21.11.2021 - 21:44 Uhr
MünchenSport

Kommentar: Joshua Kimmich und Co. gefährden die Ziele des Vereins

Mit Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Jamal Musiala, Eric Maxim Choupo-Moting und Michael Cuisance muss der FC Bayern derzeit auf fünf Quarantäne-Profis verzichten. Dem Verein bleiben fast nur zwei Optionen, kommentiert Redakteur Fabian Leeb.

Joshua Kimmich ist bereits zum zweiten Mal in kurzer Zeit in Quarantäne und fehlt dadurch dem FC Bayern München.
von Fabian Leeb Kontakt Profil
Kommentar

Wenn Politiker wie NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und sein bayerischer Kollege Markus Söder jetzt lautstark nach einer Impfpflicht für Profisportler im Allgemeinen und -fußballer im Besonderen schreien, klingt das doch sehr nach einem Akt aus dem Populismus-Lehrbuch. Der Sinn solcher Statements erschließt sich weder auf den ersten, noch auf den zweiten und auch nicht auf den dritten Blick. Profisportler, egal welcher Art, sind bislang eher nicht als Pandemietreiber aufgefallen. Auch zählen junge, austrainierte, medizinisch rundum versorgte und mehrmals wöchentlich auf eine Corona-Infektion getestete Athleten eher nicht zu irgendeiner Risikogruppe. Und als Fußballer, Tennisspieler, Rennfahrer oder Skispringer gehört der Umgang mit, aus medizinischer Sicht, Risikopatienten jetzt auch eher weniger zum Tagesgeschäft. Daher dürfte die Motivation der Herren Söder und Wüst eher darin liegen, vom eigenen, katastrophalen Versagen in der Bekämpfung der Pandemie abzulenken.

Anders gestaltet sich die Situation aus Sicht der Arbeitgeber, sprich der Vereine. Am Beispiel etwa des FC Bayern München können ungeimpfte Spieler wie die Promi-Fälle Joshua Kimmich, Serge Gnabry oder Jamal Musiala durchaus die Ziele eines Clubs in Gefahr bringen. Gegen den FC Augsburg in der Liga oder Dynamo Kiew am Dienstag in der Champions-League mögen die Ausfälle der mittlerweile fünf Quarantäne-Spieler noch irgendwie kompensierbar sein. Hinzu kommen die beiden Coronafälle Niklas Süle und Josip Stanisic. Die Niederlage der Münchener in Augsburg hatte rein gar nichts mit dem Fehlen Kimmichs zu tun. Doch ersetzt man den FC Augsburg in der Bundesliga etwa durch Borussia Dortmund oder Dynamo Kiew in der Königsklasse im Frühjahr durch Manchester City, dann kann ein Fehlen eines ungeimpften Quintetts mitunter fatale Folgen haben und zum Verfehlen der Saisonziele führen.

Die nun verhängte "Gehaltsstrafe" gegen die Münchener Spieler mag ein erster, kleiner Schritt auf dem Weg zu einem Umdenken bei den Impfskeptikern sein, doch richtig schmerzhaft ist sie nicht. So surreal das klingen mag, aber ein paar Hunderttausend Euro – zumindest im Fall Kimmich – mehr oder weniger auf dem Konto ficht einen Profifußballer des FC Bayern nicht. Einen Ehrgeizling wie Kimmich trifft das Nicht-spielen-dürfen schon mehr, er wird schon während des Augsburg-Spiels vor Wut daheim ins Couchkissen gebissen haben.

Und nun steht am Samstag in zwei Wochen der Ligagipfel bei Borussia Dortmund auf dem Spielplan. Kimmich wird bis dahin wieder spielberechtigt, sprich aus der Quarantäne entlassen sein, doch fehlt es ihm seit Wochen an Trainings- und Spielpraxis. Auch seine aktuell fehlenden Teamkollegen wechseln derzeit munter zwischen Quarantäne und Fußballplatz hin und her. Ein Verein wie der FC Bayern kann es sich auf Dauer nicht erlauben, immer wieder Spieler, die in Quarantäne müssen, zu ersetzen. Daher ist eine Impfpflicht aus Vereinssicht vermutlich die einzige Option, um keinen sportlichen und wirtschaftlichen Schaden zu nehmen. Oder der Verein muss sich von impfunwilligen Spielern trennen, so sportlich schmerzhaft dies im Fall wie bei Joshua Kimmich, Serge Gnabry oder Jamal Musiala auch sein mag.

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Kommentare

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Martin Pfeifer

Wenn es richtig dumm läuft, erzeugen diese fünf ungeimpften Spieler für den FC Bayern München ein Jahr ohne jeglichen Titel. Aus dem DFB-Pokal sind sie schon rausgeflogen, Borussia Dortmund ist nur einen Punkt hinter den Bayern und dann noch ein mögliches Aus in der Champions League. Da ist nicht-Lohnfortzahlung im Quarantänefall dann wohl nicht der einzige Batzen Geld - für uns Normalverdiener wohl mehr als ein Jahresverdienst - dann nicht das einzige, was auf dem Konto fehlt.

Es war sicher nicht gewollt, aber kann man die Wirkungen von "Nicht-geimpft-sein" noch besser demonstrieren?

22.11.2021