08.01.2021 - 15:44 Uhr
Neustadt an der WaldnaabSport

Werder, Fürth und Arsenal – der Neustädter Thomas Kost über sein Fußballer-Leben

Thomas Kost kickte als Bub wie sein Bruder Jürgen beim ASV Neustadt. Mittlerweile sind beide in der großen Fußballwelt zu Hause. Thomas ärgerte sogar mal einen Deutschen Meister ...

Fünf Tage nach dem Pokal-Aus gegen Werder: Fürths Trainer Thomas Kost (rechts) gibt seinem Spieler im Spiel gegen den SSV Jahn Regensburg Anweisungen.
von Josef Maier Kontakt Profil

Ein junger Oberpfälzer probte mit seinen Jungs den Aufstand: Die damals beste deutsche Mannschaft verzweifelte, 89 Minuten und ein paar Sekunden lang. Ailton, Valérien Ismaël, Frank Baumann, Ivan Klasnic - man sah nur ratlose Gesichter. Und dann das ...

"Ich weiß heute noch nicht, wie das passieren konnte." Thomas Kost grübelt auch fast 17 Jahre später noch, wie das vonstatten ging. 2:1 hatte Zweitligist SpVgg Greuther Fürth im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Werder Bremen bis wenige Augenblicke vor Schluss geführt. Fürth-Coach Kost, damals gerade 34 Jahre alt, hatte Trainerfuchs Thomas Schaaf eine knifflige Aufgabe gestellt. Doch der Franzose Johan Micoud glich für Werder noch aus. "Wir hätten uns wenigstens in die Verlängerung retten müssen", blickt Kost zurück. Star-Stürmer Klasnic machte in der Nachspielzeit allerdings auch noch das 3:2 für den späteren Pokalsieger und Deutschen Meister. Der große Triumph blieb dem jungen Coach, der aus Neustadt/WN stammt, verwehrt.

"Im falschen Film"

Der Abend dieses 3. Februars 2004 hat ihm die frustrierenden Seiten dieses Sports gezeigt, den er so sehr liebt und der schon immer sein Leben bestimmt. Mit 51 Jahren, mitten im Leben, dreht sich beruflich auch weiter alles um den Ball. "Puhh, schwierige Frage", sagt Kost auf die Nachfrage, ob dieses Werder-Spiel seine Trainerkarriere maßgeblich beeinflusst hätte. "Ich glaube nicht, dass an diesem einen Spiel alles hängt." Und: "Ich denke jetzt auch nicht jeden Tag daran, was gewesen wäre, wenn Micoud nicht getroffen hätte." Viel mehr nervte ihn das ganze Drumherum am Fürther Ronhof: "Das Bremen-Spiel war ja eigentlich toll." Danach folgte aber der triste Zweitliga-Alltag mit Abstiegsgefahr. "Ich dachte, ich bin im falschen Film", blickt er auf das Durcheinander zurück. Viele Leute wollten dem jungen Coach reinreden, Neider kamen aus den Ecken. Fürths Präsident Helmut Hack hatte den jungen aufstrebenden Kost zum Jahreswechsel als Mann der Zukunft auf die Trainerbank geholt, nur sechs Wochen später feuerte er den von ihm einst so Hochgelobten. Am 17. Februar 2004 war schon wieder Schluss.

Am Ende war der Schlussvorhang bei diesem unwürdigen Fürther Schauspiel auch ein bisschen Befreiung für Kost. Doch der Fußball hat nicht nur dunkle Seiten, sondern auch viele schöne Facetten: 1999 schon hatte er mit seinem Bruder Jürgen etwas Revolutionäres gewagt. Die beiden Neustädter sammelten Fußballdaten von Spielern und verkauften diese an Vereine und Verbände. Fast amüsiert erinnert er sich, wie die Idee damals mitgeboren wurde: "Ich war zu der Zeit Co-Trainer bei Hannover 96. Verzweifelt haben wir einen linken Verteidiger gesucht, aber keinen gefunden." Verdammt, dachten sich Thomas und sein Bruder. Da müsste es doch eine Stelle geben, wo man nachschauen kann. Auch dadurch ist die International Soccer Bank (ISB), die in Neustadt ihren Sitz hat, entstanden.

