24.11.2021 - 21:21 Uhr
OberpfalzSport

So denken die Chefs regionaler Bayern-Fanclubs über den Sponsor aus Katar

Corona, Corona, Corona – vieles wird sich bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern am Donnerstag um die Pandemie drehen. Doch es gibt noch ein anderes, heißes Thema.

Beim Spiel des FC Bayern München gegen den SC Freiburg, am 11. Spieltag, protestieren Münchner Fans mit einem Transparent "Für Geld waschen wir alles rein" gegen die Geschäftsbeziehungen mit Katar.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Von Josef Maier und Katrin Pasieka-Zapf

Bayern-Fan Michael Ott (28) dürfte am Donnerstagabend bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern seinen großen Auftritt haben. Er will das Katar-Engagement des Rekordmeisters am besten schon 2023 beenden. Es gezieme sich nicht, mit den Herrschern aus dem Nahen Osten Geschäftsbeziehungen zu unterhalten, argumentiert er. Wir haben einige Fanclub-Bosse aus der Region befragt, wie sie darüber denken.

Gerhard Pickel, Chef des FC Bayern-Fanclubs Sulzbach-Rosenberg

Gerhard Pickel ist erster Vorsitzender des FC Bayern Fanclub Sulzbach-Rosenberg.

"Ich sehe die Situation nicht unbedingt kritisch, aber optimal ist sie auch nicht", sagt Gerhard Pickel, erster Vorsitzender des FC Bayern Fanclubs in Sulzbach-Rosenberg. Für ihn wäre es richtig gewesen, den Antrag der Fans auf die Tagesordnung zu setzten. "So kann man über die Problematik diskutieren und vielleicht eine Lösung finden." Dass die Mitglieder generell über einen Geldgeber entscheiden können, glaubt er nicht. Auch nicht, dass die Bayern-Bosse den Vertrag mit Qatar-Airways wegen der aktuellen Proteste fallen lassen. Das Thema Menschenrechte müsste seiner Meinung nach schon vor der Vergabe einer WM geprüft und kritisch hinterfragt werden. An der Jahreshauptversammlung nimmt Pickel nicht teil. Der Grund: "Ich bin kein Mitglied beim FC Bayern München."

Gerhard Stadler, Chef des Bayern-Fanclubs Floß

Gerhard Stadler.

"Natürlich kann man da geteilter Meinung sein, was auch die Ausrichtung der WM dort betrifft: Aber ich denke nicht, dass der FC Bayern vor allem in dieser derzeit schwierigen Lage auf diese Gelder verzichten kann. Wenn man diese Sachen anprangert, dann muss man einiges anprangern, etwa wenn Gelder für andere Klubs von Oligrachen oder auch aus dem Nahen Osten kommen. Bei der ganzen Sache ist auch oft einiges an Populismus dabei. Es sind aber auch oft solche Leute, die das anprangern, die dann aber für 15 Euro in der Südkurve stehen wollen. Katar ist sicherlich nicht das Nonplusultra bei Menschenrechten, aber ich maße mir nicht an, darüber richtig zu urteilen. Mit Corona haben wir derzeit auch andere Probleme."

Bernd Hofmann, Chef des Bayern-Fanclubs Nabburg/Oberpfalz

Bernd Hofmann.

Bernd Hofmann, der auch im Fan-Forum des FC Bayern mitarbeitet, war einige Male vor Ort und hat eine klare Meinung: "Wir waren mit dem Fanclub schon drei Mal in Katar, und waren dort mit Einheimischen sowie auch mit Deutschen, die dort leben, im intensiven Kontakt. Die sind zutiefst enttäuscht darüber, wie wir über Ihr Land denken. Wir haben das Land ganz anders kennengelernt, als es dargestellt wird. Das Land steht durch dieses Sponsoring des Weltvereins FC Bayern auch im ständigen Fokus, auch dadurch werden Missstände, die es zweifellos gibt, immer wieder ins Gedächtnis gerufen. Wenn man diese Sache jetzt beendet, wird es keine Verbesserungen geben. Katar ist durch diese Verbindung unter ständiger Beobachtung, nur so kann es Änderungen geben."

Marcus Fritsch, Chef des FC-Bayern-Fanclubs Wildenau

Marcus Fritsch.

Bei dieser Frage ist Marcus Fritsch zwiegespalten: "Natürlich ist der FC Bayern München mittlerweile ein großes Wirtschaftsunternehmen, das auch Sponsorengelder generieren muss. Und da ist Qatar Airways ein wichtiger Faktor. Andererseits ist da die Menschenrechtslage in Katar. Die Menschenrechte stehen über allem, der FC Bayern ist ja auch ein sozialer Verein, der sich diese auf die Fahnen geschrieben hat. Es ist total schwierig. Die Bayern-Verantwortlichen sollten von den Katarern verbindliche Auskünfte über die Lage dort fordern. Gibt es diese nicht, muss man das Engagement wohl überdenken."

Josef Finster, Chef der "Kaisertreuen 1995" Vilseck

Josef Finster.

Eine klare Meinung verfolgt Josef Finster, der am Dienstag den FC Bayern noch in Kiew unterstützt hat: "Wenn man an der Spitze mitspielen will, braucht man große Sponsoren. Andere Vereine in anderen Ländern werden so auch finanziert. Jeder Verein ist dabei für sich selbst verantwortlich und muss selbst schauen, wo er sein Geld herbekommt. Der FC Bayern kann die Problematik in dem jeweiligen Land zwar anmahnen, entscheidend sind aber dann die Politik vor Ort."

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