14.10.2021 - 14:50 Uhr
MünchenSport

Michael Köllner über die Startprobleme von 1860 und den Bank-Platz von Sascha Mölders

In der vergangenen Saison wurde 1860 München gefeiert, verpasste nur knapp den Aufstieg. In dieser Spielzeit hakt es noch. Trainer Michael Köllner probiert vieles, stellt auch mal Grundsätzliches beim Drittligisten infrage.

Derzeit passt alles nicht so recht. Michael Köllner (Zweiter von links) gibt auf dem Trainingsplatz Anweisungen.
von Josef Maier Kontakt Profil

Schummriges Flutlicht, tiefer Platz, typisches Herbstwetter, und dann auch noch diese nervigen Regionalligisten, die einfach nicht locker lassen. Und überhaupt die letzten Wochen, in denen es nicht so gut lief. Im Schuss von Dennis Dressel steckte wohl auch jede Menge Frust. Aus 18 Metern nagelte der Mittelfeldspieler am vergangenen Freitag den Ball ins Tor. Das 3:2 für die "Löwen" in letzter Minute im Totopokal-Viertelfinale beim TSV Buchbach.

Man mag sich nicht ausdenken, wenn das für die Sechziger 60 Kilometer östlich von München schiefgegangen wäre. Beim Traditionsclub von Giesings Höhen herrschte zwar lange Ruhe, aber trotzdem ist dort das Umfeld traditionell aufgeregter als anderswo. "Dieser Erfolg hat uns natürlich gutgetan", sagt Michael Köllner und verweist darauf, dass mit den Ligakonkurrenten Türkgücü München oder dem 1. FC Kaiserslautern Drittligisten gegen unterklassige Teams ausgeschieden seien. "Man sieht, auch im Pokal muss man sich als Drittligist maximal strecken."

Auf Platz 13 mit 13 Punkten

Die Sechziger recken und strecken sich auch in dieser Saison, so richtig zufrieden sind sie aber alle nicht. "Klar", sagt Köllner im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien, "wir hätten uns sicherlich einen anderen Start gewünscht." Die Mannschaft des Trainers aus Fuchsmühl (Kreis Tirschenreuth) liegt in der dritten Liga mit 13 Punkten auf Rang 13. Ist jetzt der Pokalerfolg im oberbayerischen Hinterland, ist Dressels Hammer der Befreiungsschlag gewesen? "Das wird sich zeigen", lässt Köllner die Frage offen. Doch der Oberpfälzer glaubt fest daran, dass seine "Löwen" jetzt wieder bissiger unterwegs sind. "Wir lassen schon einen Aufwärtstrend erkennen, gegen Viktoria Berlin hatten wir schon in der Anfangs- und Schlussphase genügend Möglichkeiten." Doch gegen den Tabellenzweiten reichte es wieder einmal nur zu einem Remis (1:1).

Von Krise wurde in München nie gesprochen, aber das Grummeln war schon mächtig zu hören, als etwa Abstiegskandidat FSV Zwickau vor vier Wochen 2:0 im Grünwalder Stadion siegte. Die Fans pfiffen. Köllner und sein Trainerteam grübelten. Wie finden wir in die Spur? "Es machen oft schon Kleinigkeiten viel aus", sagt der Trainer. "Wie gestalte ich das Training? Wie gehe ich mit den Spielern um?"

Mölders plötzlich draußen

Manchmal gehen die Gedanken noch weiter: "Man darf sich aber nicht zu schade sein, Grundsätzliches infrage zu stellen." Das Grundsätzliche war auch, dass Sascha Mölders bei 1860 immer spielt. Plötzlich saß die selbsternannte "Wampe von Giesing" draußen. Köllner hatte Erklärungen: "Im aktuellen Saisonabschnitt hat Sascha eine Pause gutgetan, auch wenn er das vielleicht anders sieht." Man habe auch in der Sturmbesetzung mal einen anderen Reiz setzen wollen.

In Giesing tuschelten manche: Können Köllner und Mölders nicht mehr miteinander? "Sascha ist unser Kapitän, mein Kapitän", sagt er besonders kräftig. "Wir haben darüber unter vier Augen gesprochen." Die Enttäuschung bei Sascha sei sichtbar gewesen, "aber wenn man ihn in Buchbach gesehen hat, wie er in den ersten 45 Minuten die Mannschaft unterstützt hat, und in der zweiten Hälfte dann auf dem Platz, dann war das vorbildlich".

Mölders dürfte bald wieder in der Startelf stehen. Vielleicht schon am Samstag (14 Uhr), wenn der SV Waldhof Mannheim an der Grünwalder Straße aufkreuzt. Dann soll auch in Punktspielen mal wieder gewonnen werden.

Nur zwei Spiele verloren

Wobei die nackten Ergebnisse eigentlich gar nicht für trübe Stimmung sprechen. 16 Pflichtspiele haben die Münchener bisher in dieser Saison bestritten - 11 in der dritten Liga, 4 im BFV-Pokal und im DFB-Pokal gelang ein Überraschungssieg gegen den Zweitligisten Darmstadt 98. Von den 16 Spielen wurden nur zwei verloren. Da muss auch Köllner schmunzeln. "Das ist immer eine Frage der internen und externen Bewertung." Weil eben in der dritten Liga auch nur zwei Siege zu Buche stehen, fürchten Fans und Umfeld um den Anschluss nach oben. Intern ist die Bilanz weniger großes Thema. "Die Aussagen von unserem Präsidenten, Herrn Reisinger, und unserem Mehrheitsgesellschafter, Herrn Ismaik, zeigen, dass sie mit unserer Arbeit zufrieden sind." Und man habe auch in dieser Saison noch alles in eigener Hand: "Wir stehen nur sechs Punkte hinter Platz zwei. Und vielleicht gelingt uns ja im Pokal gegen Schalke die Sensation." Und dann kramt der Fuchsmühler in Erinnerungen: "Ich hatte in Nürnberg auch mal so eine Phase mit einigen Unentschieden, und dann sind wir am Ende sogar aufgestiegen." Was Köllner sagen will: Es ist noch nicht vorbei ...

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Info:

Die bisherige Saison von 1860 München

  • Dritte Liga
    1860 – Würzburg 1:0; Wiesbaden – 1860 0:0; 1860 – Türkgücü 1:1; Kaiserslautern – 1860 3:0; 1860 – Viktoria Köln 3:0; Braunschweig – 1860 1:1; 1860 – Meppen 1:1; Halle – 1860 1:1; 1860 – Zwickau 0:2; Verl _ 1860 1:1; 1860 – Viktoria Berlin 1:1
  • DFB-Pokal
    1. Hauptrunde: 1860 – Darmstadt 98 n.E. 6:5 (1:1)
  • BFV-Pokal
    1. Rd.: Birkenfeld – 1860 0:3; 2. Rd. Saas Bayreuth – 1860 0:3; Achtelfinale: Burghausen – 1860 n. E. 6:7 (2:2); Viertelfinale: Buchbach – 1860 2:3

 

 

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