17.11.2021 - 14:49 Uhr
Groschlattengrün bei PechbrunnSport

Mikka mit 100 Sachen Richtung Bahrain

Quietschende Reifen, mit 100 Sachen in die Kurve und für den Saisonsieg eine Sektdusche. Kartfahren ist die große Leidenschaft von Mikka Trapp aus Groschlattengrün. Hinter den „Grand Finals“ in Bahrain steht aber ein dickes Fragezeichen.

Zur gewonnenen Meisterschaft gab es, wie im Profimotorsport, für den Sieger eine Sektdusche.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Der schwarze Overall mit eigenem Logo raschelt, als Mikka Trapp zunächst mit dem linken, dann mit dem rechten Bein hineinsteigt. Auf dem roten T-Shirt ist das Logo seines Rennstalls zu sehen – aber nur kurz. Dann wirft er sich den schwarzen Rippenschutz über. „Der ist neu und aus Carbon – Vorschrift für die nächsthöhere Klasse“, sagt der Elfjährige stolz. Und schon liegt er in der Luft: Der typische Geruch nach Motorsport. Eine Mischung aus Abgasen und abgefahrenem Gummi. Für Mikka der Geruch seiner größten Leidenschaft: dem Kartfahren.

Diesem Hobby geht der Elfjährige aus Groschlattengrün bei Pechbrunn bereits seit seinem vierten Lebensjahr nach. Woher diese Leidenschaft kommt? „Im Urlaub in Italien bin ich mit einem Elektroauto, ähnlich einem Autoscooter, gefahren“, sagt er. „Wieder zurück hat Mikka keine Ruhe gegeben und uns ständig gefragt, wann er wieder mit so einem Auto fahren kann“, blickt Mama Melanie zurück. Papa Niklas sieht sich nach einem Verein um – und wird fündig. Beim MSC Wiesau drehte Mikka seine ersten Runden, zeigte dort sehr schnell, was in ihm steckt.

Ablauf wie im Profi-Motorsport

Beim Kartfahren gibt es zwei verschiedene Disziplinen: Kartslalom und die Rundstrecke. Im Slalom wird Mikka 2016 und 2017 in der Klasse K0 (6 Jahre) Landkreismeister. In der Altersklasse 1 (7 bis 9 Jahre) gelingt ihm 2018 der Gesamtsieg beim Regionalpokal Oberfranken, der dritte Platz bei den nordbayerischen Meisterschaften und der sechste Rang bei den bayerischen Meisterschaften. Doch das war ihm noch nicht genug: Mehr Speed sollte es sein.

10 PS und 100 km/h

Der nächste Schritt in der Karriere: Die Rotax-Max-Clubsportserie. Ein Rundstreckenrennen in ganz Deutschland. In der Klasse Micro Max fuhr der damals Achtjährige 2019 auf Gesamtplatz 9. 10 PS darf der Motor in dieser Kategorie haben, bis zu 100 Kilometer pro Stunde sind möglich. Eine sehr hohe Geschwindigkeit für ein Kind. Etwas besorgt ist Melanie Trapp immer noch, betont aber auch, dass „die Kinder genau wissen, wann sie bremsen oder Gas geben müssen“. Der Ablauf der Rennwochenenden ist dem im Profi-Motorsport sehr ähnlich.

Zunächst gibt es ein „Warmup“, das mindestens fünf Minuten dauert. Dem folgt ein „Zeittraining“ von rund sieben Minuten. Im „Prefinale“ geht es dann um die wichtigen Punkte, aus denen sich die Platzierungen für die Wertungsläufe ergeben. Hier fahren die Teilnehmer zwischen 10 bis 12 Runden. Eine Runde entspricht etwa einem Kilometer. Im den beiden Finalrennen kommen 13 bis 15 Runden je Lauf oben drauf. „Das erste Rennen in Wackersdorf war für mich sehr spannend“, blickt der Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums zurück.

Siegerehrung mit Kindersekt

Aufgeregt ist er inzwischen nur noch vor den Wertungsläufen. „Sobald ich ins Kart steige, weiß ich, was ich machen muss und bin konzentriert.“ Große Einschränkungen gab es in dieser Saison aufgrund Corona nicht, dafür aber einen großen Erfolg für Mikka. Er wird bereits am vorletzten Wettkampftag Deutscher Meister, darf sich nun „Rotax Max Champion“ nennen. An die Siegerehrung mit anschließender Kindersektdusche denkt der Elfjährige gerne zurück. Besondere Freude löst aber der Preis aus: Die Teilnahme an den „Grand Finals“ im Dezember in Bahrain. 380 Starter aus 60 verschiedenen Ländern nehmen über alle Altersklassen hinweg teil. Ob Mikka dabei ist, ist aber noch unsicher.

„Wir würden ihm das sehr gerne ermöglichen“, sagt Niklas Trapp. Allerdings ist Mikka nicht gegen Corona geimpft, was wahrscheinlich aufgrund der weltweit steigenden Infektionszahlen mit einer Quarantäne verbunden wäre. Somit müsste Mikka sich über drei Wochen von der Schule freistellen lassen.

Sponsoren für "Euro-Trophy"

Aber auch, wenn es mit dem Rennen in der Wüste nichts werden sollte, hat der Elfjährige schon Ziele für die neue Saison. Dann startet er in der nächsthöheren „Junior-Klasse“ – womöglich wieder als jüngster Teilnehmer. Mit einem 25 PS-starken und 125 Kilometer pro Stunde schnellen Motor geht es dann in die Kurven. „Mein persönliches Ziel ist am Saisonende eine Top-10-Platzierung“, sagt Mikka.

Soweit es die Pandemie zulässt, wollen ihm seine Eltern auch den Start an internationalen Rennläufen wie der „Euro-Trophy“ ermöglichen. Um das zu verwirklichen, ist Mikka allerdings auf weitere Sponsoren angewiesen. Als der Elfjährige seinen Rennanzug wieder im Schrank verstaut, ist es bereits dunkel geworden. „Hoffentlich dauert es noch lange, bis es schneit, denn dann kann ich noch lange trainieren und muss nicht in die Winterpause“, sagt Mikka und lacht.

In Oberviechtach wird der Verein "Offroad Freunde Oberpfalz" gegründet

Oberviechtach

Michael Schumacher auf der Kartbahn in Wackersdorf

Wackersdorf
Zur Person:

Mikka Trapp

  • Geboren am 18.02.2010
  • Lebt mit seiner Mama Melanie, Papa Niklas und Schwester Nila in Groschlattengrün
  • Heimstrecke: Wackersdorf
  • Hobbys: Karting und Fußball
  • Ziel: Formel 1

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.