21.11.2021 - 09:15 Uhr
NürnbergSport

Zum 80. Geburtstag: Elf Fragen an Kult-Fußballreporter Günther Koch

Er kann's nicht lassen: Auch am Montag, seinem 80. Geburtstag, jagt er für eine Stunde dem Ball nach. Günther Koch ist aber mehr als der Fußballreporter. Er saß eigentlich schon im Bayerischen Landtag, doch einige hatten etwas dagegen.

Günther Koch in seinem geliebten Frankenstadion von Nürnberg. Der Kult-Reporterf feiert am Montag seinen 80. Geburttsag. Koch ist aber mehr als nur die Stimme Frankens.
von Josef Maier Kontakt Profil

In unserer Rubrik im Sportteil stellen wir normalerweise "Elf Fragen" an Fußballer. Da geht es um vieles auf und neben dem Platz. Dieses Mal stellen wir die "Elf Fragen" an die Reporterlegende Günther Koch. Da geht es natürlich auch um Fußball, aber ebenso um Politik und seine Kirche. Zu seinem 80. Geburtstag erinnert er sich an viele Details.

ONETZ: 1. Gibt es eine Szene in Ihrem Kommentatorenleben, in dem sie sprachlos waren?

Günther Koch: Nein, nein, die Szene gab es nicht. Selbst als es mal bei einem Bayern-Spiel 2005 bei Arsenal im Highbury-Stadion einen Bombenalarm gab und die Sicherheitsleute mit Hunden bei mir am Pult suchten, habe ich den Leuten weiter erklärt, wie man englischen Assam-Tee kocht. Ich glaube, ich war noch nie sprachlos.

ONETZ: 2. Was war Ihr schönstes Erlebnis als Radioreporter?

Günther Koch: Der Pokalsieg des Clubs 2007 in Berlin. Danach habe ich meine Live-Tätigkeit beim Bayerischen Rundfunk eingestellt. Viele meinen ja, das wäre 2006 gewesen, aus Verärgerung darüber, dass ich nicht für die WM als Kommentator nominiert worden war. Das stimmt zwar, was „Heute im Stadion“ betrifft, aber Bayern 3 hat mich damals zum Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart zu einer Live-Reportage eingeladen. Da bin ich völlig ausgeflippt zum Schluss. Das war das Höchste für mich.

ONETZ: 3. Sie haben viele Stadien dieser Welt gesehen. Welches war das schönste, in dem Sie gearbeitet haben?

Günther Koch: Barcelona, Camp Nou. Nicht nur wegen der Zuschauergröße. Du kannst das so wunderbar beschreiben: Die Höhe der Ränge, die verschiedenen Farben. Der Blick nach unten. Du meinst, Du bist am Wallberg und schaust runter auf den Tegernsee. Und dann die vornehme Art der Barcelonier. Sie haben mir Ihre Verehrung bekundet, haben mir auf die Schulter geklopft. Das waren so vornehme Leute. Ich glaube, ich war fünf, sechs Mal in Barcelona. Und dann das Frankenstadion: Luftig, schön, normal, ein glücklicher Rasen, der atmen kann, winters wie sommers.

ONETZ: 4. Gibt es einen Satz in Ihrem Reporterleben, der Ihnen leid tut?

Günther Koch: Augsburg gegen Bayern München vor einigen Jahren. Da ist FCA-Spieler Kapllani alleine auf Oliver Kahn zugelaufen und meinte, er muss nochmal tricksen. Ich sagte, der Blaidel, warum schießt der nicht. Ich habe mich aber wenige Minuten später live am Mikrofon beim FC Augsburg und dem Spieler entschuldigt.

ONETZ: 5. Sie waren vor Jahren auch für das damalige Bezahlfernsehen „Arena“ auf Sendung. Wie beurteilen Sie nach Jahren Ihren Ausflug in die Fernsehwelt?

Günther Koch: Ich führe ja ein sehr wundervolles, abwechslungsreiches Leben und da gehört auch das Fernsehen dazu. Bei der ersten Sendung hatte ich in Stuttgart einen entscheidenden Bild- und Tonausfall, das hatten wir aber bis vor kurzem verschwiegen. Gegen Ende klang das alles durchaus zumindest ordentlich, das haben auch Kritiker bestätigt. Aber beim Fernsehen ist man ja eigentlich überflüssig. Im Fernsehen braucht man eigentlich keinen Kommentator. Da muss man auch den Mund halten, das habe ich gelernt. Aber im Radio, da bin ich der Bildermaler.

ONETZ: 6. Der Club ist Ihr Herzensverein. Der Nachbar heißt SpVgg Greuther Fürth? Wie ist da Ihre Gefühlslage?

Günther Koch: Mein höchster Respekt. Das habe ich ja beim Club immer wieder gesagt, dass ich es am liebsten hätte, wenn der FCN und Greuther Fürth zusammengehen würden. Ich weiß, das klingst spinnert, ist es aber nicht. Was die in Fürth leisten, davor kann man nur den Hut ziehen. Auch die sportliche Haltung, mit der sie jetzt untergehen, ist bewundernswert. Da gehört Haltung dazu. Und dann die zwei Aufstiege und die gute Scoutingarbeit. Mehr will ich jetzt aber nicht sagen, sonst kriege ich beim Club noch Ärger.

