Uni entschieden habe. Wir haben uns auf Anhieb gleich gut verstanden. Er war schon ein Jahr drüben, das ist jetzt sein zweites Jahr." Oswald habe sich Zeit genommen, und ihm, Linder, alles erklärt. "Er hat mir per Facetime die Räumlichkeiten gezeigt."

Fach "Kommunikation"

Gemeinsames Frühstück aller Studenten, Vorlesung, Mittagessen, erste Trainingseinheit, Zeit zum Nacharbeiten, zweite Einheit oder Fitnessraum - so wird der Tagesablauf aussehen. "Ich studiere Kommunikation, so heißt das Fach. Im ersten Semester hatte ich als Kurse Public Relations, also Öffentlichkeitsarbeit, und Organisation." Ein dritter Kurs, den Jonas Lindner belegte, war "Culture Community and Communication", sprich Kultur und Kommunikation. "Das hat viel mit aktuellen Problemen zu tun, wie Rassismus und Polizeigewalt. Sehr interessant", sagt Linder. Das Online-Studium an seiner Universität verlief deutlich anders als in Deutschland. Viel mehr interaktives Mitarbeiten war gefragt, zahlreiche Aufgaben ständig zu lösen - "man muss durchgehend im Semester mitlernen, mitarbeiten, mitlesen. Da kommt man eigentlich nie richtig raus. In Deutschland gab's Vorlesungen und am Ende eine Klausur."

"Ein Kurs war mal von Mitternacht bis 3 Uhr. Es sind ja sechs Stunden Zeitverschiebung. Aber man ist mir sehr entgegengekommen, ich musste nicht alle Vorlesungen in Echtzeit mitmachen", erläutert Lindner. Die Vorlesungen wurden aufgenommen, und er konnte sie am nächsten Tag in Ruhe anschauen.

Kosten: 50 000 Dollar

Das Stipendium für Jonas Lindner ist auf ein Jahr begrenzt, da er in Deutschland bereits vier Jahre studiert hat. Die Kosten des Studiums werden von der Uni übernommen: "Das ist schon eine enorme Summe. So um die 50 000 Dollar, was ein akademisches Jahr mit den ganzen Gebühren kostet. Die sind in den USA relativ hoch", erklärt Lindner. Den Flug muss er selbst bezahlen - und noch buchen kurz vor dem 25. Januar 2021. Der DJK Gebenbach wird er für den Rest der Bayernliga-Saison fehlen, denn "es wir schwierig werden, für beide zu spielen. Für die DJK und die Uni", sagt Jonas Lindner und lacht.

Hintergrund:

Zur Person: Jonas Lindner

  • Geboren am 24.6.1998 in Eschenbach im Landkreis Neustadt an der Waldnaab
  • Fußball bis B-Junioren beim SV 08 Auerbach
  • Ab B-Junioren bei SpVgg Bayreuth, U19-Landesliga, zwei Einsätze bei den Herren in der Regionalliga
  • 2017/18 Wechsel zur DJK Gebenbach in die Bayernliga
  • Abitur am Gymnasium Eschenbach
  • BWL-Studium mit Bachelor-Abschluss in Bayreuth
  • Seit September 2020 Fußball-Stipendium der Monmouth University in New Jersey
  • Seine Mannschaft: Monmouth Hawks (Name der Uni-Teams aller Sportarten); 5. Februar 2021 Trainingsbeginn)
  • Seine Position: Defensives Mittelfeld, Abwehr

 

 

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