28.10.2020 - 13:39 Uhr
Neustadt an der WaldnaabSport

Daten in falschen Händen: Eintracht Frankfurt stimmt Vergleich mit Oberpfälzer Firma zu

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Ein bisschen war's wie im Krimi: Zugangsdaten in falschen Händen, und somit illegale Zugriffe auf Datenbanken. Mittendrin ein Fußball-Bundesligist. Jetzt ist der Fall für die ISB aus Neustadt und Geschäftsführer Jürgen Kost gelöst.

Das Logo von Eintracht Frankfurt auf dem Pult des Stadionsprechers. Der Bundesligist stimmte jetzt im Datenklau-Skandal einem Vergleich mit dem Oberpfälzer Unternehmen ISB in Neustadt/WN zu.
von Josef Maier Kontakt Profil

Die (Schieds)-Richter vom Landgericht Frankfurt mussten das "böse Foul" der Eintracht doch nicht ahnden: Einen Tag vor der angesetzten Verhandlung im Streit zwischen der International Soccer Bank aus Neustadt/WN und Eintracht Frankfurt, in der über angeblich geklaute Fußballdaten geurteilt werden sollte, haben sich beide Parteien auf einen außergerichtlichen Vergleich geeinigt. "Beide Seiten haben Stillschweigen über Details und Hintergründe des Vergleichs vereinbart", sagte Geschäftsführer Jürgen Kost am Mittwoch auf Anfrage der Oberpfalz-Medien. "Deswegen kann ich zu Einzelheiten überhaupt nichts sagen."

Der 54-Jährige war seit eineinhalb Jahren immer wieder mit diesem Thema beschäftigt. Lange Zeit hatten die Oberpfälzer versucht, Kontakt mit dem Bundesligisten aufzunehmen, in den letzten Tagen kam offenbar doch noch Fahrt in die Verhandlungen. Die Klage hatte sich gegen den Verein Eintracht Frankfurt gerichtet, nicht gegen die ausgegliederte Profiabteilung.

Auf welche Entschädigungssumme sich beide Seiten geeinigt haben, ist nicht bekannt. Vor Gericht wollte ISB Schadenersatz im unteren sechsstelligen Bereich einklagen, hieß es im Mai 2019. Die "Frankfurter Rundschau" schrieb damals konkret von 200 000 Euro.

Die lange Geschichte des Datenskandals

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Die Hintergründe zum Datenklau

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ISB - Die Firma aus Neustadt/WN

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Jürgen Kost, der die ISB mit seinem Bruder Thomas vor gut 20 Jahren gegründet hat, wäre am Mittwoch selbst nach Frankfurt gereist, konnte aber jetzt in der Heimat bleiben: "Ich bin froh, dass das Thema jetzt vorbei ist und wir uns wieder unserem Tagesgeschäft widmen können." Dieses Tagesgeschäft umfasst vor allem das Zusammentragen von Zigmillionen Daten von Fußballern über den ganzen Erdball. Profiklubs und Verbände schließen mit der ISB auch Abos ab oder beziehen Videos und Newsletter, um über viele Spieler informiert zu sein. Und da soll ein Jugendtrainer der Eintracht die Zugangsdaten des Ligakonkurrenten RB Leipzig genutzt haben, um sich einzuloggen und so illegal Informationen über Spieler zu bekommen. Nachweislich habe es zwischen 2017 und 2019 etwa 5600 unerlaubte Zugriffe gegeben, hatte die ISB vor gut einem Jahr festgestellt. Die Eintracht stritt damals ab, dass der Profibereich etwas damit zu tun habe. Doch aufgrund der hohen Zahl der dokumentierten Zugriffe sei das nicht auszuschließen, sagen Experten. Zudem war es mit den Zugangsdaten möglich, dass sich die Eintracht über mögliche Transferüberlegungen der Leipziger informiert.

Der angebliche Datenklau hatte damals auch bundesweit für Aufsehen gesorgt: Auch die "Sport-Bild" und andere überregionale Blätter hatten groß darüber berichtet. Jetzt erfolgte nach eineinhalb Jahren der Abpfiff.

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