ONETZ: 7. Nach Ihrer Journalistenseite haben Sie als Club-Aufsichtsrat die andere Seite des Geschäfts kennengelernt. Können Sie ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern?

Günther Koch: Diese Erfahrung war sehr wichtig. Ich habe jetzt einen ganz anderen Ein- und Durchblick. Ich kenne alle Zusammenhänge. Mir kann keiner mehr was erzählen. Ich habe menschlich sehr interessante Erfahrungen und Beobachtungen gemacht. Mehr darf ich nicht sagen.

ONETZ: 8. Im Jahr 2003 wurden Sie von Listenplatz 2 für die SPD Mittelfranken in den Landtag gewählt. Einige taten alles, um das zu verhindern. Haben Sie es bereut, das Mandat nicht angenommen zu haben?

Günther Koch: Nein! Was ich bereut habe, ist was anderes. Ich habe doch nicht geglaubt, dass man mir die Pistole auf die Brust setzt. Ich Depp habe nicht geglaubt, dass es so weit kommt, dass sie wegen mir die Dienstordnung dahingehend ändern, dass auch kein freier Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks ein politisches Mandat haben darf. Das haben Sie mir aber erst nach der Wahl gesagt. Sonst hätte ich schon vor der Wahl noch öfter gesagt, dass ich im Zweifelsfall Reporter bleibe. Ich hatte ein Rekordergebnis, mit dem keiner rechnete, und musste dann meine Wähler enttäuschen. Ich habe mich dann entschuldigt, aber das schmerzt heute noch. Diese Erfahrung ist der dunkle Punkt in meiner Lebensgeschichte.

ONETZ: 9. Es hieß, CSU-Granden wie Edmund Stoiber und Günther Beckstein hätten Ihre Hände im Spiel gehabt. War das so?

Günther Koch: Das ist keine Vermutung, das war so. Die wollten mir schon damals, und zwar sofort als bekannt wurde, dass ich mich aufstellen lasse, am 30. November 2002 beim nächsten Spiel Nürnberg gegen Dortmund das Mikrofon wegnehmen. Der junge Markus Söder hat womöglich Angst bekommen, dass ich, ein in seinem Stimmkreis sehr bekannter Lehrer (25 Jahre an der Peter-Henlein-Realschule) und Seminarrektor, gegen ihn als Direktkandidat antrete. In diesem Fall hätte er zumindest Federn lassen müssen.... Aber ich war ja nur Listen-Kandidat.

ONETZ: 10. Sie waren ein Leben Berufsleben lang auch Realschullehrer. Auch für evangelische Theologie. Wie zufrieden Sind Sie mit Ihrer Kirche?

Günther Koch: Seit ich Aufsichtsrat war, weiß ich, dass man bei allen Institutionen mit dem Üben von Kritik vorsichtig sein muss, weil die in ihrem Handeln nicht so frei sind, wie Klein Otto sich das vorstellt. Als überzeugter evangelischer Christ denke ich, dass die evangelische Kirche viel mehr richtig als verkehrt gemacht hat. Alles richtig macht ohnehin keiner. Ich fühle mich aber in der evangelischen Kirche sehr gut aufgehoben.

ONETZ: 11. Der Club is a Depp, heißt es im Volksmund. Sagen Sie uns, warum der Club kein Depp ist?

Günther Koch: Der Club ist kein Depp. Dem Club geht es nicht nur um Erfolg, sondern auch um andere Dinge. Um gesellschaftliche Verantwortung etwa. Der 1. FC Nürnberg hat da ein großes Programm, der Club ist wie das Leben. Die gesellschaftliche Verantwortung und das Miteinander nimmt der Club sehr ernst. Es ist eine Liebe, gegen die ich mich anfangs gewehrt habe. Früher war ich Bayern-Fan, ich komme ja aus München. Da war Bayern noch ein kleiner, benachteiligter Verein.

Kochs Lieblingsclub ist im Pokal draußen

Nürnberg

Der Club und sein durchwachsener Auftakt

Nürnberg

Die legendäre Stimme Frankens

Info:

Das ist Günther Koch

  • Geboren am 22. November 1941 in Posen, aufgewachsen in Traunstein und München
  • Verheiratet, Vater von zwei Töchtern, wohnt in Nürnberg
  • Ab 1964 Volksschullehrer in Nürnberg, nach einem Zweitstudium ab 1974 Realschullehrer für Deutsch, Englisch und Evangelische Theologie in Nürnberg.
  • 3. April 1977: Erste Livereportage in "Heute im Stadion" beim Zweitligaderby Bayern Hof gegen FC Augsburg
  • 2003 Wahl in den bayerischen Landtag als SPD-Listenkandidat. Koch verzichtet, weil er sonst nicht mehr Reporter hätte sein können.
  • Oktober 2011: Wahl in den Aufsichtsrat des 1. FC Nürnberg (bis 2020)
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.