22.06.2020 - 18:00 Uhr
NürnbergSport

Der Club zwischen Resignation, Ratlosigkeit und Relegation

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90 Minuten stehen in der Zweitliga-Saison 2019/20 noch aus. Endet dann auch für den 1. FC Nürnberg eine völlig verkorkste Spielzeit? Nur, wenn an der Ostsee alles nach Plan verläuft. Oder der ungeliebte Nachbar mithilft.

Christian Mathenia, Torhüter des 1. FC Nürnberg, musste sich das Unheil auch noch in Zahlen auf der Anzeigetafel ansehen.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Erinnern Sie sich noch an den 18. April 2019? Es war ein Sonntag, kurz vor 20 Uhr, als Tim Leibold in der Nachspielzeit einen Elfmeter gegen den großen FC Bayern München an den Innenpfosten setzte, von wo aus der Ball die Torlinie entlang ins Aus rollte. Dieser um Millimeter verpasste Sieg gegen den Rekordmeister – es blieb beim für die Münchener schmeichelhaften 1:1 – war so etwas wie der endgültige Bundesliga-K.-o. für den 1. FC Nürnberg. Drei Spieltage später ging es zurück in die zweite Liga. Ja hätte Leibold diesen Strafstoß versenkt, dann würde der Club heute vielleicht noch in der Beletage des deutschen Fußballs mitwirken. "Wäre, wäre, Fahrradkette", würde Lothar Matthäus dazu wohl anmerken.

Christian Mathenia schämt sich

Warum dieser kleine Rückblick? Wer das desaströse 0:6 gegen den VfB Stuttgart gesehen hat, kann sich kaum mehr vorstellen, dass sie erst etwas mehr als ein Jahr her sind – diese Nürnberger Duelle gegen Bayern, Dortmund, Schalke oder Leipzig. Nicht erst seit diesem schwarzen Sonntag erscheinen Vergleiche dieser Art künftig im Duden vermutlich unter "U" wie Utopie. "Heute schäme ich mich erstmals für unsere eigene Leistung. Ich kann mich nur entschuldigen, aber das will wahrscheinlich keiner hören. Wir haben uns viele individuelle Fehler geleistet. Das ist ein bitterer Tag", sagte ein konsternierter Club-Keeper Christian Mathenia nach dem Sechserpack gegen die Schwaben ins Sky-Mikrofon. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Tempo, Zweikampfhärte, Körpersprache, Passspiel, Torgefahr, Moral, Wille – dem Spiel der Nürnberger ging so ziemlich alles ab, was im Abstiegskampf der 2. Liga eigentlich Grundvoraussetzung sein sollte.

Hier geht's zum Spielbericht 1. FC Nürnberg – VfB Stuttgart 0:6

Nürnberg

Dazu schickte der Karlsruher SC schöne Grüße ins Frankenland. Der direkte Konkurrent im finalen Duell um Rettung oder Abstiegsrelegation am kommenden Sonntag machte gegen den Meister Arminia Bielefeld aus einem 0:3-Rückstand nach 20 Minuten noch ein 3:3. So sehen Teamgeist und Moral einer Mannschaft aus, die noch an die Rettung glaubt, und die mit jeder Menge Einsatz auch das Glück bei strittigen Elfmeterentscheidungen für sich erzwingt. Die Kicker im rot-schwarzen Dress dagegen ließen die Sechs-Tore-Schmach nahezu wehrlos über sich ergehen. So fällt es schwer, Mutmacher für das Relegationsfinale an der Ostsee bei Holstein Kiel zu finden. Mit einer ähnlichen Nicht-Leistung wie gegen Stuttgart erleidet die Nürnberger Flotte im hohen Norden Schiffbruch. Oder wie es Mathenia formulierte: "Jetzt müssen wir es nächste Woche mit einem Sieg richten. Wir müssen jetzt einfach die Arschbacken zusammenkneifen.“

Hoffnung auf Fürth-Hilfe

Wenn selbst das nicht mehr gelingen mag, bleibt nur noch, auf Schützenhilfe ausgerechnet des ungeliebten Nachbarn zu hoffen. Dann sollte Greuther Fürth gegen den KSC zumindest ein Pünktchen ergattern, um die Relegation für den Club noch zu verhindern. Klassenerhalt dank der Unterstützung des ärgsten Rivalen: Das würde einer völlig verkorksten Saison des 1. FC Nürnberg noch die Krone aufsetzen. Und überträfe in seiner Wirkung wohl einen verschossenen Elfer in der Nachspielzeit gegen die Bayern.

Ein Kommentar zum Nürnberger Debakel gegen den VfB Stuttgart

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