In Hannover hatte Thomas Kost schöne Jahre. "Es war eine intensive Zeit, dort hatte ich auch den ersten Kontakt zum Profifußball." Unter dem damaligen Cheftrainer Reinhold Fanz hat er einiges gelernt, arbeitete beim Traditionsclub mit Spielern wie Ex-Club-Keeper Raphael Schäfer, den Ex-Nationalspielern Sebastian Kehl und Gerald Asamoah sowie mit Otto Addo, der derzeit Co-Trainer bei Borussia Dortmund ist, zusammen. "Zu Otto habe ich noch ab und an Kontakt."

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Blick auf das Ipswich-Talent

Kost trieb seine Trainerkarriere voran, baute die ISB mit auf, und sollte Werder Bremen ein bisschen sein Schicksal gewesen sein, dann war der FC Arsenal London sein Glücksfall. Thomas Kost war schon immer neugierig. "Vor allem der ausländische Fußball hat mich interessiert." So hatte er für seinen Fußballlehrer-Schein das erste Praktikum bei Paris St. Germain absolviert, später, Anfang der 2000er Jahre, steuerte er Londons Norden an. Der Praktikant überzeugte - auch als Beobachter. Arsenals Chefscout Steve Rowley bat Kost fast schon beiläufig einmal in der Kantine, wenn er das Spiel Tottenham gegen Ipswich Town anschaue, doch ein besonderes Augenmerk auf einen gewissen Titus Bramble zu richten. Rowley bekam einen so geschliffenen Bericht über das Ipswich-Talent, dass die Einschätzungen von Thomas, aber auch seines Bruders Jürgen, fortan beim Traditionsclub gefragt waren.

Treffen mit Arsène Wenger

Eines kam Thomas Kost dabei zugute: "Ich habe als Scout immer schon wie ein Trainer gedacht." Er wusste also, auf was die Übungsleiter wert bei Spielen legen. Die Brüder hatten auch immer wieder Kontakt zu Arsène Wenger, dem großen französischen Trainer, der die "Gunners" mehr als 20 Jahre lang trainiert hat. Auch die Kosts verband mit Arsenal eine nahezu 20-jährige Zusammenarbeit. Die Oberpfälzer hatten für die Londoner Deutschland und Nachbarländer im Blick. "Arsenal hat jetzt seine Scoutingarbeit komplett umgestellt", sagt Thomas Kost, deswegen sei die Zusammenarbeit beendet worden. "Aber wir scouten weiter." Jetzt nicht mehr für einen Verein exklusiv. Aber die Neustädter haben einen guten Namen in der Branche. Die Scouting-Szene ist ja ein bisschen auch wie die Agentenszene. Man gibt sich nicht gerne zu erkennen auf einer Tribüne, ist inkognito unterwegs. Aber eines kann Thomas Kost doch verraten. "Wir haben zum Beispiel auch schon was für Newcastle United gemacht."

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Drei Kreuzbandrisse

Dass später einmal alles in Richtung Fußball gehen würde, war bei ihm schnell klar. Er und sein drei Jahre älterer Bruder Jürgen waren hochveranlagt, als sie für den ASV Neustadt kickten. "Ich war kein so Supertalentierter wie Jürgen, auch nicht so schnell wie er", sagt der kleine Bruder ohne Neid. Beide spielten auch für die großen Klubs der Region, den FC Amberg und die SpVgg Weiden. "Es ist doch klar, dass wir als Buben den Traum hatten, Profi zu werden." Aber ihnen erging es wie vielen talentierten Jungs. Der Körper spielte nicht mit. "Mit 17 hatte ich meinen ersten Kreuzbandriss", blickt Thomas Kost zurück. "Mit 20 den zweiten." Später folgte noch einer. Jürgen hatte in jungen Jahren dieselbe Leidensgeschichte. Unterkriegen ließen sie sich aber nicht. Thomas hatte schnell die Trainerkarriere im Blick. Diese Branche interessierte ihn schon zu Leistungskurszeiten am Neustädter Gymnasium. "Trainingslehre lag mir damals schon mehr als Physik", sagt er lachend. In Gießen studierte er später Sport und Psychologie. "Als ich aber 1996 in Hannover als Trainer anfangen konnte, habe ich das Studium abgebrochen." Er hat es nie bereut.

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Gießen ist vielleicht auch ein Stichwort, warum Thomas Kost heute in Berlin lebt. Seine damalige Freundin und heutige Frau Edit hatte ihren Thomas überall hin begleitet. Zum Studium nach Gießen, nach Köln, wo Kost seinen Fußballlehrer baute, in Hannover war sie dabei, in Fürth ebenso. Auch als Kost 2007 nochmals für ein paar Monate als Trainer zum griechischen Zweitligisten Pierikos wechselte, war die gebürtige Ungarin dabei. Ebenso in Hof, wo Thomas Kost zwei Mal den FC Bayern coachte. "Jetzt ist meine Frau dran", sagte Thomas aber 2010. Edit liebt Kunst, Museen, was lag da näher, als sich in Berlin niederzulassen. Edit arbeitet dort auch als Autorin und Übersetzerin. Den beiden gefällt es wunderbar in der Hauptstadt. "Wir haben den Grunewald direkt vor der Haustür. Da könnte ich jeden Tag einen Halbmarathon laufen", erzählt der Oberpfälzer. Macht er natürlich nicht, "aber wir machen viel Sport". Kennengelernt haben sich beide 1991, als Edit bei einem Schüleraustausch am Neustädter Gymnasium war. Seitdem sind sie unzertrennlich unterwegs.

Mit Mellencamp auf der Bühne

Vieles dreht sich in Kosts Leben um den Ball. "Ja, was wär' aus mir geworden, wenn es den Fußball nicht gäbe?" Der Oberpfälzer überlegt. "Vielleicht hätte ich was mit Medizin oder Tieren gemacht." Oder Musik? Vor vielen Jahren durfte er mal bei einem Konzert von John Cougar Mellencamp in Frankfurt auf die Bühne und schmetterte vor aufgeheiztem Publikum einen Song. Rockstar ist er keiner geworden. Der Fußball ist einfach sein Ding.

Info:

Das ist Thomas Kost

  • Geboren am 13. Mai 1969
    mit zwei Schwestern und einem Bruder in Neustadt aufgewachsen
  • Erste fußballerische Schritte
    beim ASV Neustadt/WN, später bei der SpVgg Windischeschenbach, FC Amberg, SpVgg Weiden oder Jahn Forchheim; Karriereende mit 21 Jahren
  • Ausbildung
    Abitur in Neustadt/WN; Sport- und Psychologiestudium in Gießen (abgebrochen), Fußballlehrer in Köln
  • Berufliche Stationen
    Co-Trainer Hannover 96 (1996 bis 2000); 1. Juli 2001 bis 20. März 2002 Trainer Greuther Fürth II; 30. Dezember 2003 bis 17. Februar 2004 Trainer der Fürther Profimannschaft; 1. Juli 2004 bis 30. Juni 2006 Trainer FC Bayern Hof, 2. Oktober 2007 bis 25. Februar 2008 Trainer des griechischen Zweitligisten Pierikos; 17. November 2009 bis 15. April 2010 Bayern Hof
  • Scoutingtätigkeit für FC Arsenal und andere Klubs
  • 1999 Gründung der ISB (International Soccer Bank)
  • Soziales Engagement
    Mit Schwester Silke und Bruder Jürgen Gründer von Dignitos: Die Vereinigung finanziert bedürftigen Menschen über Spenden ein Essen in Restaurants

 

 

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